Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Da Vincis Erbe: Flug mit Muskelkraft geglückt

23.09.2010
Kanadischer Forscher schafft Ornithopter-Rekordflug

Schon vor über 500 Jahren hatte Leonardo da Vinci die Vision eines Fluggeräts, das dank Muskelkraft mit dem Schwingenschlag eines Vogels fliegt. Dem Kanadier Todd Reichert, Doktorand am Institute for Aerospace Studies der University of Toronto, ist das endlich gelungen. Er hat mit dem Ornithopter "Snowbird" im August einen kontinuierlichen Flug geschafft, der nun bei der Fédération Aéronautique Internationale offiziell als Rekord eingereicht wurde.


Ornithopter \"Snowbird\": Fliegen mit Menschenantrieb (Foto: Todd Reichert/University of Toronto)

"Ich finde diesen Flug sehr bedeutsam. Er zeigt das Potenzial des Schwingenflugs", meint Ingo Rechenberg, Inhaber des Lehrstuhls Bionik und Evolutionstechnik an der TU Berlin http://www.bionik.tu-berlin.de , im Gespräch mit pressetext. "Es handelt sich um eine sehr effiziente, aber hochkomplexe Fortbewegungsart."

Traum wird Realität

"Die Snowbird ist der Erfüllung eines uralten Luftfahrt-Traums", sagt Reichert. Immerhin hat da Vinci 1485 seinen Ornithopter skizziert. Die Vision, aus eigener Kraft wie ein Vogel zu fliegen, ist freilich noch älter. Ein Ornithopter setzt diese Idee im engsten Sinne um, da sich Fluggerät tatsächlich durch einen Flügelschlag bewegt. Damit das gelingt, ist die Snowbird extrem leicht konstruiert. Obwohl der Ornithopter mit 32 Metern eine ähnliche Spannweite wie eine Boeing 737 hat, wiegt die Gesamtkonstruktion nur knapp 43 Kilo. Reichert selbst hat für den Flugversuch zudem gut acht Kilo abgenommen.

Wie die University of Toronto jetzt bekannt gegeben hat, fand der Rekordflug bereits am 2. August dieses Jahres im Beisein eines FIA-Vertreters statt. Dabei hat die Snowbird unter Muskelkraft 145 Meter bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25,6 Kilometern pro Stunde zurückgelegt. Die Flugdauer wirkt mit 19,3 Sekunden sehr kurz, ist aber beispielsweise um rund die Hälfte länger als der erste motorisierten Flug Orville Wrights am 17. Dezember 1903. Jedenfalls dürfte die Marke laut Universität im Oktober von der FIA offiziell als Weltrekord für einen bemannten Ornithopter-Flug bestätigt werden.

Besser im Kleinen

Der Snowbird-Flug soll vor allem eine Inspiration darstellen, den menschlichen Körper und Geist sinnvoll zu nutzen, so Reichert. Muskelkraftgetriebene Ornithopter als Transportmittel werden sich aber kaum durchsetzen. Generell ist der Schwingenflug für die bemannte Luftfahrt mit großen Flugzeugen wohl nicht geeignet, meint auch Rechenberg. "Für kleinere Flugobjekte könnte er aber eine bessere Fortbewegungsart darstellen als der Propellerflug", ist der Wissenschaftler überzeugt. Bei Modellflugzeugen und Drohnen kommt das Prinzip bisweilen schon zum Einsatz. So nutzt etwa die libellengroße DelFly (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/080723004/) das Flugprinzip eines Ornithopter.

Die Snowbird auf Vimeo: http://www.vimeo.com/15168011

Thomas Pichler | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.utias.utoronto.ca
http://www.fai.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht SeaArt-Projekt startet mit Feldversuchen an Nord- und Ostsee
18.11.2016 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf

06.12.2016 | Medizin Gesundheit

Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten

06.12.2016 | Medizintechnik