Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ufer der Tide-Elbe: Weniger Technik, mehr Natur?

23.10.2013
Seit Jahrzehnten prägen Steinschüttungen viele Uferabschnitte an der Tide-Elbe.

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt „ElbService“ erarbeitet Grundlagen für naturnähere Elbufer. Um die Ansichten der Bürgerinnen und Bürger mit einzubeziehen, startet in den nächsten Wochen eine wissenschaftliche Umfrage in Form einer Fragebogenaktion unter der Bevölkerung von Geesthacht bis Cuxhaven.

Es wird langsam frisch auf der Parkbank. Die 83-jährige Dame bedankt sich herzlich für das anregende Gespräch über die Elbe und ihre Ufer. Dr. Uta Sauer, Umweltökonomin an der Universität Göttingen, schlägt den Kragen hoch. Für sie war dies eines der Gespräche mit unterschiedlichen Bürgerinnen und Bürgern in Hamburg und den angrenzenden Landkreisen im Vorfeld der Fragebogenaktion.

„Zudem hat unser Team Gespräche mit Vertretern verschiedener Behörden und Verbände – vom Wasser- und Schifffahrtsamt Hamburg über den NABU bis hin zum Bauernverband – geführt. Wir wollen herausfinden, wie die Menschen die Ufer der Elbe nutzen und was sie dort für schön und wichtig halten“, erläutert sie. Uta Sauer zu Folge ist bekannt, dass die Menschen grundsätzlich mehr Natur am Elbufer wollen.

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts sind nach und nach große Abschnitte der Elbufer ab Geesthacht mit Steinschüttungen, Spundwänden und anderen technischen Mitteln ausgebaut worden. Das schützt das Ufer vor Abbrüchen, und das Land vor den Deichen kann besser genutzt werden. Die technisch gesicherten Ufer sind aber oft weniger wertvoll für Artenvielfalt, Gewässerqualität und Erholungssuchende. Das Forschungsprojekt „ElbService“ der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in Koblenz und der Universitäten Göttingen und Kiel untersucht, wie die Ufer im Einklang mit Hochwasserschutz, Schifffahrt und den Ansprüchen der Menschen rückgebaut werden könnten. „ElbService“ wird finanziert durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS).

Etwa 150 der 330 Uferkilometer an der Tide-Elbe sind so stark verbaut, dass sich dort kaum noch Pflanzen finden. Nur gut 40 Prozent sind einigermaßen naturnahe Ufer. Seit Jahren sind jedoch mehr naturnähere Ufer der Tide-Elbe im Gespräch. „Wir können daher auf eine Reihe von Vorarbeiten aufbauen“, freut sich Dr. Carolin Schmidt-Wygasch, ElbService-Koordinatorin in der Bundesanstalt für Gewässerkunde.

Die BfG hat unter anderem die Aufgabe, die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) bei ökologischen und naturschutzfachlichen Belangen zu beraten. „Unsere Ergebnisse sollen die WSV und andere Beteiligte bei der anstehenden Unterhaltung unterstützen, um den ökologischen Zustand der Elbufer im Laufe der kommenden Jahre zu verbessern.“

„Wir haben es hier mit einer Art ‚Großprojekt’ zu tun“, betont Dr. Jan Barkmann, stellvertretender Leiter der Abteilung für Umwelt- und Ressourcenökonomik in Göttingen. Die Forscher werden in den nächsten Wochen einigen hundert zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürger für eine repräsentative wissenschaftliche Umfrage einen Fragebogen zusenden. „Wir wissen heute nicht, wie wichtig den Menschen naturnahe Ufer für Erholung und Freizeit aber auch als Lebensräume für seltene oder geschützte Tiere und Pflanzen sind. Ich nenne beispielhaft Stint, Blaukehlchen und Schierlingswasserfenchel.“ Von entscheidender Bedeutung sei, welche finanziellen Belastungen die Bürgerinnen und Bürger noch für tragbar halten. Auch das soll die Umfrage herausfinden, unterstreicht Jan Barkmann.

„Bei der Entscheidung, wo und wie die Ufer naturnah zurückgebaut werden können, sollten die Ansichten aller Betroffenen frühzeitig gehört werden“, so Carolin Schmidt-Wygasch. „Ich hoffe, dass viele Bürgerinnen und Bürger diese Chance nutzen.“

Weitere fachliche Informationen:
Dr. Carolin Schmidt-Wygasch, Fon 0261/1306 5027, Mail: schmidt-wygasch@bafg.de, Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz.
Kontakt und Adresse für Belegexemplar:
Benno Dröge, Pressesprecher, Bundesanstalt für Gewässerkunde, Am Mainzer Tor 1, 56068 Koblenz, Tel. 0261/ 1306-5461, Fax: 0261/ 1306 5333, E-mail: droege@bafg.de, Internet: www.bafg.de

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde ist das zentrale wissenschaftlich eigenständige Institut des Bundes für die wissenschaftlich-technische Versuchs- und Forschungsarbeit und die praxisbezogene Beratung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung in den Fachgebieten Hydrologie und Gewässernutzung, Gewässerbeschaffenheit sowie Ökologie und Gewässerschutz. Sie unterstützt das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sowie andere Bundesressorts in fachspezifischen Fragestellungen zu Bundeswasserstraßen und deren Einzugsgebiete und vertritt diese auch international.

Alfred Hommes | idw
Weitere Informationen:
http://www.bafg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht ROBOLAB generiert neue Forschungsansätze und Kooperationen
08.05.2017 | Hochschule Mainz

nachricht Wie Coronaviren Zellen umprogrammieren
28.04.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten