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Mehr Sicherheit durch intelligente Videoüberwachung?

31.05.2010
Wissenschaftler der Universität Tübingen erforschen ethische Fragen
Sicherheitstechniken haben Konjunktur. Neue Anschläge und Gewaltvorfälle rufen regelmäßig Debatten hervor, wie die Gefahr von terroristischen Angriffen, Jugendgewalt oder anderen Delikten eingedämmt werden kann. Dabei wird immer wieder der Ruf nach verstärkter Videoüberwachung laut.

Allerdings leidet deren Einsatz daran, dass sie nicht per se durch mehr Bilder, sondern erst durch schnellere und gezieltere Auswertung leistungsfähiger wird. Eine mögliche Lösung liegt im Einsatz „intelligenter Kameras“, die aufgezeichnete Videobilder automatisch analysieren, relevante Informationen darin erkennen und evaluieren.

Die ethischen und rechtlichen Fragen dieser neuen Technologie untersucht ein neues Forschungsvorhaben, das vom Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Universität Tübingen koordiniert wird. Das Projekt unter dem Titel „MuViT – Mustererkennung und Video Tracking: sozialpsychologische, soziologische, ethische und rechtswissenschaftliche Analysen“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Forschungsprogramms „Forschung für die zivile Sicherheit“ finanziert. Leiterin des Projekts ist Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn, die am IZEW den Arbeitsbereich „Ethik und Kultur“ leitet und seit Februar 2010 das Amt der baden-württembergischen Staatsrätin für interkulturellen und interreligiösen Dialog sowie gesellschaftliche Werteentwicklung inne hat.

Dieses interdisziplinäre Projekt wird eine umfassende Untersuchung der Implikationen von Mustererkennungstechniken erarbeiten. Dabei geht es um Fragen wie: Welche Wirkung hat intelligente Videoüberwachung auf Denken, Fühlen und Verhalten von Menschen, z.B. auf die Erhöhung von Hilfsbereitschaft? Welche gesellschaftlichen Akteure sind am Sicherheitsdiskurs beteiligt und welche Interessen verfolgen sie? Auf normativer Ebene werden der rechtliche Status Quo sowie die ethisch relevanten Problemfelder identifiziert. Im Zentrum stehen dabei Probleme der Einschränkung von Handlungsfreiheit, des Eingriffs in die Privatsphäre und von Diskriminierung durch intelligente Überwachung. In einem zweiten Schritt werden die Projektpartner in den kommenden drei Jahren Lösungsvorschläge für juristische und ethische Probleme der Videoüberwachung erarbeiten. Die Ergebnisse werden in eine Handreichung für (forschungs)politische Entscheidungsträger münden. Neben dem IZEW sind die Universitäten Potsdam, Würzburg und Freiburg beteiligt.

Das 1990 gegründete IZEW ist ein interdisziplinär und international ausgerichtetes Forschungszentrum der Universität Tübingen, das ethische Fragen untersucht, die sich in und aus den Wissenschaften ergeben. Neben der Forschung widmet sich das IZEW der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und dem Transfer von Forschungsergebnissen der Ethik in die Universität und die Öffentlichkeit.

Kontakt:
Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn
Andreas Traut, M.A.
Universität Tübingen
Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)
Wilhelmstr. 19
72074 Tübingen
Telefon: +49(0)7071/29-77516
Fax: +49(0)7071/29-5255
Email: andreas.traut[at]izew.uni-tuebingen.de
Eberhard Karls Universität Tübingen
Hochschulkommunikation
Abteilung Presse und Forschungsberichterstattung
Michael Seifert
Wilhelmstr. 5 · 72074 Tübingen
Tel.: 0 70 71 · 29 · 7 67 89 · Fax: 0 70 71 · 29 · 5566
E-Mail: michael.seifert[at]uni-tuebingen.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.izew.uni-tuebingen.de

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