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Über den Einfluss von Glaubensgemeinschaften auf das Sexualleben der Deutschen

28.05.2002

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Haben die sexuellen Vorschriften der Kirchen überhaupt noch Einfluss auf das Sexualleben der Deutschen? Laut einer Untersuchung der Forschungsstelle für Sexualwissenschaft und Sexualpädagogik der Universität in Landau kann diese Frage für die große Mehrheit der Bevölkerung eindeutig verneint werden.


Haben die sexuellen Vorschriften der Kirchen überhaupt noch Einfluss auf das Sexualleben der Deutschen? Dieser Frage ist die Forschungsstelle für Sexualwissenschaft und Sexualpädagogik an der Universität in Landau nachgegangen. Eine Befragung von über 2400 Frauen und Männern führte zu einem eindeutigen Ergebnis: Religiöse Sexualnormen wie das Fortpflanzungsgebot oder das Verbot von Homosexualität, Selbstbefriedigung und Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe sind nur noch für eine Minderheit (21 %) von Bedeutung. Für die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung gelten die religiösen Vorschriften hingegen als überholt. Sie quittierten die Starrheit religiöser Normen durch Ignoranz und Kirchenaustritte, erklärte der Projektleiter Prof. Dr. Norbert Kluge.

Der Einfluss religiöser Sexualnormen ist noch am größten bei den über 60 jährigen (32 %). Unterschiede zeigt auch ein Vergleich der Befragungsergebnisse zwischen den Bundesländern. In den alten Bundesländern stimmen die Befragten der religiösen Einflussnahme durch entsprechende sexuelle Vorschriften am häufigsten in Schleswig-Holstein (46 %) und Baden-Württemberg (36 %), am geringsten in Rheinland-Pfalz (13 %) zu. In den neuen Bundesländern liegt die Zustimmungsrate zwischen 19 % in Mecklenburg-Vorpommern und 3 % in Brandenburg.

An den Einstellungen der Konfessionslosen und der religiös lose Gebunden ist zu beobachten, dass die starren Kirchennormen durch humanistische, romantische und individuelle Wertvorstellungen ersetzt werden. Teilweise entsteht jedoch auch ein Werte-Vakuum, in dem alles erlaubt ist. Es scheint, als würden sich heute viele Menschen an den "Resten" ehemals mächtiger, aber unbarmherziger Sexualnormen orientieren, wobei die feindseligen und intoleranten Aspekte dieser Sexualnormen ausgeklammert werden. Die positiven Aspekte werden hingegen in die heutige Lebenswelt integriert und zu übergeordneten Leitlinien entwickelt.

Kontakt:
Prof. Dr. Norbert Kluge und Dr. Marion Sonnenmoser
Forschungsstelle für Sexualwissenschaft und Sexualpädagogik,
Universität Koblenz-Landau, August-Croissant-Str. 5, 76829 Landau
Tel.: 06341/ 990-162, Fax: 06341/ 990-161
E-Mail: fsus@uni-landau.de

Bernd Hegen | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: fss.uni-landau.de/fss_vorschriften.html
fss.uni-landau.de

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