Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Operieren ohne Skalpell

25.03.2011
Haut, Muskeln, Nerven und selbst Knochen: Messerscharf und äußerst präzise kann der Chirurg bei einer Operation mit einem Laser jedes Gewebe durchtrennen, ohne den Patienten auch nur zu berühren.

Anzeige

Wie tief der Laser in das Gewebe eindringt und was er zerschneidet, kann der Arzt allerdings nicht kontrollieren und muss somit häufig auf dessen Einsatz verzichten. Ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Ingenieuren, Mathematikern und Physikern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) forscht daher gemeinsam nach einer Möglichkeit, den Laser besser steuern zu können.


Das Projekt trägt den Titel „Tissue specific laser surgery“ und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Über einen Zeitraum von zunächst eineinhalb Jahren fließen rund 140.000 Euro an die Projektpartner.

An dem Forschungsvorhaben beteiligt sind FAU-Wissenschaftler der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen und Wissenschaftler des Bayerischen Laserzentrums (BLZ). Zudem wird das Projekt durch eine enge Kooperation mit der Graduate School of Advanced Optical Technologies (SAOT) und dem Institut für Medizininformatik, Biometrie und Epidemiologie unterstützt.

Die Idee der Forscher
„Unser Ziel ist, einen optischen Feedbackmechanismus zu entwickeln, der dem Arzt mitteilt, welche Gewebeschichten der Laser durchtrennt“, erläutert Dr. Florian Stelzle von der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgischen Klinik, der das Projekt gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Schmidt leitet, dem Inhaber des Lehrstuhls für Photonische Technologien an der FAU und zugleich Vorsitzenden des BLZ. Dazu wollen die Wissenschaftler zwei optische Systeme einsetzen, die bei einer Operation parallel arbeiten: Während der Laser Gewebe schneidet, macht er immer wieder kurze Pausen. Diese Pausen nutzt eines der optischen Systeme, um per diffus reflektierten Lichtes und Fluoreszenz zu ermitteln, welches Gewebe der Laser unmittelbar als nächstes durchtrennen wird. Das andere optische System analysiert die beim Laserabtrag entstehende Plasma- und Partikelwolke, um zu erkennen, welches Gewebe unmittelbar zuvor durchtrennt wurde. Diese Doppelstrategie soll sicherstellen, dass die Chirurgen ausschließlich das geplante Gewebe durchtrennen und umliegendes Gewebe nicht durch zu tiefe oder an falscher Stelle eingesetzte Laser-Schnitte irreparabel verletzen.

Die Umsetzung
Bis zur praktischen Anwendung ist es ein weiter Weg. „Als erstes müssen wir ermitteln, ob es mit optischen Methoden überhaupt möglich ist, verschiedene Gewebearten voneinander zu unterscheiden“, sagt Dr. Florian Stelzle. Hier sind die Forscher große Schritte vorangekommen. Bei der Untersuchung von gesundem Gewebe haben sie festgestellt, dass beispielsweise Nervengewebe Licht auf andere Weise reflektiert und ein anderes Fluoreszenzspektrum aufweist als Muskel- oder Fettgewebe. Das heißt, dass bei unverändertem Gewebe die Gewebe-Erkennung mit einem optischen System funktioniert. Anders könnte es bei Gewebe sein, das bereits mit einem Laser bearbeitet wurde. „Durch die hohe Energie, die der Laser überträgt, verändern sich die optischen Eigenschaften der Gewebe. Wir müssen also ermitteln, ob auch in diesem Fall die einzelnen Gewebearten noch für das optische System zu unterscheiden sind“, sagt Stelzle. Ist das geschehen, kann dieses System schon einmal arbeiten und eine Aussage darüber treffen, welches Gewebe der Laser als nächstes durchtrennen wird.

Das andere optische System soll die Plasma- und Partikelwolke untersuchen, die beim Laserabtrag entsteht. „Genauer gesagt, liefert das System nur Bilder der Abtragswolke. Diese Bilder werden dann binnen Sekundenbruchteilen von einem Computer auf ihre optischen Bestandteile hin analysiert“, erläutert Dr. Florian Stelzle. Die Wissenschaftler planen, unterschiedlichste Gewebearten, z.B. Muskel-, Nerven- und Fettgewebe aber auch Knorpel und Knochen mit dem Laser abzutragen und alle Daten über die dabei entstehenden optischen Erscheinungen zu sammeln, um diese Muster im PC zu speichern. So wird eine Art optische Bibliothek der Gewebe entstehen. Während der Operation kann der Computer dann die gespeicherten Informationen abrufen und analysieren, welches Gewebe als letztes durchtrennt wurde.

Die Zukunftsvision der Forscher sei, sagt Stelzle, ein Lasersystem zu entwickeln, das mit Hilfe des optischen Feedbacksystems – binnen der kurzen Pausen beim Lasern – alle Infos abrufen kann, um den Laservorgang hoch präzise zu steuern: „Die Idee ist, z.B. den Unterkieferknochen mit dem Laser zu durchtrennen und dabei gleichzeitig den Nerven, der in diesem Knochen verläuft, nicht zu tangieren.“

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 29.000 Studierenden, 590 Professorinnen und Professoren sowie 2000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in engem Dialog mit Jura und Theologie sowie den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Seit Mai 2008 trägt die Universität das Siegel „familiengerechte Hochschule“.

Mehr Informationen:
Dr. Florian Stelzle
Universitätsklinikum Erlangen
Tel.: 09131/85-34201
Florian.Stelzle@uk-erlangen.de

Prof. Dr. Michael Schmidt
Lehrstuhl für Photonische Technologien
Tel.: 09131/85-23241
michael.schmidt@lpt.uni-erlangen.de

Pascale Anja Dannenberg | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uk-erlangen.de
www.aot.uni-erlangen.de/SAOT/glance/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Roboterfisch bekämpft Wasserverschmutzung
23.05.2012 | BMT Group Ltd

nachricht Mit Laserstrahlen gegen Unkraut
15.05.2012 | Leibniz Universität Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp