Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kunststoffherstellung mit Meerrettich

19.09.2011
Basler Forscher finden ungiftigen Katalysator

Wissenschafter der Universität Basel haben ein Enzym aus Meerrettich isoliert, das schädliche Katalysatoren in Kunststoffen für die Medizin und die Lebensmittelindustrie ersetzen kann. Das Enzym begünstigt die sogenannte Polymerisationsreaktion unter Atomtransfer, durch die unter anderem auch Plexiglas entsteht.

"Bisher wurden für diese Reaktion hauptsächlich Kupferverbindungen als Katalysator verwendet. Diese schädlichen Stoffe werden aus wirtschaftlichen Gründen kaum zur Gänze aus dem Endprodukt entfernt", erklärt Nico Bruns von der Uni Basel im Gespräch mit pressetext.´

Enzym-Promiskuität

Das Katalysator-Enzym gehört zur Klasse der Peroxidasen. Seine eigentliche Aufgabe ist es, Peroxide abzubauen. "Enzympromiskuität - das Erfüllen mehrerer Aufgaben durch ein Enzym - ist relativ häufig, vor allem wenn man die Proteine aus ihrer natürlichen Umgebung entfernt", erklärt Bruns. Deshalb sind Die Basler Forscher auch schon auf der Suche nach anderen Kandidaten, die als Katalysatoren dienen könnten. Das Meerrettichenzym ist aber schon ein guter Anfang. Mit dem völlig unbedenklichen Eiweiß kann eine große Anzahl von Kunststoffen umweltfreundlicher produziert werden. Unter anderem können Styropor und diverse Acrylate erzeugt werden.

"Auch der Kleber, der den Joghurtdeckel auf den Becher klebt, fällt in die Produktklasse, die durch diese Reaktion erzeugt wird", erklärt Bruns. Die früher verwendeten Katalysatoren waren teilweise giftig und wenig umweltverträglich. Eine industrielle Anwendung wäre laut Bruns gar nicht so schwierig. "Die Enzyme, die wir einsetzen, werden in der Biotechnologie häufig verwendet und sind deshalb im großen Maßstab verfügbar", erklärt der Experte. Ob die Enzyme auch einen billigeren Herstellungsprozess für Kunststoffe erlauben, ist noch nicht geklärt. Es gibt aber schon Firmen, die Interesse an der Technologie bekundet haben.

Besonderer Meerrettich

Das Enzym wurde bisher nur im Meerrettich entdeckt. Bruns glaubt allerdings, dass man es auch durch Fermentationsprozesse herstellen könnte, was aber wesentlich teurer wäre. Die Wissenschaftler vermuten, dass in der erweiterten Familie der Peroxidasen noch weitere nützliche Enzyme zu finden sind. In Zukunft wollen sie auch mit anderen Lösungsmitteln als Wasser arbeiten. Ziel ist es außerdem, den Prozess bei der Reaktion auf molekularer Ebene besser zu verstehen, was auch die Performance verbessern können sollte.

Markus Keßler | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch

Weitere Berichte zu: Basel Katalysator Kunststoff Kunststoffherstellung Meerrettich Peroxidasen enzyme

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Verbundprojekt erforscht die neurodegenerative Erkrankung Morbus Alzheimer
12.09.2017 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Damit sich Mensch und Maschine besser verstehen
04.09.2017 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mikroben hinterlassen "Fingerabdrücke" auf Mars-Gestein

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vorhersagen bestätigt: Schwere Elemente bei Neutronensternverschmelzungen nachgewiesen

17.10.2017 | Physik Astronomie

Kaiserschnitt-Risiko ist vererbbar

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie