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Wege aus der Medienkrise

01.12.2004


Mit Internet, Unabhängigkeit und Nutzwertjournalismus wollen die Verlage aus der Medienkrise heraus. So lautet ein Fazit bei Halbzeit der öffentlichen Vortragsreihe der Journalistik an der Universität Leipzig.


Chefredakteure führender deutscher Blätter setzen mit Onlinetechnologien, journalistischer Unabhängigkeit und Orientierung am Leser auf das Ende der Auflagen- und Werbekrise. Zur Halbzeit der öffentlichen Vortragsreihe "Wege aus der Medienkrise" sagte Prof. Dr. Michael Haller, Leiter der Abteilung Journalistik an der Universität Leipzig: "Das Tal der Medienkrise in Deutschland ist durchschritten. Die Verlage, die auf journalistische Qualität gesetzt haben, haben die Rezession besser überwunden." Haller zeichnet für die Vortragsreihe verantwortlich. Zu Gast waren bislang die Chefredakteure des stern, Thomas Osterkorn, der Süddeutschen Zeitung, Hans-Werner Kilz, und der Netzeitung, Michael Maier, Chef der Berliner Online-Zeitung. Es folgen der Verlagschef des Focus Magazin Verlags, Frank-Michael Müller, der Chefredakteur der Welt am Sonntag, Christoph Keese, und die Chefin von brand eins, Gabriele Fischer.

Thomas Osterkorn, Chefredakteur des stern, sagte, sein Magazin setze auf große Serien und Nutzwertjournalismus. "Orientierung in einer Gesellschaft mit immer mehr Wahlmöglichkeiten wird für den Leser zunehmend wichtiger." Auch in einer Fernsehgesellschaft blieben "hochkarätige" Fotoreportagen ein Markenzeichen des stern. Hans-Werner Kilz, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, betonte, sein Verlag habe einen Anzeigeneinbruch von rund 75 Prozent des Werbevolumens des Jahres 2000 zu verkraften gehabt. Wenn die Anzeigenkunden jetzt mehr wirtschaftlichen Druck ausübten, gewinne journalistische Unabhängigkeit wieder an Bedeutung. Diese werde vom Leser am meisten honoriert. Neuartige Konzepte wie der Vertrieb von Romanreihen hätten zusätzliche Kaufanreize geschaffen. Die Buchreihe "Süddeutsche Bibliothek" sei in den vergangenen Monaten mehr als 60.000 Mal verkauft worden. Der Chef der Netzeitung, Michael Meier, sagte, ihn faszinierten die neuen Möglichkeiten des Internetjournalismus. Trotz automatisierter Nachrichtenplattformen wie "google news" und neuer Medienformen wie Weblogs werde aber die journalistische Recherche weiterhin ihren zentralen Platz haben. Die Netzeitung ist derzeit Deutschlands einzige reine Online-Zeitung und beschäftigt rund 50 feste und freie Mitarbeiter.


Der Leiter der Focus-Verlags-Gruppe aus München, Frank-Michael Müller, ist am 1. Dezember zu Gast. Er spricht zum Thema "Innovatives Marketing beim FOCUS Magazin Verlag" ab 18 Uhr im Zeitgeschichtlichen Forum in der Grimmaischen Straße in Leipzig, das von der Leipziger Journalistik als Veranstaltungsort gewonnne werden konnte.

Weitere Informationen:

Dr. Martin Welker, Telefon: 0341 97-35755, E-Mail: welker@uni-leipzig.de

Volker Schulte | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

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