Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nano-Markierungen verraten Waffenmissbrauch

04.08.2008
Auch DNA-sammelnde Oberflächen für Patronen entwickelt

Britische Wissenschaftler setzen auf Nanotechnologie im Kampf gegen den Waffenmissbrauch. Sie haben "Nanotags" entwickelt, mit denen Patronen beschichtet werden und die in Spuren auf Händen oder Handschuhen haften bleiben, wenn mit der Munition hantiert wird. Ferner sorgen speziell aufgeraute Oberflächen dafür, dass Schützen eher verwertbare DNA-Spuren auf den Patronen hinterlassen. Ziel der mit Finanzierung des vom britischen Engineering and Physical Sciences Research Council (EPSRC) entwickelten Technologien ist es, durch die zusätzlichen Indizien für eine bessere Beweiskette zu sorgen und somit kriminelle Schützen der gerechten Strafe zuzuführen.

Nur 30 Mikrometer sind die verräterischen Nanotags groß, die in die Beschichtung von Patronen integriert werden. Ein Teil der Markierungen löst sich, wenn beispielsweise beim Laden einer Waffe mit der Munition hantiert wird. Diese Tags bleiben dann auf der Hand oder den Handschuhen zurück und sind dank guter Haftwirkung kaum abzuwaschen. "Die Tags bestehen hauptsächlich aus natürlichen Pollen, die von der Evolution mit außergewöhnlichen Hafteigenschaften ausgestattet wurden", erklärt Projektleiter Paul Sermon von der University of Surrey. Durch die Beigabe verschiedener Oxide erhalten die Nanotags eine einzigartige chemische Signatur, die zwischen verschiedenen Chargen von Patronen leicht variiert werden kann. "Das erlaubt es, eine feste Verbindung zwischen einer abgefeuerten Patrone und ihrem Nutzer herzustellen", betont Sermon.

Das ist ein forensischer Vorteil, da von Patronen kaum Fingerabdrücke gewonnen werden können und auch verwertbares DNA-Material selten ist. Aktuell könnten nur in rund zehn Prozent der Fälle DNA-Spuren genutzt werden, so das EPSRC. Auch das soll sich ändern, dank einer zweiten Neuentwicklung. Mit einer geeigneten Mikro-Strukturierung der Oberfläche, speziell des Patronenendes, sollen beim Laden der Waffe abgestorbene Zellen vom Daumen des Nutzers gefangen werden. Bei der Entwicklung der Technologie wurde großer Wert darauf gelegt, ein Zerstören der gewonnen DNA-Proben durch die Temperaturentwicklung beim Abfeuern der Waffe möglichst zu unterbinden.

Beide Technologien dienen zur Sicherung von Indizien-Beweisen bei Gewaltverbrechen mit Schusswaffen und somit dazu, für höhere Aufklärungsraten zu sorgen. An der Entwicklung waren Wissenschaftler von fünf britischen Universitäten beteiligt, jetzt müssen letzte Details geklärt werden. "Wir konzentrieren uns derzeit darauf, die genauen Anforderungen von Polizei und Patronenherstellern zu verstehen", betont Sermon. Beide Technologien könnten dem EPSRC zufolge innerhalb eines Jahres einsatzfähig sein und in weiterer Folge auch in anderen Gebieten, beispielsweise bei Stichwaffen, zum Einsatz kommen.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.epsrc.ac.uk

Weitere Berichte zu: DNA-Spuren Nano-Markierungen Nanotags

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Nano-CT-Gerät liefert hochauflösende Aufnahmen von winzigem Stummelfüßer-Bein
07.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Neues Verbundprojekt erforscht die neurodegenerative Erkrankung Morbus Alzheimer
12.09.2017 | Universitätsklinikum Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie