Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Virtuelle Realität macht Täter zu Opfern

23.08.2010
Technik kann genutzt werden, um Rollen zu tauschen

Der Einsatz von virtueller Realität erlaubt es Forschern Experimente durchzuführen, die in der Realität unethisch oder schlicht unmöglich wären. Das dabei die Grenzen des Machbaren noch lange nicht ausgelotet sind, zeigen nun spanische Wissenschaftler.

Sie haben mittels virtueller Realität Menschen in die Rolle anderer versetzt und damit ihre Wahrnehmung deutlich verändert. Sie ließen Männer durch die Augen eines jungen Mädchens sehen, dem körperliche Gewalt angetan wird. Die Männer waren von dem Erlebten weitaus betroffener als sonst und fühlten sich danach selbst ängstlich und unsicher. Die Technik könnte in Zukunft dafür eingesetzt werden, Täter die Auswirkungen ihres Handelns virtuell nacherleben zu lassen.

"Auf empathische Weise könnten wir lernen, wie es ist das Opfer von Rassismus zu sein", so Forschungsleiter Mel Slater von der Universität Barcelona http://ub.edu . "Oder verstehen, wie es ist unterschiedliche Formen von Missbrauch zu erleben. Vor allem die Täter könnten dadurch lernen, welchen psychischen Schaden sie bei ihren Opfern anrichten." Im Rahmen des Experiments sahen Männer einen virtuellen Raum und eine Frau, die ihren Arm streichelt. Ein Blick in den Spiegel zeigt das Bild eines jungen Mädchens. Daraufhin wechselt die Perspektive und die Versuchspersonen erleben als Außenstehender mit, wie die Frau das Mädchen zweimal schlägt.

Das Experiment hat ergeben, dass sich Männer betroffener fühlen, als wenn sich dieses Ereignis in der Realität unter anderen Umständen abgespielt hätte. Für die Wirkung des virtuell Erlebten ist die visuelle Qualität übrigens nicht entscheidend, so Slater. "Viel wichtiger ist, dass die virtuelle Realität so reagiert, wie man es erwartet."

Auch andere ethische Grenzen werden anhand virtueller Realität neu gesetzt. In den frühen 60ern sorgte das sogenannte Milgram-Experiment für Aufregung. In dem Versuch sollte erforscht werden, wie Menschen mit Autorität umgehen. Sie konnten anderen Menschen mittels Knopfdruck Stromstößen aussetzen. Zwar waren diese nur Schauspieler, trotzdem wurden die Experimente später als unethisch kritisiert. Slater stellte den Versuch nun virtuell nach: Die Versuchspersonen reagierten zwar in geringerem Ausmaß, aber dennoch mit erhöhtem Stress - obwohl sie lediglich virtuelle Personen mit einem Stromstoß bestraften.

Georg Eckelsberger | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://ub.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Multidisziplinäre Studie regt neue Strategie zur Medikamentenentwicklung an
15.01.2018 | Heidelberger Institut für Theoretische Studien gGmbH

nachricht Interaktionen zwischen einfachen molekularen Mechanismen führen zu komplexen Infektionsdynamiken
09.01.2018 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal mit neuem Onlineauftritt - Lösungskompetenz für alle IT-Szenarien

16.01.2018 | Unternehmensmeldung

Die „dunkle“ Seite der Spin-Physik

16.01.2018 | Physik Astronomie

Wetteranomalien verstärken Meereisschwund

16.01.2018 | Geowissenschaften