Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschung für das Landleben

10.09.2012
Das praktische Leben in kleinen Orten und Dörfern gestaltet sich zunehmend schwieriger: Läden schließen, Busverbindungen werden reduziert, Dorfkneipen werden spärlicher. Forscher der Hochschule Rhein-Waal erarbeiten nun konkrete Lösungsvorschläge, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken – zunächst beispielhaft am niederrheinischen Dorf Grieth.
Das gute alte Landleben hat es zusehends schwerer: Wo früher die Post, der „Tante-Emma“-Laden und die Bank waren, gibt es nun oftmals nur noch leere Räume. Viele Dorfkneipen schließen ebenfalls, Busse fahren seltener. Für die Bewohner heißt das: Besorgungen, die sie bisher zu Fuß machen konnten, erfordern nun die Fahrt mit dem Auto. Zudem fallen mit den Läden auch Treffpunkte des Ortes weg, an denen der ein oder andere Plausch gehalten wurde. Häufig bleibt nur das aktive Vereinsleben, um das Dorf lebendig zu halten.

Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen der Hochschule Rhein-Waal stellen sich im Projekt „Smart Villages - Lösungen zur Zukunftsfähigkeit des Landlebens“ diesen gesellschaftlichen Herausforderungen. Im Förderwettbewerb des Landes für die NRW-Fachhochschulen erhielten sie dafür vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen 240 000 Euro. „Mit diesem Fördergeld wollen wir den Forschungsschwerpunkt Smart Villages in der Hochschule aufbauen und festigen, um gemeinsam praktikable Lösungen zu entwickeln“, sagt Prof. Dr.-Ing. Rolf Becker, der Sprecher des Projekts an der Hochschule Rhein-Waal.
Beispieldorf Grieth

Diese Lösungen erarbeiten die Wissenschaftler zunächst am Beispiel des niederrheinischen Dorfes Grieth – um sie später auch auf andere Orte zu übertragen. Denn Grieth ist mit seiner Struktur und seinen Problemen typisch für den nördlichen Niederrhein und besitzt daher Modellcharakter. Während an schönen Sommerwochenenden Touristen aus dem Ruhrgebiet auf der Rheinpromenade die Sonne genießen, sind die engen Gässchen und der Marktplatz ohne Geschäfte unter der Woche oft wenig belebt. Die letzte „Dorfkneipe“ wurde im letzten Jahr geschlossen. Es gibt nur ein Ausflugsrestaurant, das sich vor allem auf Touristen konzentriert sowie ein Hotel. Feste Einkaufsmöglichkeiten gibt es nicht mehr.
Die Forscher stellen die Menschen in den Mittelpunkt: „Gemeinsam mit den Griether Bürgern und der Stadt erarbeiten wir mögliche Zukunftskonzepte. Um eine Anlaufstelle zu bieten und einen Ausgangspunkt für Aktivitäten zu schaffen, richten wir für eine begrenzte Zeit ein Projektbüro im Dorf ein“, erläutert Becker. Ein Bürger-Wiki, Diskussionsforen, Online-Fragebögen, Newsletter, E-Mail-Verteiler und Social Networks sollen den Austausch unterstützen.

Dorfladen, Mitfahrzentrale und Bank in Einem

Eine der verschiedenen Lösungen könnte ein Dorfladen sein – allerdings kein typischer, sondern einer, der gleichzeitig Post, Bank, Mitfahrzentrale, Sozialstation und ein gemütliches, betreutes Internetcafé sein könnte. Hier können sich die Bürger treffen, soziale Kontakte pflegen und Informationen austauschen. Die Forscher entwickeln verschiedene alternative Konzepte, die sie in einem weiteren Schritt analysieren und bewerten. Ist es sinnvoll, alle Waren im Lager zu bevorraten? Oder sollte der Laden eher eine logistische Drehscheibe sein, der die Grundnahrungsmittel von den regionalen Höfen anbietet? Ist es sinnvoll, über ein Internetportal und persönliche Gespräche Nachfragen zu bündeln – beispielsweise bei entsprechendem Bedarf einen Physiotherapeuten für die Behandlungen ins Dorf zu holen? Auch die Leitung des Altersheims hat tatkräftige Hilfe bei der Initiative zugesagt.

Mobilität

Auch die Verbindungen durch den öffentlichen Nahverkehr wollen die Wissenschaftler verbessern. Bislang fahren die Busse so selten, dass die Linien kaum genutzt werden. Ein „Regiotaxi“ könnte das stundenlange Warten künftig überflüssig machen und die Attraktivität des Nahverkehrs steigern. Weitere Lösungen sind Car-Sharing oder Mitfahrzentralen mit neuen Konzepten. In einer späteren Projektphase wollen die Wissenschaftler auch die Themen Energie, Tourismus und e-Mobilität, Senioren-WG, Studentisches Wohnen und Breitbandversorgung bearbeiten.

Unabhängig von der Hochschule hat die Stadtverwaltung Kalkar ein Regionalplanungsbüro beauftragt, das unter anderem die Aufgabe hat, sich dem Ort Grieth zu widmen. „Eine optimale Situation, um Synergien zu schaffen“, findet Becker, „zwischen der Stadt Kalkar, den engagierten Griether Bürgern und der Hochschule Rhein-Waal.“

Christin Hasken | idw
Weitere Informationen:
http://www.hochschule-rhein-waal.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Speiseröhrenkrebs einfacher erkennen
06.03.2017 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Neues Labor für die Aufbautechnik von ultradünnen Mikrosystemen
21.02.2017 | Hahn-Schickard

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE