Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

3D per Knopfdruck

14.12.2011
Kieler Forschergruppe entwickelt neuartige Aufnahmetechnik

Imposante 3D-Produktionen wie der Film „Avatar“ sind zeit- und kostenaufwändig. Zwei Kameras müssen dazu perfekt aufeinander abgestimmt und die Bilder übereinander gelegt werden, um den gewünschten Tiefeneffekt zu erzeugen.

Die Weiterverarbeitung des Filmmaterials für DVD oder Fernseher ist mit hohem Aufwand und langen Wartezeiten verbunden. Auch die zweite Methode, in 2D zu filmen und die Bilder am Computer in 3D zu verwandeln, befriedigt die Qualitätsansprüche eines Kenners nicht.

Die Lösung bietet eine neuartige Aufnahmetechnik, die drei Wissenschaftler aus der Arbeitsgruppe „Multimediale Informationsverarbeitung“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) entwickelt haben. Der Projektleiter Dr. Ingo Schiller und die Entwickler Anatol Frick und Falko Kellner erweitern dabei für ihre Aufnahmetechnik normale Film-Kameras um spezielle Zusatz-Module. „Neben dem 2D-Farbbild nehmen wir ein Tiefenbild auf, das die Entfernungen der Bildinhalte und auch Verdeckungsinformation enthält. Das heißt, man kann auch hinter Objekte sehen“, erklärt Ingo Schiller.

Diese Zusatzinformationen ermöglichen mithilfe von echtzeitfähigen Algorithmen die automatische Berechnung verschiedener Bilder der Szene. Daraus ergibt sich ein sehr realistischer Tiefeneffekt. Schiller: „Die Filmproduzenten erhalten ihr 3D-Werk damit live am Set und können es sich sofort auf jedem 3D-fähigen Display vom Kino bis zum Smartphone anschauen.“ Aber auch der 3D-Effekt selbst ließe sich durch die neue Technik frei skalieren. Per Knopfdruck auf der Fernbedienung kann jeder in Zukunft selbst entscheiden, wie stark er den 3D-Effekt zuhause sehen will. Auch für die nächste Generation von 3D-Displays, die keine spezielle Brille mehr erfordern werden, ist das Verfahren bestens gerüstet.

Hinter den Innovationen stehen spezielle „Computer Vision Algorithmen“ und eine Kombination aus aktiver und passiver Tiefensensorik. Versteckt sind sie in den vom Kieler Forschungsteam entwickelten Add-On-Modulen, die sich mit einer professionellen Aufnahmekamera kombinieren lassen. Die Zusammenarbeit von Modul und Kamera wird durch eine intuitive Kalibriersoftware automatisch geregelt. „Unsere Technik wird Filmemacher begeistern“, sagt Ingo Schiller und fasst zusammen: „Displaygröße und Tiefeneffekt lassen sich durch unsere Methode stufenlos einstellen. Auch Live-Aufnahmen und Live-Sendungen in 3D sind damit in Zukunft möglich. Und Nachbearbeitungen können durch halb- bis vollautomatische Verfahren schnell und kostengünstig umgesetzt werden.“

Bei dem auf 18 Monate angelegten Projekt „DeCS Media“ (Depth Capture Systems for Media) werden die Forschungsergebnisse des EU-Projekts 3D4YOU weiterentwickelt und für die baldige Marktreife vorbereitet. Dieses Projekt war ebenfalls in der Arbeitsgruppe Multimediale Informationsverarbeitung von Professor Reinhard Koch, dem Mentor der Forschergruppe, angesiedelt.

„DeCS Media“ ist ein Gründungs-Projekt an der Universität Kiel im Programm EXIST-Forschungstransfer. Es wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und den Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union (ESF) gefördert. Die Förderung in Höhe von zirka 460.000 Euro soll die Wissenschaftler auf dem Weg zu einer anschließenden Unternehmensausgründung unterstützen. Dazu wird eine Kooperation mit einem namhaften Kamerahersteller angestrebt. Für den Aufbau von Geschäftsmodellen und zum Beispiel den Umgang mit Patenten erhalten die Projektbeteiligten Hilfen aus der Hochschule und ihrem Netzwerk auf Landes- und Bundesebene. Als Business-Coach berät Thomas Karl Klinger von der Unternehmer-Dialoge OHG das Projektteam.

Weitere Informationen unter:
http://www.decsmedia.de
http://www.exist.uni-kiel.de
Bilder stehen zum Download bereit:
http://www.uni-kiel.de/download/pm/2011/2011-219-1.jpg
Bildunterschrift: Zwei Bilder in einem: Farbbild und Entfernungsmessung ergeben einen täuschend echten 3D-Effekt.

Copyright: DeCS Media

http://www.uni-kiel.de/download/pm/2011/2011-219-2.jpg
Bildunterschrift: Eine Kamera und zwei Module: Das Projekt DeCS Media ermöglicht 3D in allen Lebenslagen.

Copyright: CAU, Foto: Claudia Eulitz

Kontakt:
Dr. Ingo Schiller
Telefon: 0431/880-4477
E-Mail: ischiller@mip.informatik.uni-kiel.de

Dr. Boris Pawlowski | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2011/2011-219-3d.shtml

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Auf Videokacheln basierendes DASH Streaming für Virtuelle Realität mit HEVC vom Fraunhofer HHI
03.01.2017 | Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik Heinrich-Hertz-Institut

nachricht Virtuell und 360°: die Zukunft bewegter Bilder
04.10.2016 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten

Wie Proteine zueinander finden

21.02.2017 | Biowissenschaften Chemie