Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Varianten fehlender Gesichtserkennung entdeckt

03.02.2012
Forscher finden "unbewußte Erkennung" bei manchen Betroffenen

Das Merken und Wiedererkennen von Gesichtern ist in der Alltagskommunikation wichtig, gelingt jedoch vielen aufgrund eines Gendefekts oder Unfalls nicht.

Allein in Deutschland sind zwei Mio. Menschen von diesem Problem betroffen. Meist kommen sie gut damit zurecht und identifizieren ihr Gegenüber mit anderen Anhaltspunkten wie etwa Gang, Frisur oder Stimme. Dass es vielleicht ganz unterschiedliche Formen dieses im Fachterminus als "Prosopagnosie" bezeichneten Phänomens gibt, behaupten Forscher vom Birkbeck College der Universität London in der Zeitschrift "Brain".

Erkennen und Vergessen in 600 Millisekunden

Die Forscher zeigten zwölf Versuchspersonen mit Prosopagnosie Gesichter von Berühmtheiten und Unbekannten. Gleichzeitig beobachteten sie im Elektroenzephalogramm (EEG) den Zeitpunkt, in dem das Gehirn auf diese Stimuli elektrisch reagierte. Obwohl alle Untersuchten wie erwartet angaben, selbst die berühmten Gesichter nicht zu erkennen, zeigte sich bei einigen von ihnen im EEG nach 250 Millisekunden eine Reaktion, die normalerweise bei erfolgreicher Gesichtserkennung auftritt. Nach 600 Millisekunden war diese Erkennungsreaktion bei elf der zwölf Probanden wieder verschwunden.

Die Deutung der Wissenschaftler: Einige der Prosopagnosie-Testpersonen haben die Gesichter in einer frühen Phase erkannt, doch ging die Information später wieder verloren. Manche Teile des Gehirns könnten demnach wissen, dass sie ein bekanntes Gesicht sehen - sie erkennen es unbewusst. "Der Temporärlappen des Gehirns enthält eine ganze Reihe von Regionen, die Gesichter verarbeiten. Vorstellbar ist, dass es hier sehr verschiedene Arten von Störungen gibt - und somit wahrscheinlich sogar Dutzende unterschiedliche Formen der Gesichtsblindheit", sagt Studienleiter Bradley Duchaine.

Vererbung über ein Gen

Der Münsteraner Prosopagnosie-Forscher Thomas Grüter http://thomasgrueter.de bezeichnet den Ansatz gegenüber pressetext als "interessant", relativiert aber: "Ein Nachweis, der auch das Verhalten oder die Symptome miteinschließt, ist damit noch nicht gelungen." Für die Lebensführung der Betroffenen dürfte der vermutete Unterschied zwischen unbewusster und bewusster Gesichtserkennung zudem kaum relevant sein. "Zumindest die relativ häufige erbliche Form der angeborenen Prosopagnosie ist klinisch relativ einheitlich und weist einen autosomal dominanten Erbgang auf. Das würde eher für einen Defekt an einem einzelnen Gen statt für eine große Vielfalt unterschiedlicher Formen sprechen", so der Experte.

Ein deutscher Neurologe dokumentierte 1947 erstmals die Prosopagnosie bei Patienten mit schweren Kopfverletzungen. Erst später zeigte sich, dass die Schwäche bei vielen von Geburt an besteht und zu 50 Prozent an die Kinder vererbt wird. Erst langsam wird die Wahrnehmungsschwäche bekannt, wozu das gestiegene Interesse der Medien in den vergangenen Jahren beigetragen hat.

Abstract der Studie unter http://brain.oxfordjournals.org/content/early/2012/01/17/brain.awr347.abstract

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://bbk.ac.uk

Weitere Berichte zu: EEG Gen FTO Gesichtserkennung Millisekunde Prosopagnosie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Bergamoten – Verlockung und Verhängnis für Tabakschwärmer
21.04.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt
19.04.2017 | Forschungszentrum Jülich GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Pharmacoscopy: Mikroskopie der nächsten Generation

25.04.2017 | Medizintechnik

Astronomen-Team findet Himmelskörper mit „Schmauchspuren“

25.04.2017 | Physik Astronomie

Heiß & kalt – Gegensätze ziehen sich an

25.04.2017 | Physik Astronomie