Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europas Verwaltungen werden vernetzt

28.01.2003


EU-Projekt InfoCitizen



Das EU-Projekt InfoCitizen schafft die Voraussetzungen, um die öffentlichen Verwaltungen europaweit miteinander zu verbinden. Jetzt geht der Prototyp der neu geschaffenen Plattform ans Netz: Erstmals in der europäischen Geschichte werden Gemeinden in Italien, Spanien, Griechenland, Portugal und Deutschland Dokumente über das Internet austauschen.


An der Entwicklung der Software sind 11 Partner aus fünf Ländern beteiligt, die Federführung liegt beim Institut für Wirtschaftsinformatik der Saar-Uni (Prof. Dr. Dr. h.c. mult. August-Wilhelm Scheer).

Der freie Personenverkehr ist 1993 mit dem Vertrag von Maastricht in den EG-Vertrag aufgenommen worden. Heute können Bürger der EU zwar ohne Grenzkontrolle von Norwegen nach Portugal reisen, jedoch verlangen ihnen bürokratische und administrative Regelungen nach wie vor einiges ab. Ob Umzug oder Hochzeit über Landesgrenzen hinweg: Zahlreiche Behördengänge sind zu erledigen - und die benötigten Dokumente müssen vom Bürger selbst von einer Behörde zur anderen transportiert werden.


Das ist teuer und aufwändig, könnte sich aber schon bald ändern: Im September 2001 gestartet, hat das EU-Projekt "InfoCitizen" nun die Voraussetzungen dafür geschaffen, Dokumente zwischen öffentlichen Verwaltungen digital auszutauschen, und zwar über nationale Grenzen und vertikale Verwaltungsebenen hinweg (kommunal, regional, national). In Zukunft wird es also sowohl für Bürger als auch für Unternehmen möglich sein, sich in Behördenfragen nur noch an eine einzige Anlaufstelle zu wenden - statt an viele.

Was bringt "InfoCitizen"? Ein Beispiel:

Ein Mann aus Schmelz (Deutschland) und eine Frau aus Thessaloniki (Griechenland) wollen heiraten - in Thessaloniki. Die Geburtsurkunde aus Schmelz wird bei der Anmeldung zur Hochzeit automatisch als XML-Dokument elektronisch beantragt und übermittelt. Nach der Hochzeit senden die griechischen Behörden automatisch eine Heiratsurkunde per Internet an das Standesamt in Schmelz - um Änderungen im Familienbuch vornehmen zu können. Das spart Zeit und Geld. Außerdem können Fehler reduziert werden.

Eines der größten Hindernisse auf dem Weg zur vernetzten Verwaltung war die Tatsache, dass in den Bürostuben unterschiedlichste Systeme verwendet werden, die nicht miteinander kommunizieren können. Aus diesem Grund wurde zunächst eine Interoperabilitätsplattform entwickelt. Sie basiert auf der Multi-Agenten-Technologie, zur Standardisierung der Dokumente wurde XML (Extensible Markup Language) verwendet.

In den nächsten Monaten wird nun der Prototyp der Plattform getestet: Die an dem Projekt beteiligten Gemeinden von Colleferro (Italien), Tres Cantos (Spanien) und Schmelz (Deutschland) sowie die Präfektur von Thessaloniki (Griechenland) werden miteinander vernetzt und können dann erstmals in der europäischen Geschichte standardisierte Dokumente über das Internet austauschen. In der Testphase beteiligen sich am Dokumentenaustausch außerdem das Institut für Wirtschaftsinformatik der Saar-Uni und die Fachrichtung Informatik der Universität Minho (Portugal).

Bei der Konzeption der InfoCitizen Architektur und der Entwicklung des Prototypen wurden Geschäftsprozesse aus verschiedenen Bereichen der öffentlichen Verwaltung berücksichtigt. So wurden jeweils aus dem Melde-, Standes- und Sozialwesen sowie der Buchung von öffentlichen Dienstleistungen Prozessabläufe erhoben und der Konzeption zu Grunde gelegt. Für die Umsetzung in der Pilotphase wurden aus dem Melde- und Standeswesen Geschäftsprozesse ausgewählt, die aufgrund ihrer Interaktionsintensität eine ganzheitliche Analyse der Kooperation zwischen den Behörden ermöglichen.

InfoCitizen wird von einem Konsortium aus 11 Partnern durchgeführt, die Federführung liegt bei dem von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. August-Wilhelm Scheer geleiteten Institut für Wirtschaftsinformatik (IWi) der Saar-Uni. Forschungspartner sind, neben dem IWi, die Universität von Minho in Portugal, das griechische Informatics and Telematics Institute sowie das United Nations Thessaloniki Centre for Public Service; die Tochterorganisation der Vereinten Nationen ist zusätzlich mit der Verbreitung der in diesem Projekt gewonnenen Erkenntnisse beauftragt. Die Entwicklung des Prototypen wird von drei Industriepartnern durchgeführt: die Software-Unternehmen Engineering (Italien), Ibermatica (Spanien) und ALTEC (Griechenland).

Von der Europäischen Union, deren erklärtes Ziel die Förderung der innereuropäischen Mobilität ist, wird "InfoCitizen" mit mehr als zwei Millionen Euro gefördert. Das Projekt dauert noch bis zum 31. August 2003. Die Ergebnisse sollen auch für weitere Projekte verwendet werden.

Kontakt:
Institut für Wirtschaftsinformatik im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz / Saarbrücken, Dirk Werth, Tel. (0681) 302-5236, Fax: (0681) 302-3696, E-Mail: werth@iwi.uni-sb.de


Hochschul- Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.infocitizen.org

Weitere Berichte zu: InfoCitizen Wirtschaftsinformatik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Wissenschaftler entschlüsseln das „perfekte Selfie“
26.06.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Wenn die Bilder lügen - KI-System entlarvt Fake News im Internet
20.04.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die turbulente Atmosphäre der Venus

25.07.2017 | Physik Astronomie

SEEDs – Intelligente Batterien mit zellinterner Sensorik

25.07.2017 | Energie und Elektrotechnik

Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

25.07.2017 | Physik Astronomie