Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Molekül bis zum Universum - Forschung mit dem Computer

08.03.2010
Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) eröffnet - neue Impulse für die Wissenschaft - Ergänzung für die regionale Forschung - Grundlagenforschung auf Gebieten, die große Datenmengen verarbeiten und strukturieren

Heute wurde das Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) mit einem Kolloquium feierlich eröffnet. Das HITS ging zum Jahreswechsel durch Namensänderung aus dem Forschungsinstitut EML Research hervor. Als Forschungsinstitut der Klaus Tschira Stiftung betreibt es nach wie vor Grundlagenforschung auf Forschungsfeldern, die große Datenmengen verarbeiten und strukturieren. Es wird aber größer und thematisch breiter aufgestellt sein.

"HITS wird ein recht multidisziplinäres Institut", erläuterte Klaus Tschira bei der Eröffnung. Derzeit gibt es fünf Forschungsgruppen am HITS, die sich mit so unterschiedlichen Themen wie Biologie, Linguistik und dem Weltraum befassen. Insgesamt sind etwa zehn Gruppen geplant. Die Geschäftsführung teilt sich Klaus Tschira mit dem Informatiker Prof. Andreas Reuter.

Das "Labor" der HITS-Forscher ist der Computer. So lässt zum Beispiel der Astrophysiker Volker Springel per Simulation ein Universum aus Millionen Galaxien entstehen - auf der Basis von Daten, die unter anderem aus Experimenten am CERN stammen. Die Chemikerin Frauke Gräter befasst sich mit der Rolle mechanischer Kräfte in biochemischen Prozessen und hat ein Computermodell entwickelt, das Medizinern dabei hilft, neue Erkenntnisse zur Entstehung von Krankheiten wie Thrombosen zu gewinnen. Die Datenbankspezialisten um die Informatiker Isabel Rojas und Wolfgang Müller haben eine weltweit anerkannte Datenbank zur Kinetik von biochemischen Reaktionen erstellt, die zu einem wichtigen Werkzeug der Systembiologie geworden ist. Der Computerlinguist Michael Strube arbeitet an Software, die helfen soll, Technik besser an die Bedürfnisse der Menschen anzupassen. Und die Biophysikerin Rebecca Wade zeigt durch Computersimulationen, wo und wie Proteine miteinander Bindungen eingehen, und gibt damit wichtige Hinweise für die Entwicklung von Medikamenten.

Bei der Planung des HITS hat sich Stifter Klaus Tschira vom Institute for Advanced Study (IAS) in Princeton inspirieren lassen. "Anders als dieser Prototyp aller hochschulunabhängigen Institute soll sich das HITS auf die Naturwissenschaften, die Informatik und die Mathematik konzentrieren", so Tschira, "ganz nach den Leitlinien der Stiftung, die diese auch in anderen Bereichen erfolgreich umsetzt." Klaus Tschira ist außerdem ein Anhänger des Dialogs zwischen den Disziplinen: Die Forschungsgruppen sollen nicht, wie in Princeton, zu mehreren Schulen zusammengefasst werden. "Ich glaube, dass gerade die innige Vermischung von Forschern unterschiedlicher Disziplinen besonders anregend ist", sagte der HITS-Geschäftsführer.

Die zahlreichen Gastwissenschaftler, die das HITS in Zukunft empfangen will, liefern weitere Impulse für die interdisziplinäre und internationale Orientierung des Instituts. Die bereits enge Kooperation mit den Universitäten und zahlreichen Instituten der Region wird weiter ausgebaut. So wurde beispielsweise der neue Gruppenleiter Volker Springel zugleich als Professor für Theoretische Astrophysik an die Universität Heidelberg berufen. Mit seinem Ansatz ergänzt das HITS die bestehende Forschungslandschaft. "Da wird Musik drin sein", meinte Klaus Tschira und fügte abschließend den scherzhaften Merksatz hinzu: "Mannheim hat eine Popakademie, Heidelberg hat HITS."

Das Heidelberger Institut für Theoretische Studien wurde mit einem Vortrag der renommierten US-Wissenschaftlerin Jeannette Wing (National Science Foundation) eröffnet, die als Vertreterin der US-amerikanischen Informatik unter dem Titel "Computational Thinking" die Kulturtechnik für das 21. Jahrhundert beschrieb: "Das Denken in Algorithmen wird wie Lesen, Schreiben und Rechnen eine grundlegende Fertigkeit werden", erläuterte Wing. "Es ist die Technik, mit der wir komplexe Systeme besser verstehen und die damit verbundenen Probleme schneller lösen können." Dieses Denken haben sich die HITS-Forscher auf die Fahnen geschrieben, im Sinne ihres eigenen Mottos: "Think beyond the Limits"!"

Ansprechpartner für weitere Informationen:
Dr. Peter Saueressig
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
HITS gGmbH
Heidelberger Institut für Theoretische Studien
Tel: +49-6221-533-245
Fax: +49-6221-533-198
peter.saueressig@h-its.org
HITS:
Das Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS gGmbH) ist ein privates, gemeinnütziges Forschungsinstitut. Es ging am 01.01.2010 durch Namensänderung aus der EML Research gGmbH hervor und setzt deren Forschungsaktivitäten auf einer breiteren Grundlage fort. Als Forschungseinrichtung der Klaus Tschira Stiftung (http://www.klaus-tschira-stiftung.de) betreibt HITS Grundlagenforschung in verschiedenen Bereichen der Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik. Der methodische Schwerpunkt liegt bei der Theorie- und Modellbildung, wobei rechnergestützte Simulation und Datenerschließung eine zentrale Rolle spielen. HITS ist auf insgesamt ca. zehn Forschungsgruppen ausgelegt, die sich mit so verschiedenen Gebieten wie theoretischer Biochemie, molekularer Biomechanik, wissenschaftlichen Datenbanken, Computerlinguistik, theoretischer Astrophysik, medizinischer Statistik u.ä. befassen sollen. Geschäftsführer der HITS gGmbH sind Dr. h.c. Klaus Tschira und Prof. Dr.-Ing. Andreas Reuter.

Dr. Peter Saueressig | idw
Weitere Informationen:
http://www.h-its.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Placebo-Effekt hilft nach Herzoperationen
11.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ALMA beginnt Beobachtung der Sonne

18.01.2017 | Physik Astronomie

Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

18.01.2017 | Architektur Bauwesen

Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern

18.01.2017 | Geowissenschaften