Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Software erkennt Themen in Multimedia-Daten

20.04.2001


Gleich mit drei Exponaten ist die Gerhard-Mercator-Universität Duisburg diesmal auf der weltgrößten Industriemesse, der Hannover Messe (23.-28. April), vertreten. Der Erdgasreformer zur netzunabhängigen
Stromversorgung aus der Brennstoffzellentechnologie und das "intelligente" Störungsfrühwarnsystem TELIS gehörten bereits im letzten Jahr zu den Exponaten. Erstmals in Hannvover präsentiert wird eine Software, die ungeahnte Möglichkeiten der Informationsbeschaffung bzw. -filterung eröffnet. Denn mit dem "Alert-System" lassen sich nicht nur Internetseiten durchsuchen, sondern auch Radio- und TV-Sendungen beobachten, auswerten und archivieren.

Das Fachgebiet Technische Informatik (Fachbereich Elektrotechnik) der Duisburger Hochschule beschäftigt sich mit Sprach- und Bilderkennung. Besonderes Interesse gilt dabei den zwei großen Anwendungsbereichen "Mensch-Maschine-Kommunikation" und "Intelligente Multimedia-Informationsverarbeitung". Viele Projekte haben die Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Gerhard Rigoll bereits realisiert. Jetzt haben sie ein einzigartiges System zur automatischen Themenerkennung in Multimedia-Daten entwickelt. Das "alert system for selective dissemination of multimedia information", kurz Alert-System, hilft dem Nutzer, aus dem übergroßen und oft unüberschaubaren Informationspool von Radio, Fernsehen und Internet die für ihn relevanten Aussagen herauszufiltern und weiterzuverarbeiten.

Noch geschieht die Informationsgewinnung aus TV- und Radiosendungen auf klassischem Wege: Ein Mensch sieht, hört, liest und wertet aus. Das ist enorm zeitaufwändig und für eine Firma, die beispielsweise die Konkurrenz beobachten oder ihre Medienpräsenz dokumentieren lassen möchte, auch sehr teuer. Beim Alert-System wird durch die automatische Analyse des Computers nicht nur Zeit und Geld gespart, sondern es können sogar gleichzeitig mehrere Programme rund um die Uhr beobachtet werden.

Doch wie funktioniert "Alert"? Beispiel TV-Nachrichtensendung: Alles, was gesagt wird, sei es vom Nachrichtensprecher, Reporter oder Interviewten, wird durch die automatische Spracherkennung in Text umgewandelt. Themen und Schlüsselwörter werden dabei erkannt und in einer Liste gespeichert. Die speziellen Interessen des Nutzers, die dieser per Schlüsselwörter definieren kann,werden mit den registrierten Themen und Schlüsselwörtern aus der Sendung verglichen. Gefundene Übereinstimmungen werden angezeigt und dem Benutzer automatisch mitgeteilt (=alert). Da das System Themengrenzen wie auch die verschiedenen Teile einer Sendung (Moderation, Reportage etc.) erkennen kann, werden keine unnötigen oder gar unerwünschten Informationen versendet.

Für die Umwandlung von Sprache in Text wurde die Alert-Software gründlich trainiert. Aus Zeitungstexten, Audio- und Video-Material wurden bislang rund 350 Millionen Wörter verarbeitet. Ganz fehlerfrei ist der automatisch gewonnene Text nicht, und das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern. Denn Musiküberlagerungen oder starke Hintergrundgeräusche bei Reportagen führen zu Ungenauigkeiten bei der Textumwandlung.

Deshalb haben die Duisburger Wissenschaftler Methoden entwickelt, die weit über die herkömmliche Suche nach Schlüsselwörtern hinausgehen und einen inhaltsorientierten Zugriff ermöglichen. So wird man in Zukunft nach Radio- und Filmbeiträgen, etwa zum Thema "Ölpreis", suchen können und dabei auch solche Ergebnisse erhalten, die - ohne dass das Wort überhaupt auftaucht - thematisch passen. Das Alert-System liest sozusagen zwischen den Zeilen.

Sollte "Alert" irgendwann marktreif sein (das System lässt sich auf jedem handelsüblichen PC installieren), könnte es vielfältig eingesetzt werden: bei der Medienanalyse, beim sogenannten Beobachten (Monitoring) tagesaktueller Informationen, aber auch bei beruflichen oder privaten Recherchen in großen Film- und Nachrichtenarchiven. Und das alles in drei Sprachen, denn die Uni Duisburg entwickelt das System seit März letzten Jahres zusammen mit Partnern aus Deutschland, Frankreich und Portugal. Auch die EU hängt finanziell mit drin: rund 1,5 Mio Euro Fördergelder kommen aus Brüssel.

Das Projekt läuft noch bis Mitte 2002, aber schon jetzt versuchen die Wissenschaftler es auszuweiten. Die Voraussetzungen dazu haben sie bereits mit anderen Forschungsprojekten geschaffen. Etwa mit der Gesichtserkennung. So könnte "Alert" darauf programmiert werden, Personen in Filmen und Bildern zu registrieren und per Suchbefehl auch zu finden. Viele weitere interessante Anwendungen sind denkbar.

Das Alert-System wird während der Hannover-Messe auf dem Gemeinschaftsstand "Forschungsland NRW", Halle 18, Stand M12, präsentiert. Weitere Info im Internet unter http://alert.uni-duisburg.de

Kontakt: Prof. Dr. Gerhard Rigoll, Tel. 0203/ 379-4221, und Andreas Kosmala, Tel. 0203/ 379-4223.

Ulrike Bohnsack | idw

Weitere Berichte zu: Alert-System Multimedia-Daten Schlüsselwörter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Auf Videokacheln basierendes DASH Streaming für Virtuelle Realität mit HEVC vom Fraunhofer HHI
03.01.2017 | Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik Heinrich-Hertz-Institut

nachricht Virtuell und 360°: die Zukunft bewegter Bilder
04.10.2016 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise