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Eine digitale Zeitreise ins Europa des Jahres 2014

20.09.2004


Internetprojekt der Universität Augsburg und der HypoVereinsbank zur Zukunft Europas betreibt Trendforschung einmal anders


Sind 10 Jahre eigentlich kurz oder lang? Wer weiß schon, wie Europa im Jahr 2014 aussehen wird? Viele Menschen trauen sich jedenfalls nicht zu, so weit in die Zukunft zu blicken. Das Internetprojekt "Zeitkapsel" hilft ihnen dabei. Über 1.000 Menschen haben sich bereits auf die Zeitreise begeben und ihre Vorstellungen über das Europa des Jahres 2014 formuliert. Das Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Augsburg ist ihr Reisebegleiter. Trendforschung einmal anders.

Die Zeitkapsel steht noch bis 31. Dezember 2004 unter http://www.euro.de/zeitkapsel auf ihrer digitalen Startrampe. Über 1.000 Abenteuerlustige haben bereits ihre Erwartungen, Hoffnungen und Ideen rund um das neue Europa auf die Zeitreise geschickt. Auch Karl-Heinz Rummenigge und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sind dabei. Persönliche Visionen und Träume zu Kunst und Kultur, Wirtschaft, Politik, Sport und Medien finden sich dort. Spannend zu lesen wie ein Science-Fiction-Roman.


Über Europa nachdenken

Prof. Dr. Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Augsburg, über das gemeinsame Projekt mit der HypoVereinsbank: "Europa ist viel zu wichtig, als dass man es den Bürokraten überlassen könnte. Wir wollen Menschen anregen, über die Zukunft Europas nachzudenken. Auch um Interesse und Engagement für das Europa von morgen zu fördern." Europäische Politik wird immer wichtiger: So war beispielsweise das Europaparlament noch vor zehn Jahren eher eine Versammlung mit symbolischem Charakter. Gegenüber der Europäischen Kommission und dem Europarat hatte es kaum Gewicht. Heute bedürfen 80 Prozent der europäischen Gesetze und Verordnungen der Zustimmung des Europaparlaments. Und die Europäische Kommission kann sogar durch ein Misstrauensvotum des Europaparlaments zu Fall gebracht werden. Mehr noch: Bis zu 70 Prozent der Politik in den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten werden in Straßburg und Brüssel gemacht. Vor allem wirtschaftspolitische Entscheidungen werden längst nicht mehr in erster Linie im Deutschen Bundestag oder in den nationalen Parlamenten Italiens, Spaniens oder Griechenlands getroffen. Was von der Europäischen Kommission und vom Europaparlament entschieden wird, schlägt sich meist unmittelbar in den nationalen Politiken - und damit in unser aller Leben - nieder.

In zehn Jahren Post aus der eigenen Vergangenheit

Bei der "Zeitkapsel" kann jeder mitmachen und seine Gedanken und Ideen rund um das Thema Europa für zehn Jahre virtuell "vakuumsversiegeln". Was die Teilnehmer in welchem Umfang speichern, ist freigestellt: Text, Audio- oder Bilddateien - alles ist möglich. Der Inhalt wird für die nächsten zehn Jahre in einem "elektronischen Tresor" aufbewahrt. Im Jahr 2014 bekommen die Teilnehmer dann Post aus ihrer eigenen Vergangenheit. Ihr Datenpäckchen wird ihnen dann per E-Mail zugesandt. "Wir werden die Teilnehmer in zehn Jahren befragen, welche ihrer Hoffnungen, Wünsche und Befürchtungen wahr geworden sind", so Brettschneider.

"Zeitkapsel" mit Befragung

Schon jetzt enthält die "Zeitkapsel" eine Befragung: Ist das Europa des Jahres 2014 eher Anlass zur Sorge oder zur Freude? Wird es ein europäisches Staatsoberhaupt geben? Wird der Euro den US-Dollar als Weltwährung abgelöst haben? Und was wird im Jahr 2014 "typisch europäisch" sein? Brettschneider: "Wissen kann das niemand, denn es steht noch nicht fest. Es wird noch gestaltet. Auch von uns. Was werden wir tun, um die Zukunft zu formen? Und über welchen Zustand aus dem Jahr 2004 werden wir in zehn Jahren verständnislos den Kopf schütteln - weil wir es uns einfach nicht mehr vorstellen können, dass es einmal so war?"

Ein Gefühl für Zeit vermitteln

"Daneben wollen wir in einer immer schnelllebigeren Zeit ein Gefühl für Zeit vermitteln", so Brettschneider. Wie lange sind zehn Jahre? Wie lang- oder auch wie kurzlebig eine Dekade sein kann, zeigen auf der Website drei Newsticker mit Nachrichten aus der Vergangenheit (1994), der Gegenwart (2004) und der Zukunft (2014). So kann die psychologische Barriere, sich die Zukunft vorzustellen, etwas aufgeweicht werden. Phantasie wird gefördert. Ein zeitlicher Bezugsrahmen wird geschaffen: Vor zehn Jahren wurde Michael Schumacher zum ersten Mal Formel 1-Weltmeister. PLO-Chef Arafat kehrte nach 27jährigem Exil nach Gaza zurück. Der Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien wurde eröffnet. Und die letzten russischen Soldaten haben die neuen Bundesländer verlassen. Und was wird in zehn Jahren sein?

Kontakt:

Prof. Dr. Frank Brettschneider
Kommunikationswissenschaft
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-5665
frank.brettschneider@phil.uni-augsburg.de

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://www.euro.de/zeitkapsel
http://www.philso.uni-augsburg.de/web2/KW/KW.htm

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