Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Webdesign entscheidet über den Wissenszuwachs

17.12.2002


Chemnitzer Psychologen verraten, wie informierende Webseiten aussehen sollten


Das World Wide Web ist wie ein Fass ohne Boden: Rund vier Milliarden Dokumente stehen heute im Internet bereit, und täglich werden es etwa sieben Millionen mehr. Aber nicht alle Webseiten taugen viel - sie bauen sich entweder viel zu langsam auf oder sind zu unübersichtlich gestaltet. Seit vier Jahren sind Psychologen der TU Chemnitz diesem Problem auf der Spur. Unter Leitung von Prof. Dr. Josef Krems, der die Professur für Allgemeine Psychologie und Arbeitspsychologie innehat, gehen sie der Frage nach, wie Internetangebote aufgebaut sein müssen, damit der Nutzer gut und erfolgreich damit umgehen kann. Aus einer Vielzahl aktueller Studien haben sie Webdesign-Regeln herausgefiltert, die die Suche im Netz erleichtern könnten, wenn sie nur von den Anbietern befolgt würden:

Zehn goldene Webdesign-Regeln:

  • Vermeide lange Seiten mit Scroll-Balken.
  • Verwende kurze Textsegmente mit aussagekräftiger Überschrift.
  • Verlinke nur Internetseiten mit engen inhaltlichen Bezügen zueinander.
  • Verwende im Text so wenig Links wie möglich.
  • Vermeide lange Ladezeiten.
  • Präsentiere auf der ersten Seite eine Übersicht über die Struktur des Hypertextsystems.
  • Verwende ein Navigations-System, das dem Nutzer Auskunft gibt, wo er sich gerade im Text befindet.
  • Gib zu den bewältigten Aufgaben ein spezifisches Feedback.
  • Verwende hierarchische und keine netzwerkartigen Verlinkungsstrukturen.
  • Gib dem Nutzer die Möglichkeit, sich an den Webadministrator zu wenden.

Um dem Nutzerverhalten bei der Informationsbeschaffung im Internet auf die Schliche zu kommen und die Kriterien für eine benutzerfreundliche Gestaltung zu ermitteln, wurden an der Chemnitzer Universität bislang mehr als 300 Internetnutzer im Labor auf die Probe gestellt. Dank Infrarottechnik ermittelten die Psychologen die Blickbewegungen der Probanden, während sie Webseiten betrachten und analysieren zudem die Lesezeit, die Navigation und ihre Erinnerungsleistungen.



Obwohl die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind, stehen erste wichtige Ergebnisse bereits fest: Werden beim Lesen der Seiten eher unspezifische Informationen gesammelt, erscheinen linear aufgebaute Texte im World Wide Web sinnvoller als netzwerkartige Hypertext-Strukturen. Es zeigte sich in den Laborversuchen, dass die Probanden weniger Orientierungsprobleme hatten, wenn beim lesenden Erschließen neuer Informationen ein Textelement klassisch auf das andere folgt - so wie bei einem Buch oder einer Zeitung. Und je schlechter die Orientierung, desto schlechter auch der Wissenserwerb. Steht allerdings die gezielte Informations-Suche im Vordergrund, sind wiederum die Hypertexte, also die elektronische Verlinkung von Texten, im Vorteil: Der Suchende klickt sich schneller und mit geringerem Orientierungsaufwand zu der gesuchten Antwort durch.

Eine besonders Erfolg versprechende Navigations-Strategie konnte bislang jedoch noch nicht ermittelt werden. "Alles deutet darauf hin, dass der potenzielle Nutzer mit seinem Vorwissen und seinen vermutlichen Rezeptionszielen viel stärker bei der Aufbereitung von Informationen im Internet berücksichtigt werden muss", so Prof. Krems, der dieses Projekt im Rahmen der Chemnitzer Forschergruppe "Neue Medien im Alltag" durchführt. "Optimal wäre, wenn diese individuelle Anpassung eines Tages online und dynamisch realisiert werden könnte."

Weitere Informationen geben:

Prof. Dr. Josef Krems
Professor für Allgemeine Psychologie und Arbeitspsychologie der TU Chemnitz
Telefon: ++49 (03 71) 531 64 21
E-Mail:josef.krems@phil.tu-chemnitz.de

Die Forschergruppe "Neue Medien im Alltag" der TU Chemnitz im Internet:
http://www.tu-chemnitz.de/phil/NeueMedien/index.html

und

Technische Universität Chemnitz - Pressestelle
Dipl.-Ing. Mario Steinebach
Straße der Nationen 62, Raum 185
D-09107 Chemnitz
Telefon: ++49 (0371) 531-1658, -1421, -1536, -1424
Telefax: ++49 (0371) 531-1651

Dipl.-Ing. Mario Steinebach | TU Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de
http://www.tu-chemnitz.de/tu/presse/
http://www.tu-chemnitz.de/phil/NeueMedien/index.html .

Weitere Berichte zu: Psychologe Psychologie Webdesign Webseite

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Auf Videokacheln basierendes DASH Streaming für Virtuelle Realität mit HEVC vom Fraunhofer HHI
03.01.2017 | Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik Heinrich-Hertz-Institut

nachricht Virtuell und 360°: die Zukunft bewegter Bilder
04.10.2016 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise