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Neue adulte Stammzellquelle im menschlichen Gaumen entdeckt

30.04.2009
Hoffnung auf neuartige Möglichkeiten der Behandlung von Erkrankungen des Kopfes

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Ein interdisziplinär zusammengesetztes Team von Wissenschaftlern unter Leitung der Zellbiologin Professorin Dr. Barbara Kaltschmidt (Fakultät für Biologie der Universität Bielefeld) hat (unter anderem) im menschlichen Gaumen neue adulte Stammzellen entdeckt.


Es handelt sich um Neuralleisten-Stammzellen (Neural Crest Stem Cells / NCSCs), die sich im so genannten Zäpfchen und in den Gaumenkämmen hinter den Zähnen befinden. Die daraus isolierten Stammzellen weisen Merkmale der "Pluripotenz" auf, das heißt, sie bergen vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten in sich. Von den Forschern konnten sie erfolgreich im Labor gezüchtet und in spezialisierte Zelltypen wie Nervenzellen verwandelt werden. Auch bei erwachsenen Menschen konnte die Existenz solcher Stammzellen erfolgreich nachgewiesen werden.

Von diesen hochgradig regenerativen und leicht zugänglichen Zellen erhoffen sich die beteiligten Wissenschaftler neuartige Möglichkeiten der Behandlung von zahlreichen, auch degenerativen Erkrankungen des Kopfes wie zum Beispiel Verletzungen von Gesicht und Schädelknochen, Tumoren und chronische Mittelohrentzündung, aber langfristig vielleicht auch Alzheimer und Parkinson. Die körpereigenen Stammzellen könnten künftig dazu dienen, solche Krankheiten zu bekämpfen. An der Entdeckung der Zellen waren neben den Forschern vom Lehrstuhl für Zellbiologie der Universität Bielefeld Wissenschaftler vom Institut für Zellkulturtechnologie der Universität Bielefeld sowie der HNO-Klinik des Klinikums Bielefeld und der Universitätsklinik Frankfurt/M. beteiligt. Die Bielefelder Wissenschaftler sind gemeinsam am Zentrum für Biotechnologie der Universität Bielefeld (CeBiTec) tätig. Die hier zusammengefassten Ergebnisse wurden im Fachjournal "Stem Cells" vorab online veröffentlicht.

Die NCSCs bringen im Rahmen der Entwicklung der Kopf- und Nackenregion der Säuger ein erstaunlich breites Spektrum an Zelltypen hervor, unter anderem Knochenzellen und Nerven. NCSCs können sowohl während der Entwicklung als auch beim adulten Individuum nachgewiesen werden. Isolierte NCSCs könnten aufgrund ihrer hohen Plastizität, der so genannten Multipotenz, eine neue, gut zugängliche Quelle für adulte Stammzellen darstellen. Weitere Studien sollen unter anderem die Möglichkeit untersuchen, diese von Hause aus sehr potenten Zellen zu reprogrammieren, um sie noch einen Schritt plastischer - ähnlich den embryonalen Stammzellen - und damit auch universeller für medizinische Zwecke einsetzbar zu machen.

Bei Stammzellen handelt es sich um undifferenzierte Vorläuferzellen, welche neben der Fähigkeit zur Selbsterneuerung in der Lage sind, mindestens einen spezialisierten Zelltyp zu bilden. In den letzten Jahren identifizierte und charakterisierte man in adulten Geweben eine Reihe verschiedener Stammzellpopulationen. So findet man adulte Stammzellen neben dem Knochenmark im Nervengewebe, in Skelettmuskeln, dem Darm, der Bauchspeicheldrüse, der Leber und in der Epidermis. Das regenerative Potential adulter Stammzellen weckte ein reges, nicht nur auf die Grundlagenforschung beschränktes Interesse, da adulte Stammzellen bei einem Therapieansatz "autologe" (vom eigenen Körper stammende) und ethisch unbedenkliche Ressourcen darstellen, die nicht wie embryonale Stammzellen aus Föten gewonnen werden müssen.

Artikel:
Darius Widera, Christin Zander, Meike Heidbreder, Yvonne Kasperek, Thomas Noll, Oliver Seitz, Belma Saldamli, Holger Sudhoff, Robert Sader, Christian Kaltschmidt, Barbara Kaltschmidt, Adult Palatum as a Novel Source of Neural-Crest Related Stem Cells
Accepted Article Online: Apr 23 2009
www3.interscience.wiley.com/journal/122359053/abstract

Kontakt und weitere Informationen:
Professor Dr. Barbara Kaltschmidt, Universität Bielefeld
Fakultät für Biologie
Molecular Neurobiology, Department of Cell Biology,
Tel: 0521 / 106-5624 oder 0521 / 106-5797
E-Mail: barbara.kaltschmidt@uni-bielefeld.de

Torsten Schaletzke | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-bielefeld.de

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