Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was hat das Moorhuhn Johnnie Walker gebracht?

01.09.2003


Mannheimer Wirtschaftswissenschaftler untersuchen am Beispiel der "Moorhuhnjagd" den Werbenutzen von Internetspielen - Aufbau eines jungen Images und eines neuen Markenbildes nachgewiesen



Es ist gerade einmal etwas mehr als drei Jahre her, dass ein virtuelles Federvieh die PC-Bildschirme eroberte. Das Internetspiel "Moorhuhnjagd" war über Monate hinweg in vielen Büros und Privathaushalten Zeitvertreib, Hauptgesprächsthema und Kult zugleich. Wie viele der glupschäugigen Fantasievögel über die Jahre Federn lassen mussten, ist nicht bekannt. Aber welcher Nutzen das Spiel seinem Auftraggeber, der Whisky-Marke Johnnie Walker, gebracht hat, haben Wirtschaftswissenschaftler der Universität Mannheim untersucht.



In ihrer Studie "Werbenutzen einer unterhaltenden Website - Eine Untersuchung am Beispiel der Moorhuhnjagd", wiesen Professor Dr. Hans H. Bauer, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Marketing II, sein ehemaliger Mitarbeiter Dr. Mark Grether sowie Corinna Sattler, Lehrstuhl-Diplomandin und mittlerweile bei der Wella AG im Internationalen Marketing beschäftigt, nach, dass Probanden, die die Moorhuhnjagd bereits gespielt hatten, die Marke Johnnie Walker als jünger und trendgemäßer wahr nehmen als Personen, die bislang keinen Kontakt mit dem Spiel hatten. Zu dem schottischen Whisky-Label, dessen weltbekanntes Markenzeichen schon seit Jahrzehnten der "striding man" (zu deutsch: schreitender Mann) ist, haben Moorhuhn-Spieler zudem lebendigere innere Bilder als Nicht-Spieler. "Dies wirkt sich in der Regel positiv auf die Präferenzbildung und letztlich auch auf die Kaufabsicht aus", erläutern die Mannheimer Marketing-Wissenschaftler. "Zusätzlich konnte das Moorhuhn innerhalb kurzer Zeit als neues Markenbild etabliert werden - ein Prozess der in der Regel mit Hilfe der klassischen Medien Jahre in Anspruch nimmt."

Nicht feststellen konnten Bauer, Grether und Sattler hingegen eine Auswirkung des Internet-Spiels auf die Markenbekanntheit und die Kaufabsicht. Trotzdem sehen sie in unterhaltenden Websites gerade für Low-Involvement-Produkte, deren Kauf in der Regel ohne umfassende Suche nach detaillierten Produktinformationen stattfindet, ein geeignetes Kommunikationsinstrument zum Aufbau oder der Schärfung des Images. "Das kann gerade auf gesättigten Märkten mit homogenen Produkten, wie etwa für Spirituosen und Zigaretten, aber auch Bankkonten, kaufentscheidend sein", unterstreichen die Autoren. Gleichwohl geben sie zu bedenken, dass "bei einer solchen Verzahnung von Information und Unterhaltung immer überprüft werden muss, ob ein Image vermittelt wird, das der allgemeinen Strategie des Unternehmens entspricht und zu der übrigen Unternehmens- und Produktkommunikation passt".

Grundsätzlich gehen die die Autoren davon aus, dass Internet-Spiele in Zukunft als Werbeträger aufgrund ihres hohen Spaßfaktors und der kostenlosen Verbreitung an Bedeutung gewinnen werden: "Nach unseren Erkenntnissen wollen zum gegenwärtigen Zeitpunkt zwei Drittel der User Spaß haben an und im World Wide Web. Internet-Spiele verzeichnen im Rahmen unterhaltender Homepages bei den aufgerufenen Inhalten dreistellige Zuwachsraten und das Erreichen einer Sättigung ist nicht in Sicht." Eines geben sie allerdings zu bedenken: "Nutzen immer mehr Unternehmen diese Erkenntnisse, bleibt abzuwarten, ob dauerhaft neue und spannende Unterhaltung im Sinne eines ’Unique Content Proposition’ (UCP) geboten werden kann."

Die komplette Studie Bauer, H. H./Grether, M./Sattler, C. "Werbenutzen einer unterhaltenden Webseite - Eine Untersuchung am Beispiel der Moorhuhnjagd", Mannheim 2001 (Nr. W 52, ISBN 3-89333-269-3), kann am Institut für Marktorientierte Unternehmensführung (Kontakt: Institut für Marktorientierte Unternehmensführung (IMU), Universität Mannheim, L 5, 1, 68131 Mannheim, Telefon (0621) 181-1755, Fax (0621) 181-1556, E-Mail: service@imu-mannheim.de, Internet: http://www.imu-mannheim.de) bezogen werden.
Rezensionsexemplare sind auf Anfrage erhältlich.


Universität Mannheim
Fakultät für Betriebswirtschaftslehre
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ralf Bürkle

Tel.: (0621) 181-1476
Fax: (0621) 181-1471
E-Mail: buerkle@bwl.uni-mannheim.de


Ralf Bürkle | idw
Weitere Informationen:
http://www.imu-mannheim.de

Weitere Berichte zu: Internetspiel Moorhuhn Moorhuhnjagd

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht mce mediacomeurope schließt Kooperationsvertrag mit Anixe TV
13.04.2018 | mce mediacomeurope GmbH

nachricht Gebärdensprache neu gedacht
14.03.2018 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics