Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

TU Braunschweig: Spagat zwischen Natur- und Hochwasserschutz

25.03.2010
Forschungsprojekt: Wie beeinflusst die Vegetation die Strömung in Fließgewässern? Die Verbesserung des ökologischen Zustandes und eine naturnahe Gestaltung unserer Fließgewässer steht oftmals in Widerspruch zu aktuellen Hochwasserschutz-Strategien, da Vegetation den Fließwiderstand erhöht und dadurch die Hochwassergefahr steigen kann.

Das wechselseitige Verhalten von Vegetation und Strömung untersucht die Abteilung Wasserbau des Leichtweiß-Instituts der Technischen Universität Braunschweig, um sowohl dem Natur- als auch dem Hochwasserschutz gerecht zu werden. Auf der einen Seite soll der ökologische Zustand der Ströme, Flüsse und Bäche durch Vegetation im Uferbereich verbessert werden, so sieht es die EU-Wasserrahmenrichtlinie vor. Auf der anderen Seite ist durch wirtschaftliche Interessen und dichte Besiedlung bis an die Flüsse ein effektiver Hochwasserschutz zur Vermeidung von Schäden unvermeidlich.

Wichtig für die Entwicklung von Strategien sind Erkenntnisse der komplexen Wechselwirkung der Strömung und der Vegetation. Denn die Büsche und Bäume, die im Uferbereich oder bei Hochwasser im Wasser stehen, verhindern ein schnelles Abfließen des Wassers und erhöhen den Wasserstand und damit die Gefahr eines Hochwassers.

Ziel des DFG-Forschungsprojekts ist es, den Strömungswiderstand, der unter anderem von der Flexibilität der Vegetation, der Blattmasse sowie dem Abstand der Pflanzen abhängt, zu bestimmen. Mithilfe eines neu entwickelten Kraft-Messgerätes kann die Widerstandskraft und das Biegeverhalten der Pflanzen gemessen werden.

Diese Messungen finden in der Versuchshalle des Leichtweiß-Instituts für Wasserbau statt. In einer Versuchsrinne, die 35 Meter lang und 60 Zentimeter breit ist, sind Hunderte von Kunstpflanzen "angepflanzt", die ähnliche Eigenschaften wie ihre natürlichen Pendants haben.

Die Ergebnisse der Versuche dienen zur Verbesserung des Verständnisses der Wechselwirkung von Strömung und Vegetation. "Denn die Computer, die die Strömung simulieren, brauchen für ihre Berechnung verlässliche Daten aus der Praxis und diese erhalten sie von unserem Institut", so Prof. Andreas Dittrich, Leiter der Abteilung für Wasserbau. Das verbesserte Verständnis der Prozesse stellt die Grundlage für die Entwicklung eines nachhaltigen Flussgebietsmanagements dar, das im Einklang mit Hochwasserschutz und Ökologie steht.

In Kooperation mit der Cardiff University und der Universität für Bodenkultur in Wien wurden auch Versuche in einem 300 Meter langen, 12,5 Meter breiten und sechs Meter tiefen Schleppkanal der spanischen Versuchseinrichtung CEHIPAR bei Madrid durchgeführt. Hier konnte das Widerstandverhalten von bis zu sechs Meter großen Bäumen analysiert werden. Die Ergebnisse ergänzen die kleinskaligen Versuche des Leichtweiß-Instituts.

Die Bedeutung Braunschweigs als Zentrum für Wasserbau unterstreicht auch die internationale und interdisziplinäre Konferenz über Flussdynamik "River Flow, die vom 7. bis zum 11. September 2010 in Braunschweig stattfindet, und von der Abteilung Wasserbau des Leichtweiß-Instituts der Technischen Universität Braunschweig organisiert wird. Zu der Tagung, die erstmalig in Deutschland stattfindet, werden mehr als 300 Teilnehmer aus aller Welt erwartet.

Kontakt
Prof. Andreas Dittrich
Leichtweiß-Institut für Wasserbau, Abteilung Wasserbau
Tel.: 0531/391-3940
E-Mail: a.dittrich@tu-braunschweig.de
Thomas Schoneboom
Leichtweiß-Institut für Wasserbau, Abteilung Wasserbau
Tel.: 0531/391-3986
E-Mail: t.schoneboom@tu-braunschweig.de

Ulrike Rolf | idw
Weitere Informationen:
http://www.lwi.tu-bs.de

Weitere Berichte zu: Fließgewässer Hochwasser Hochwasserschutz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Forschende der Uni Kiel entwickeln extrem empfindliches Sensorsystem für Magnetfelder
15.02.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Getarntes Virus für die Gentherapie von Krebs
31.01.2018 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics