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Internet-Forscher gründen interdisziplinäres Zentrum

08.04.2011
In der Fachwelt hat sich die „Internet Science“ als interdisziplinärer Bereich aus Informatik und Sozialwissenschaften etabliert. Auch Informatiker, Psychologen und Juristen der Uni Würzburg haben sich in einem Zentrum für Internet-Forschung zusammengetan.

Im Würzburger Zentrum für Internet-Forschung befassen sich die Wissenschaftler unter anderem mit der Architektur des Internet, mit sozialen Netzen und innovativen Web 2.0-Anwendungen. Sie arbeiten zum Beispiel an interaktiven Landkarten fürs Internet oder am Ausbau des BibSonomy-Systems: Damit können Nutzer, die ähnliche Interessen haben, in einer Webdatenbank gemeinschaftlich Bookmarks und Texte verwalten oder sich gegenseitig Literaturtipps geben.

Cloud-Technologien: Weltweite Rechner-Wolken

Zur Speicherung und Verarbeitung der riesigen Datenmengen im Internet eignen sich so genannte Cloud Technologien: Weltweit sollen sich dabei Rechner zu leistungsfähigen „Servicewolken“ zusammenschließen. Doch vor deren Realisierung sind noch technische Hürden zu meistern, und auch damit befassen sich die Würzburger Forscher. Durch die weltweite Vernetzung der Rechner entstehen zudem staatenübergreifende juristische Probleme wie die Frage, welche Gesetze bei rechtlichen Konfliktfällen geltend gemacht werden können.

Weitere Themen im Zentrum sind Internet-Kriminalität und rechtliche Grundlagen für das zukünftige Internet, Methodik und Gestaltungsvarianten von Online-Studien, Wissensbanken für Informationssysteme, Künstliche Intelligenz und Data Mining. Bei Letzterem geht es darum, wie man große Datenbestände systematisch und möglichst effektiv auswerten kann – das ist beispielsweise für das Marketing von Unternehmen interessant.

Crowdsourcing: Viele Menschen lösen eine Aufgabe

Ein Beispiel für viele innovative Web-Anwendungen, die im Würzburger Forschungszentrum untersucht werden, ist das Crowdsourcing. Dabei wirken viele Menschen per Internet an der Lösung von Aufgaben mit, die ein Computer nicht bewältigen könnte.

Crowdsourcing betreibt zum Beispiel die Firma Google. Wann immer jemand ein Bild ins Internet lädt, so will die Firma es über ihre Suchmaschine auffindbar machen. Dazu braucht sie eine Beschreibung des Bildmotivs. Weil sich diese Aufgabe nicht per Computer lösen lässt, bittet die Firma ihre Nutzer um Hilfe, und zwar in Form eines Spiels. Das funktioniert: Die Leute arbeiten mit, weil ihnen das Spiel Spaß macht.

Nicht Spaß, sondern geringe Geldbeträge gibt es auf der Internet-Plattform Microworkers als Bezahlung. Dort werden kleine Jobs vermittelt, die sich übers Internet erledigen lassen. Beispielsweise geht es darum, Kommentare für Firmen über deren Produkte zu schreiben oder Ideen zur Produktverbesserung zu finden, wie dies BMW oder IBM bereits tun.

Auch beim Crowdsourcing können sich rechtliche Schwierigkeiten ergeben, die beim Betrieb und der Nutzung solcher Internet-Plattformen zu berücksichtigen sind. Das wäre zum Beispiel dann der Fall, wenn ein „Arbeiter“ seine Ideen gleichzeitig auf mehreren Plattformen zur Verfügung stellt.

Unsaubere Arbeit automatisch erkennen

Beim Crowdsourcing tritt ein Problem auf, das auch von Online-Umfragen bekannt ist: Manche Nutzer arbeiten schlampig. Darum tüfteln Würzburger Informatiker und Psychologen an Mechanismen, mit denen sich unsauber erledigte Arbeiten automatisch erkennen lassen.

Das geht zum Teil relativ einfach: „Man fragt die Nutzer vor der Aufgabe, auf welchem Kontinent sie leben, und nach der Aufgabe, in welcher Stadt sie wohnen. Stimmen die Antworten nicht überein, darf die Arbeitsqualität bezweifelt werden“, erklärt Informatiker Tobias Hoßfeld. In anderen Fällen sind aufwändigere Verfahren nötig, etwa um die Qualität eines Kommentars zu beurteilen – oder die vom Nutzer empfundene Qualität bei der Übertragung von YouTube-Videos übers Internet.

Mit welchen Methoden sich welchen Fällen von „schlampigem Arbeiten“ am besten begegnen lässt – auch das wollen die Würzburger Wissenschaftler in ihrem Zentrum für Internet-Forschung herausfinden.

Mitglieder des Zentrums für Internet-Forschung

Folgende Wissenschaftler sind bislang am Zentrum für Internet-Forschung (Internet Research Center, IRC) der Universität Würzburg beteiligt, das Ende Dezember 2010 gegründet wurde:

Informatik: die Professoren Andreas Hotho, Frank Puppe, Dietmar Seipel, Phuoc Tran-Gia (Sprecher des Zentrums) und Alexander Wolff; außerdem Jan Haunert, Tobias Hoßfeld, Rastin Pries und Dirk Staehle.

Psychologie: Professorin Anja Göritz und Professor Hans-Peter Krüger

Jura: Professor Eric Hilgendorf

Sprecher des Zentrums für Internet-Forschung ist Professor Phuoc Tran-Gia, ein Experte für die Architektur des Internet. Auf diesem Gebiet ist der Informatiker seit Jahren in nationalen und internationalen Forschungsverbünden vertreten. Unter anderem koordiniert er das vom Bundesforschungsministerium mit mehreren Millionen Euro unterstützte Projekt German-Lab. Auch im Eliteprogramm EuroNF (Network of the Future), das von der Europäischen Union gefördert wird, ist seine Gruppe vertreten.

Ziel: Würzburger Internet-Forscher vernetzen

Das Zentrum für Internet-Forschung will alle Wissenschaftler, die an der Universität Würzburg über Internet-Themen arbeiten, miteinander vernetzen und neue Forschungs- und Entwicklungsprojekte auf den Weg bringen. Auch die Beteiligung der Würzburger Internet-Experten an überregionalen und internationalen Kooperationen will das Zentrum fördern.

Kontakt

Prof. Dr. Phuoc Tran-Gia, Sprecher des Zentrums für Internet-Forschung der Universität Würzburg, T (0931) 31-86630, trangia@informatik.uni-wuerzburg.de

Dr. Tobias Hoßfeld, Ansprechpartner, T (0931) 31-86641, hossfeld@informatik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | Uni Würzburg
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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