Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Foldit": Computerspiel bringt Durchbruch bei HIV

20.09.2011
Gamer können Proteine an Retroviren verschieben

Innerhalb von zehn Tagen haben User des wissenschaftlichen Computerspiels "Foldit" die Struktur der sogenannten "Retroviralen Protease" - dem Schlüssel zur Reproduktion des HI-Virus - aufgedeckt.

Durch das bessere Verständnis der Molekularstruktur und deren Aufbau könnte ein wesentlicher Durchbruch bei der Bekämpfung der Immunschwäche gelingen. Das Spiel gibt es seit 2008. Hintergrund ist, dass Rechner mit ihren Algorithmen die gestellten Aufgaben nur schwer lösen können, während Menschen unsinnige Verbindungen schneller erkennen. Derzeit spielen etwa 60.000 Menschen weltweit dieses Spiel - oft ohne jeglichen medizinischen oder biochemischen Vorkenntnisse.

"Foldit ist ein extrem prominentes und hervorragendes Beispiel für Serious Games, bzw. Gamification. Es ist eine Art Crowdsourcing was das Problem des Spatial Reasoning angeht, das heißt, ein Problem - in diesem Fall das Problem des Faltens der Proteine - wird an 10.000 oder mehr Amateure weitergegeben. Im richtigen Setting ist diese Methode besser und effektiver, als wenn sich zehn der besten Köpfe damit beschäftigen", so Steffen P. Walz vom Games & Experimental Entertainment Laboratory Europe der RMIT University im Gespräch mit pressetext. Walz findet die neue Entwicklung im Bereich der HIV-Forschung "fantastisch".

Gamer helfen Forschern
Zoran Popovic, Erfinder von Foldit, hofft, mit ersten Ergebnissen die Kritiker davon zu überzeugen, dass wissenschaftliche Spiele zu wichtigen Durchbrüchen führen. Das hat Foldit nunmehr spielend bewiesen, denn der Aufbau der Retroviralen Protease war den Forschern seit mehr als zehn Jahren ein Rätsel. Zu sehen, wie sich dieses Protein aufbaut, gibt Forschern ein Werkzeug in die Hand, um dieses Wachstum künftig medikamentös einzubremsen.

"Nachdem eine ganze Reihe von Versuchen fehlgeschlagen war, die Kristallstruktur der M-PMV Retroviralen Protease durch das Austauschen von Molekülen herauszufinden, haben wir einfach die Spieler von Foldit aufgefordert, uns akkurate Modelle des Proteins zu liefern", so Forscher im Journal "Nature Structural & Molecular Biology" http://nature.com .

Mehr als 100.000 Proteine
Wenn man bedenkt, dass sich im menschlichen Körper 100.000 verschiedene Proteine befinden, eine durchaus eindrucksvolle Leistung: "Es ist bemerkenswert, dass Spieler von Foldit Modelle mit ausreichender Qualität für einen molekularen Austausch und die darauf folgende Strukturbestimmung liefern konnten. Die verfeinerte Struktur liefert neue Einsichten und hilft bei der Herstellung neuer antiretroviraler Medikamente."
Dass kaum einer der Spieler einen Hintergrund als Biochemiker hat, spielt dabei keine Rolle, denn die Millionen an Möglichkeiten, Moleküle zu drehen, verlangen nach einer großen Anzahl an Versuchen und Problemlösern: "Die Leute haben ein räumliches Vorstellungsvermögen. Darin sind Computer nicht sehr gut", meint der führende Designer von Foldit, Seth Cooper. So ein Spiel kann die Stärken von Computern und Menschen bündeln, meint der Fachmann. Neben HIV sind den Foldit-Spielern auch Fortschritte bei Krebs und Alzheimer zu verdanken.

Clemens Plasser | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.fold.it
http://www.rmit.edu.au

Weitere Berichte zu: Computerspiel Foldit HIV Molekül Protease Protein Retroviralen online game

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Multidisziplinäre Studie regt neue Strategie zur Medikamentenentwicklung an
15.01.2018 | Heidelberger Institut für Theoretische Studien gGmbH

nachricht Interaktionen zwischen einfachen molekularen Mechanismen führen zu komplexen Infektionsdynamiken
09.01.2018 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics