Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Interdisziplinäre Suche nach besseren Strategien gegen chronische Nierenerkrankungen

25.06.2010
Bessere Methoden für die Prävention, Diagnostik und Behandlung von chronischen Nierenleiden – das ist das Ziel von 25 Forschergruppen aus 15 Ländern, die im Januar 2010 ein großes integriertes Forschungsprojekt der EU starteten: SysKid.

Die enge Verzahnung von Grundlagen- und angewandter Forschung, die Methoden der Systembiologie sowie ein professionelles Projektmanagement machten SysKid schnell zu einem europäischen Vorzeigeprojekt. SysKid wurde jetzt als »Erfolgsstory« bei einem Informationstag der Europäischen Kommission zum 7. Rahmenprogramm in Brüssel vorgestellt.

Auch auf dem Europäischen Nierenkongress (25.-28.06.2010, München), präsentieren SysKid-Forscher ihr Projekt.

Chronische Nierenerkrankungen gehören zu den »stillen« Leiden. In Europa sind etwa zehn Prozent der Bevölkerung betroffen. Zumeist ist die Nierenschwäche die Folge von Diabetes und Bluthochdruck. Experten sind sich einig, dass Prävention, Früherkennung und Therapie dieser Erkrankung verbessert werden müssen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist einerseits ein besseres Verständnis der pathologischen Prozesse, die eine chronische Nierenschwäche verursachen. Andererseits gilt es, solche Einsichten in Methoden umzumünzen, die Ärzten neue Optionen für die Diagnostik und Therapie an die Hand geben.

Neue Erkenntnisse über die Krankheitsmechanismen gewinnen und diese zum Nutzen der Patienten in klinische Strategien umsetzen – das wollen jene Forschergruppen leisten, die sich im EU-Forschungsprojekt SysKid zusammengeschlossen haben. »Wir setzen auf die modernen Methoden der Systembiologie und auf die enge Zusammenarbeit von Wissenschaftlern an Universitätskliniken und Forschungsinstituten mit Pharma- und Biotech-Firmen«, sagt Dr. Bernd Mayer, geschäftsführender Partner der F&E-Firma emergentec biodevelopment GmbH, Wien, der das Projekt koordiniert. Auch Patientenorganisationen sind in das Projekt eingebunden.

Aufgrund seines Forschungsansatzes und seiner integrierten Struktur wurde das gerade einmal fünf Monate junge Forschungsprojekt auf einer Veranstaltung der Europäischen Kommission zum 7. Rahmenprogramm der Gesundheitsforschung unlängst als »Erfolgsstory« präsentiert.

Mit Systembiologie komplexe Prozesse entschlüsseln

»Je besser wir die Krankheitsprozesse auf genomischer, molekularer und zellulärer Ebene verstehen«, argumentiert Mayer, »desto eher eröffnen sich auch Ansätze und Angriffspunkte für neue Therapien.«

Unter anderem setzen die Forscher auf jene unter dem Begriff der »Omics« zusammengefassten Forschungsrichtungen: »Genomics«, die Untersuchungen der Erbinformation, »Transkriptomics«, die Untersuchung der derzeit aktivierten Erbinformation, »Proteomics«, die Erforschung der Gesamtheit der Eiweißstoffe und »Metabolomics«, die Untersuchung von Stoffwechselprodukten. Diese Erkenntnisse werden verknüpft mit den Ergebnissen von Untersuchungen an Modellsystemen der Erkrankungen sowie mit den Resultaten klinisch-diagnostischer Untersuchungen von Patienten und epidemiologischen Daten. Die Forscher wollen so ein möglichst vollständiges Bild der komplexen und dynamischen Prozesse auf allen Ebenen der Nieren erhalten. »Das verstehen wir unter Systembiologie«, erklärt Mayer. Es gilt, das System Niere als Ganzes zu verstehen.

»Omics« in der Nephrologie

Im Rahmen des europäischen Nierenkongresses geben SysKid-Forscher in einem Pre-Congress-Symposium am 25. Juni 2010 einen Überblick über den Status der »Omics« in der Nephrologie.

SysKid: Darum geht es

»Wir müssen Patienten mit einem erhöhten Risiko für chronische Nierenerkrankungen zukünftig früher diagnostizieren und behandeln.« So beschreibt Professor Gert Mayer von der Medizinischen Universität Innsbruck eine der großen Herausforderungen der Medizin. »Denn wir wissen inzwischen aufgrund neuer Studien, dass eine Therapie in frühen Stadien das Fortschreiten der Erkrankung zumindest bremsen und den Patienten oft auch die Dialyse oder die Transplantation ersparen kann«, ergänzt Professor Rainer Oberbauer von der Medizinischen Universität Wien. »Wir können es uns angesichts der Zunahme dieser Leiden nicht länger leisten, mit der Behandlung zu warten, bis sich die Patienten im Endstadium befinden«, betont Professor Dick de Zeeuw von der Universität Groningen, »wir brauchen effiziente Programme zur Früherkennung und Frühbehandlung.«

Über SysKid

SysKid ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt: Mediziner, Statistiker, Epidemiologen, Molekularbiologen und Bioinformatiker von Universitätskliniken, Forschungsinstituten und Biotech-Unternehmen arbeiten zusammen. Dem Konsortium gehören 25 Forschergruppen aus 15 Ländern an: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Israel, Italien, Niederlande, Österreich, Polen, Schweiz, Spanien, Ungarn und USA. Das Forschungsprojekt hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Es wird von der Europäischen Union mit 11,8 Millionen Euro aus dem Rahmenprogramm 7 (FP7) gefördert, das gesamte Projektvolumen beträgt rund 16 Millionen Euro.

Pressestelle: Barbara Ritzert · ProScience Communications GmbH ·
Andechser Weg 17 · 82343 Pöcking · Fon: +49 (08)157 9397-0 · Fax: +49 (08)157 9397-97 · ritzert@proscience-com.de

Während der Tagung · Mobil:+49 172 8623636 oder +49 151 12043311 · media@syskid.eu · www.syskid.eu

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.syskid.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Placebo-Effekt hilft nach Herzoperationen
11.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie

Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa

16.01.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz