Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovationsförderung zur Regionalentwicklung nur bedingt geeignet

12.05.2014

Ein interdisziplinäres Wissenschaftler-Team des Leibniz-Instituts für Regio-nalentwicklung und Strukturplanung (IRS) hat im Rahmen eines Forschungsprojekts der Abteilung „Dynamiken von Wirtschaftsräumen“ den Zusammenhang von Innovationsförderung und Regionalentwicklung untersucht.

Sie haben zeitlichen und räumlichen „Biographien“ von Innovationen aus den Branchen Rechtsberatung und Biotechnologie nachvollzogen und festgestellt, dass die Innovationsprozesse hochmobil sind und in räumlich verteilten Netzwerken ablaufen. Innovationsförderung in territorialen Grenzen als Beitrag zur regionalen wirtschaftlichen Entwicklung zu betreiben, greife zu kurz, so Projektleiter Prof. Dr. Oliver Ibert.


Der Technologiepark Dortmund ist ein Beispiel für territorial fixierte Innovationsförderung. Diese allein reicht nicht aus, um von Innovationen im Sinne der Regionalentwicklung zu profitieren.

Copyright: Kellermann/Wikimedia Commons

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sind jüngst im Buch „Produktive Differenzen. Eine dynamische Netzwerkanalyse von Innovationsprozessen“ (transcript Verlag, ISBN 978-3-8376-2699-5) publiziert worden.

Ibert und sein Wissenschaftlerteam forschen seit langem zu Innovationen und Wissen aus räumlicher Perspektive. Sie stellten fest, dass bisher dominante Forschungsansätze zu Wissensclustern und kreativen Milieus zu stark an Strukturen und Territorien orientiert sind. Die raumzeitliche Dynamik des Innovationsprozesses – von der ersten Idee bis zum marktreifen Produkt – kann von Studien, die auf Raumeinheiten fokussieren, jedoch nur unzureichend abgebildet werden.

Die Wissenschaftler haben sich daher für einen Prozessansatz entschieden und sieben Fallstudien in Form von „Innovationsbiographien“ erhoben. Die Entwicklung der Innovation wird dabei im Detail rekonstruiert, wobei die Veränderungen in der Qualität und Struktur der Netzwerkbeziehungen der beteiligten Akteure im Fokus stehen. Aus den Fallstudien leiteten die Forscher ein Phasenmodell ab, das die Dynamik der Innovationsnetzwerke in Raum und Zeit widerspiegelt.

„Wir hatten schon früh den Verdacht, dass der Ansatz, Innovationen als regionale Phänomene zu begreifen, eine zu starke räumliche Fixierung darstellt. Daher haben wir uns in unseren Forschungen auf den Prozess selber konzentriert und den Umgang mit Nähe und Distanz währenddessen.“, erläutert Ibert.

„So konnten wir sehen, dass räumliche Nähe für einige Abschnitte einer Innovationsentwicklung zwar Bedeutung hat – insbesondere zu Beginn des Prozesses sind es oft zufällige Anregungen aus dem regionalen Milieu, die Akteure auf unternehmerische Gelegenheiten aufmerksam machen. “

Am Markt gut zirkulierbare Güter und Dienstleistungen müssen sich jedoch von den Ursprungsorten der zugrundliegenden Ideen ablösen können. Im Zuge dessen werden Netzwerkbeziehungen über räumliche Distanz immer wichtiger, je näher die Entwicklung zur Markreife kommt.

Da Innovation als Ergebnisse räumlich verteilter und mobiler Prozess verstanden werden sollten, regen die Wissenschaftler eine differenziertere Sichtweise bei der Nutzung von Innovationsförderung für die Regionalentwicklung an. „Erstens sollten die Logiken von Innovation und territorialer Entwicklung als jeweils eigenlogisch verstanden werden“, sagt Ibert. „Ihr Verhältnis ist somit potenziell konflikthaft.“

So ist es beispielsweise keineswegs gesichert, dass Regionen, in denen Ideen geboren werden hinterher auch die Regionen sind, in denen die Innovationen Wertschöpfung erzeugen und Arbeitsplätze bieten. Zweitens, sollte eine auf Innovationsförderung setzende Regionalpolitik zwar endogene Potentiale entwickeln, dabei aber nicht versäumen, die Region auch nach außen zu öffnen und sich in globalen Wissensnetzwerken zu positionieren.

Chancen ergeben sich nach Ansicht der Forscher dort, wo es die Regionalpolitik schafft, für Teile des Innovationsprozesses ein fruchtbares Umfeld bereitzustellen und besonders in späten, ökonomisch ertragreichen Phasen der Innovation ein Teil der raumumspannenden Netzwerke zu sein.

Kontakt:

Prof. Dr. Oliver Ibert
Leiter der Forschungsabteilung „Dynamiken von Wirt-schaftsräumen“ des IRS
Tel: 03362/793-152
Mail: ibert@irs-net.de

Weitere Informationen:

http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-2699-5/Produktive-Differenzen Das Buch "Produktive Differenzen" auf den Webseiten des transcript-Verlags

Jan Zwilling | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Fake News finden und bekämpfen
17.08.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Neues interdisziplinäres Zentrum für Physik und Medizin in Erlangen
25.07.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten