Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn Zorn die Sprache bestimmt

06.05.2008
Wissenschaftlerin der Universität Jena publiziert Buch zu "Sprache und Emotion"

Liebe, Lust, Trauer, Angst - wenn Emotionen in Texten mit solchen Begriffen geäußert werden, dann sind sie eindeutig zu verstehen. Doch in vielen Sätzen schwingt die Emotion zwischen den Zeilen durch, ist die Begrifflichkeit schwächer, das Gefühl jedoch nicht weniger stark. Ein Liebesgedicht von Goethe kommt meistens ohne den Begriff "Liebe" aus und wird dennoch als solches empfunden - und Schreiber wie Empfänger handeln aus der empfundenen Emotion heraus.

Doch auch der Satz "mit dieser aussage haben sie ihren namen alle ehre gemacht" aus einer E-Mail an Michael Wolfssohn verdeutlicht Emotionen - Hass und Antisemitismus. Ein solcher Satz greift eine typische antisemitische Strategie auf, bei der Namen von Juden verhöhnt und zur Stigmatisierung benutzt werden. Der Satz klingt oberflächlich betrachtet vielleicht harmlos. Aber er muss enttarnt werden, um die darunter verborgen liegenden Emotionen zu spüren und das Gemeinte einordnen zu können, denn die Worte verleiten zu Handlungen.

Sicher ist, - positive und negative - Emotionen beeinflussen Gedanken, Sprache und Handeln. Andererseits werden mit sprachlichen Äußerungen wiederum Emotionen ausgedrückt und benannt, geweckt und intensiviert. Wie Emotionen zu Sprache werden und Sprache zu Emotionen, welches (un-)bewusste Bewertungssystem hinter diesem Prozess steckt und dass geistige Aktivitäten entscheidend von emotionalen Prozessen gesteuert und begleitet werden, das analysiert Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel in ihrem aktuellen Buch.

... mehr zu:
»Sprache

In "Sprache und Emotion" (UTB) verlässt die Sprach- und Kognitionswissenschaftlerin von der Universität Jena die tradierten Denk- und Wissenschaftsschemata, die Geist und Gefühl trennten. "Will man den menschlichen Geist und seine Funktionsweise wirklich und umfassend verstehen, muss man sich aus den etablierten, althergebrachten Denkmustern lösen und neue Wege in der Kognitionswissenschaft beschreiten", hat die Autorin während der langjährigen Erforschung des Problemfeldes erfahren und beschreibt diesen Prozess als einen, der zu ihren "inspirierendsten Erfahrungen gehört".

Dass Emotionen einen maßgeblichen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten und Leistungen des Menschen haben, beschreibt Schwarz-Friesel anhand eines starken Theorieteils genauso wie mit zahlreichen, gut lesbaren Beispielen aus der Alltagskommunikation sowie der Literatur. Diese decken Erkenntnisse zur Kategorisierung von Gefühlen ebenso ab wie den sprachlichen Umgang mit dem Tod oder eben die Sprache als Waffe von Antisemiten.

Am Ende der Lektüre wird deutlich, dass Emotionen mehr sind als irrelevante Störfaktoren des Verständigungs- und Wissenschaftsprozesses. Für das Verständnis menschlicher Aussageformen, wie Texte, muss die "Kognition-Emotion-Symbiose" mitbedacht werden. Dann sind völlig neue Erfahrungen im Umgang mit Texten möglich - und erfassbar, wie Sprache zum Instrument von Hass und Vorurteilen werden kann.

Schwarz-Friesels Buch schlägt - akademisch gesprochen - eine Brücke zwischen kognitionswissenschaftlicher Emotionstheorie und sprachwissenschaftlicher Textanalyse. Dem Laien vermittelt es die Verknüpfung von Gefühlswelt mit Denk-, Sprach- und Handlungsprozessen.

Monika Schwarz-Friesel: Sprache und Emotion. UTB, A. Francke Verlag Tübingen und Basel, 24,90 Euro, ISBN 978-3-8252-2939-9

Kontakt:
Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel
Institut für Germanistische Literaturwissenschaft der Universität Jena
Fürstengraben 30, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944325
E-Mail: monika.schwarz[at]uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Sprache

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Wissenschaftler entschlüsseln das „perfekte Selfie“
26.06.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Wenn die Bilder lügen - KI-System entlarvt Fake News im Internet
20.04.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Pharmakologie - Im Strom der Bläschen

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Verbesserung des mobilen Internetzugangs der Zukunft

21.07.2017 | Informationstechnologie

Blutstammzellen reagieren selbst auf schwere Infektionen

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie