Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elektrospinnverfahren könnte Organe reproduzieren

23.08.2013
Spinnennetze als Vorbild - Strom von Zellen in Kombination mit Polymer

Das University College London hat damit begonnen, menschliche Körperteile mit ähnlichen Verfahren herzustellen wie die Spinnen ihr Netz. Das Team um Suwan Jayasinghe nutzte einen Strom von Zellen in Kombination mit einem Polymer, um neues Gewebe entstehen zu lassen. Mit diesem Verfahren könnten bald bessere Ergebnisse erzielt werden, als bestehende Techniken derzeit leisten.

Beliebige Strukturen herstellbar

Das Team testete das Verfahren durch die Herstellung von Blutgefäßen bei Mäusen. Es gibt bereits eine ganze Reihe von Methoden, die eingesetzt werden, um Organe im Labor herzustellen. Einige gehen von einem synthetischen Gerüst aus, das mit den eigenen Zellen des Patienten besiedelt und dann eingesetzt wird. Es gibt bereits Patienten, die mit Hilfe dieses Verfahrens neue Blasen erhalten haben.

Ein anderes Verfahren beruht wie bei einer Organtransplantation auf der Entnahme von Organen Verstorbener. Mit Hilfe von Reinigungsmitteln werden sie von den eigenen Zellen befreit und nur das Proteingerüst bleibt übrig. Dieses Gerüst wird in der Folge mit körpereigenen Zellen ausgestattet. So sind bereits neue Luftröhren hergestellt worden.

Für die aktuelle Studie wurde ein Elektrospinnverfahren eingesetzt. Damit sollen einige der Probleme durch die Ausstattung eines Gerüsts mit Zellen überwunden werden. Am Anfang steht ein Gemisch aus Zellen und Polymeren. Eine elektrische Nadel mit 10.000 Volt wird dann eingesetzt, um eine Faser herauszuziehen. Laut Jayasinghe ist es bereits gelungen, wie Spinnen eine Art von Netz herzustellen. "Wir können es so dick wie eine Matratze werden lassen und die Zellen werden entsprechend eingebettet sein."

Weitere Forschungsarbeit nötig

Das Elektrospinnverfahren wurde bereits eingesetzt, um Blutgefäße herzustellen. Dabei wurden die Fasern kreuzweise auf einem rotierenden Zylinder positioniert, der halb in einer Flüssigkeit eingetaucht war, um die lebenden Zellen zu ernähren. Die in Small veröffentlichte Studie http://bit.ly/bO0rNP zeigt, dass Blutgefäße bei Mäusen mit drei verschiedenen Schichten hergestellt werden können. Jayasinghe zufolge gibt es aktuell keine Technologie, mit der ein Organ hergestellt werden kann. "Wir arbeiten derzeit an Verfahren, die ein defektes Organ wiederherstellen können und nicht daran ein Organ zu ersetzen."

Die Idee dahinter ist, dass ein Teil eines Herzmuskels die Organfunktion nach einem Herzinfarkt verbessern könnte. Das Elektrospinnverfahren steht jedoch erst am Anfang. Andere Verfahren zur Herstellung von Körperteilen werden bereits zur Behandlung von Patienten eingesetzt. Erste Erfolge sind bereits erkennbar. "Ich glaube aber nicht, dass es so einfach sein wird, wie es sich manche Menschen vorstellen und ich glaube auch nicht, dass wir eine einfache Arbeit vor uns haben", unterstreicht Jayasinghe abschließend.

Michaela Monschein | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.ucl.ac.uk

Weitere Berichte zu: Blutgefäß Elektrospinnverfahren Faser Gerüst Organ Polymere Spinne

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Speiseröhrenkrebs einfacher erkennen
06.03.2017 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Neues Labor für die Aufbautechnik von ultradünnen Mikrosystemen
21.02.2017 | Hahn-Schickard

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten