Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unsichtbare Muster gegen falsche Designer-Kleider

07.05.2013
Sicherheitsmerkmal wird erst unter polarisiertem Licht sichtbar

Der Polymerforscher Christian Müller an der Chalmers University hat einen Faden mit speziellen optischen Eigenschaften entwickelt, der sich als wirksame Waffe im Kampf gegen gefälschte Designer-Klamotten entpuppen könnte.


Lächelndes Muster: Nur im rechten Licht zu sehen (Foto: Christian Müller)

Denn die Entwicklung ermöglicht es, in Kleidung ein Sicherheitsmerkmal ähnlich wie bei Banknoten einzuarbeiten - ein Muster, das erst unter polarisiertem Licht zu erkennen ist. Unter normalen Bedingungen leidet die Optik der Kleidungsstücke aber nicht.

"Die Fasern müssen nur einen Teil des Textils ausmachen. Dann werden sie fast unsichtbar", so Müller gegenüber pressetext. Der potenzielle Nutzen für die Bekleidungsindustrie ist dafür gewaltig. Denn für Produktpiraten wäre solch ein Sicherheitsmuster schwerlich exakt nachzubilden, sodass billige Kopien schnell als Fälschungen enttarnt werden könnten. Dabei ist Kleidung nur eines von vielen potenziellen Anwendungsgebieten. "Viele Bauteile beispielsweise in Autos nutzen Textilien", betont Müller. Dementsprechend könnten die verwobenen Muster auch als Echtheitsgarantie im industriellen Bereich von großem Wert sein.

Banknoten-Sicherheit für Textilien

Produktfälschungen gelten weltweit als wachsendes Problem. Doch sind gute Kopien oft nur schwer vom Original zu unterscheiden. Hier setzt Müllers Entwicklung an, die in Schweizer Banknoten als Sicherheitsmerkmal genutzte Fasern zum Vorbild hat und das Konzept allgemeiner auf Textilien überträgt. Wird der Spezialfaden in ein Textil verwoben, ist mit freiem Auge nichts Auffälliges zu erkennen - aber unter passend polarisiertem Licht wird sofort ein klar identifizierbares Muster sichtbar. "Die nötige Ausrüstung, um dieses Muster zu sehen, ist relativ einfach und beispielsweise beim schwedischen Zoll schon im Einsatz", betont Müller.

Der erste Prototyp besteht aus Polyethylen und einem Farbpigment, das sichtbares Licht absorbiert, doch auch auch andere Kunstfasern wie Nylon wären nutzbar. "Naturfasern sind auch eine Möglichkeit, zum Beispiel Wolle oder Seide", betont Müller. Entscheidend sei, dass der genutzte Farbstoff chemisch an die Faser gebunden werden kann. Jedenfalls könnte jeder Hersteller oder sogar jede neue Textilie eine eigene Kombination aus Fasern und Farben nutzen, um so ein unverwechselbares Muster als Sicherheitsmerkmal zu erhalten.

Hochgradig fälschungssicher

Obwohl die Fertigung der speziellen Fäden für Hersteller unkompliziert und kostengünstig wäre, verspricht jedes Muster aus Fasern und Farben hohe Sicherheit. "Es ist sehr schwer für Produktpiraten, die einzigartige Kombination zu kopieren", erklärt Müller. Denn während es durchaus möglich ist, die spektrale Signatur eines Musters zu bestimmen, wäre nicht klar, welche genutzten Komponenten diese letztlich ergeben haben.

Der Ansatz ist dem Polymerforscher zufolge bereits praxistauglich, er sei auf der Suche nach einem Industriepartner zur Weiterentwicklung der Idee. Dieser müsste keineswegs aus der Bekleidungsindustrie kommen, da der Ansatz auch für Textilien, die als Werkstoff genutzt werden, interessant ist. So könnte ein Sicherheitsmuster eine wichtige Echtheitsgarantie für hochwertige Bauteile darstellen. Längerfristig ist zudem denkbar, dass die Entwicklung zu intelligenten Textilien führt, die beispielsweise aufgrund von Strom ihre Farbe ändern.

Thomas Pichler | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.chalmers.se/en

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Labor für die Aufbautechnik von ultradünnen Mikrosystemen
21.02.2017 | Hahn-Schickard

nachricht 36 Forschungsprojekte zu Big Data
21.02.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie