Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Museumsforscher entschlüsseln Wirkung antiker Räume

09.12.2008
Digitale Medien kein Ersatz für authentische Originalobjekte

Die Entwicklung der Gesellschaft und ihrer Medien verändert auch unser Bild von der Vergangenheit. Der groß angelegte interdisziplinäre Exzellenzcluster Topoi beschäftigt sich eingehend damit, wie das Wissens über Räume für die Antike anwendbar gemacht werden kann.

Mehr als 200 Berliner Wissenschaftler - unter anderem Archäologen, Philosophen, Kunsthistoriker, Philologen - sind in dieses bis 2012 dauernde Projekt eingebunden. Erste Zwischenberichte erlauben Einblick in die Vermittlungsgeschichte antiker Räume. Nach Abschluss des Projekts sollen die Ergebnisse in einer Ausstellung öffentlicht gemacht werden.

Lange Zeit nährten Reiseberichte und Karten als einzige Quellen über die Antike das Bild eines "versunkenen" Zeitalters. "Um 1800 kamen schließlich tischhohe Tempelmodelle in Mode. Als das nicht mehr funktionierte, baute man antike Monumente in tatsächlicher Größe nach", sagt die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy im pressetext-Interview. Ihr Team spezialisiert sich auf die Erforschung der musealen Präsentations- und Inszenierungsformen im Lauf der Zeit. Während die originale Nachbildung des Pergamon-Altars oder des Ischtartors dem Museumsbesucher Atmosphäre vermitteln wollen, sei dies bei dem breiten Spektrum an heutigen Visualisierungsmöglichkeiten jedoch problematisch, so Savoy.

Digitale Medien halten Einzug in Museen und ermöglichen es, die Antike im Auge des Betrachters dreidimensional entstehen zu lassen. Einen Ersatz für das tatsächliche Erleben und für die Aura des authentischen Originalobjekts bilden sie jedoch nicht, so das Credo der Forscher.

Gefühle spielen für die Erkenntnisgewinnung im Museum eine wichtige Rolle, unter denen Savoy besonders die Ergriffenheit und Würde des musealen Raumes hervorhebt. "Das Museum als Tempel und die antike Kunst als Religion bestimmen als Topoi seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert den Diskurs über Museen", so Savoy. Diesen Anspruch der Museen als Kunsttempel zeige sich unter anderem in architektonischen Elementen des Londoner British Museum, des Alten Museums in Berlin oder des Museo Pio-Clementino im Vatikan. Alle drei Museen beinhalten Anspielungen auf die Konstruktion des römischen Pantheons, so Savoy.

Einen weiteren Forschungsbereich bilden die Zusammenhänge zwischen Objekt und Raum. Etwa bei der Präsentation ägyptischer Kunstwerke stellt sich für das Museum die Frage nach der geeigneten Raumgestaltung. "Früher versuchte man, den verlorenen ursprünglichen Raum durch ägyptisierende Raumfiktionen in Museen zu kompensieren. Heute neigt man eher dazu, die Aura der einzelnen authentischen Werke in Szene zu setzen", so Savoy. Im ägyptischen Museum Berlin, das 2009 nach dem Umbau des Neuen Museums auf der Museumsinsel seine Pforten öffnet, werden Besucher erstmals zwei Grabkammern betreten können, deren Wände auseinandergenommen sind und die durch gezielte Lichtführung ägyptische Atmosphäre rekonstruieren.

Savoy wertet die Arbeit ihrer Gruppe im Rahmen des Topoi-Projekts als Zeichen dafür, dass die Museen in der Generierung und Transformation von Wissen eine immer sichtbarere Rolle spielen. "Das Interesse der Gesellschaft für die Antike boomt", so die Kunstgeschichtlerin. In Zeiten der Globalisierung erinnere man sich gerne an vergangene Epochen, die bereits ebenfalls globale Elemente aufgewiesen hätten, vermutet Savoy.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.topoi.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Speiseröhrenkrebs einfacher erkennen
06.03.2017 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Neues Labor für die Aufbautechnik von ultradünnen Mikrosystemen
21.02.2017 | Hahn-Schickard

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie