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Mission zur Rettung vom Aussterben bedrohter Sprachen

22.01.2003


Ein Informatikprofessor der University of Melbourne (UoM) hat sich aufgemacht, die tausenden gefährdeten Sprachen der Welt vor dem endgültigen Verschwinden zu bewahren.



Sprachwissenschaftler schätzen, dass weltweit über 6000 Sprachen gesprochen werden. Sie sagen auch, dass 90 Prozent davon wahrscheinlich vor Ablauf dieses Jahrhunderts aussterben werden und dass 440 nur noch ein oder zwei Generationen vom Aussterben entfernt sind. Viele dieser Sprachen sind nicht niedergeschrieben, und wenn sie verschwinden, wird jegliches Zeugnis dieser Sprachen zusammen mit den mündlich überlieferten Erzählungen und dem einzigartigen kulturellen Erbe verloren gehen.

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Steven Bird, Professor of Computer Science and Software Engineering, hat sich zusammen mit internationalen Kollegen auf eine Mission begeben, diese Tragödie aufzuhalten. Sie haben gemeinsam ein weltweites Projekt gestartet, um eine Open Language Archieves Community (OLAC) zu entwerfen und aufzubauen. OLAC ist ein internationales Netzwerk aus 25 digitalen Archiven in sechs Ländern. Es umfaßt bereits über 30.000 Bestandteile in Form von Wörterbüchern, Grammatiken, Forschungsnotizen, Textsammlungen und Tonaufzeichnungen der Sprachen der Welt.

"Wir befinden uns zwischen dem Beginn des digitalen Zeitalters und der Massenauslöschung der Sprachen der Welt. Das Zeitfenster, diese gefährdeten Sprachen aufzunehmen, ist klein und schließt sich sehr schnell," so Professor Bird.

"Unglücklicherweise ist die digitale Aufbewahrung mit großen Schwierigkeiten verbunden. Die meisten digitalen Medien und Speicherformate werden innerhalb von fünf Jahren überflüssig sein, und die Daten müssen fortlaufend auf ein neues Format übertragen werden."

"Viele sprachwissenschaftliche Daten werden in Microsoft und geheimen binären Formaten gespeichert, die innerhalb von nur fünf Jahren nicht mehr geöffnet werden können (selbst von Microsoft Software nicht)."

"Sprachwissenschaftler benutzen außerdem eine große Bandbreite von Anwendungen, wie Textverarbeitungsprogramme, Tabellenkalkulationen, verschiedene Formen digitaler Klang- und Videoaufnahme, und enden im Chaos, wenn sie versuchen, ihre Daten mit denen anderer Sprachwissenschaftler zusammenzubringen, denn die diversen benutzten Programme sind inkompatibel."

Eine der Aufgaben von Professor Bird bei der OLAC ist sowohl die Entwicklung von standardisierten Vorlagen für die Sammlung sprachwissenschaftlicher Informationen als auch die Entwicklung eines Managementsystems, das die Verfügbarkeit der Daten über zukünftige Technologien sicherstellen soll.

"Ohne diese Maßnahmen wandeln wir bedrohte Sprachen lediglich in bedrohte Daten um," sagt Professor Bird.

"Mit diesen Sprachen stirbt nicht nur kulturelles Erbe. Tausendjährige Geschichte und einzigartige Sichtweisen auf die Welt gehen zusammen mit dem Wissen über Pflanzen, Tiere und deren Gebrauch als Essen und Medizin sowie deren Rolle in einer gesunden Umwelt verloren."

Es gibt 2000 Sprachen, oder ein drittel des linguistischen Erbes der Welt, in der Region in und um Australien, inklusive Südostasien und dem Südpazifik. Die meisten davon sind der Wissenschaft weitestgehend unbekannt.

"Das ist ein lebendes Museum der Sprache und Kultur und Australien ist der beste Ort, dieses Erbe aufzubewahren," so Professor Bird.

Australien selbst hat mehr stark bedrohte Sprachen als alle anderen Länder zusammen. Es wird geschätzt, dass es etwa 80 indigene australische Sprachen mit nur fünf oder weniger Sprechern gibt.

Das Rosetta Projekt

Es war Napoleon, der bei seinem Marsch über die Nilregion auf den Schlüssel zu den Mysterien der alten ägyptischen Hieroglyphensprache stieß. Der Rosetta-Stein, ein 1000 Jahre alter Basaltbrocken, hatte in seine Oberfläche drei Kopien des selben Textes graviert: einmal in Umgangssprache, einmal auf Griechisch und einmal in dem hieroglyphischen Ägyptisch. Der Stein ermöglichte Forschern zumindest teilweise die Hierogplyphen und so auch viele Rätsel der Vergangenheit Ägyptens zu entschlüsseln.

Der Rosetta-Stein hat nun ein weiteres OLAC Projekt inspiriert. Ein moderner Rosetta-Stein soll geschaffen werden, der die Grundlagen einiger Weltsprachen für Anthropologen in der Zukunft aufbewahren soll. Das Team plant, auf eine knapp acht Zentimeter große Nickelplatte den Text des ersten Kapitels von Genesis in 1000 verschiedenen Sprachen zu gravieren. Das Lesen wird nichts weiter als ein gutes 1000-fach vergrößerndes Mikroskop erfordern.

Eine Kopie der Platte ist Teil der Ariane Weltraummission, die später diesen Monat zum Kometen P/Wirtanen startet.

Weitere Informationen in englischer Sprache:

Associate Professor Steven Bird
Dept Computer Science, University of Melbourne
Tel.: 0061-3-8344 1324 oder 0061-3-9894 0111
Email: sb@cs.mu.oz.au

Jason Major
Media Officer, University of Melbourne
Tel.: 0061-3-8344 0181 Mobil: 0061-421 641 506
Email: jmajor@unimelb.edu.au

Sabine Ranke-Heinemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.cs.mu.oz.au/~sb/TELIA.html

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