Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Computer lehrt Kinder Gebärden

16.10.2009
Automatische Gestenerkennung als Kernproblem

Ein Team von Doktoranden an der Technischen Universität (TU) Delft hat ein Computersystem entwickelt, das gehörlosen oder schwerhörigen Kindern beim Erlernen der Gebärdensprache hilft.

Dazu werden die Kinder unter anderem gebeten, zu Bildern die jeweils passende Geste zu machen. Das Kernproblem bei der Entwicklung des "Electronic Learning Environment" (ELo) war die computerisierte Gebärdenerkennung in Verbindung mit der Beurteilung, ob ein Kind wirklich die richtigen Zeichen genutzt hat. Bei dem Projekt wurde darauf geachtet, kein besonders kostspieliges Spezialequipment zu nutzen.

"Man darf schließlich nicht erwarten, dass Schulen, die an solchen Systemen interessiert sein könnten, in Supercomputer oder teure Kameras investieren", meint der auf Mensch-Maschine-Interaktion spezialisierte Industriedesigner Jeroen Arendsen gegenüber pressetext.

Die Idee hinter ELo ist einfach. Am Bildschirm wird ein Bild gezeigt und das lernende Kind soll die entsprechende Gebärde machen. Der Computer erkennt, ob die Aufgabe korrekt bewältigt wurde. Da bekannt ist, welche Geste gemacht werden soll, kann die nötige Erkennung theoretisch relativ einfach gehalten werden. "Doch die ELo-Anwendung ist mit speziellen Problemen konfrontiert, unter anderem, weil sie für sehr junge Kinder gedacht ist", sagt Arendsen. Beispielsweise können keine farbigen Handschuhe zum Einsatz kommen, da man die Kinder nicht dazu zwingen will, sie zu tragen. "Auch werden Kinder leicht abgelenkt, sodass die Gebärdenerkennung blitzschnell sein muss", so der Industriedesigner. Die in vielen Systemen auftretenden Zeitverzögerungen könne man sich daher nicht leisten. Arendsen betont auch, dass der Computer durch unnötiges Gezappel leichter irritiert wird als ein Mensch.

Neben der Erkennung an sich war auch die Beurteilung, ob ein Kind die richtige Geste gemacht hat, eine Hürde. "Wir haben festgestellt, dass noch weitgehend unbekannt ist, wie Menschen die Richtigkeit von Gebärden beurteilen", erklärt Arendsen. Er hat sich besonders ausgiebig diesem menschlichen Aspekt des Projekts gewidmet, bei dem er mit dem Elektrotechniker Jeroen Lichtenauer und der auf künstliche Intelligenz spezialisierten Gineke ten Holt zusammengearbeitet hat. In Kooperation mit der Niederländischen Stiftung für gehörlose und hörbehinderte Kinder (NSDSK) konnten sie nicht nur das Lehrsystem entwickeln, sondern auch nachweisen, dass Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren tatsächlich schneller die Gebärdensprache erlernen können. "Ich denke, dass auch Kinder von sieben bis etwa zehn profitieren könnten, solange sie das Gefühl haben, neue Gebärden zu lernen", meint Arendsen.

Grundsätzlich ist ELo dazu gedacht, mit relativ günstiger Hardware auszukommen. Billigste Webcams reichen zwar nicht aus, doch Kameras um einige hundert Euro genügen. Zielgruppe für die Anwendung sind vor allem Schulen und möglicherweise auch Haushalte computer-orientierter Eltern mit etwas Finanzkraft, so Arendsen. "Vermutlich könnten die Technologie und Usability noch verbessert werden, um sie einem größeren Publikum zugänglich zu machen", meint er ferner. Eine Anpassung an die Eigenheiten der Gebärdensprachen in verschiedenen Ländern sei wohl relativ leicht möglich. Ob oder wann ELo tatsächlich zum Einsatz kommt, hänge aber noch von finanziellen und organisatorischen Faktoren ab.

Thomas Pichler | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.tudelft.nl

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf
20.04.2018 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht Bionik-Forschungsvorhaben untersucht mechanische Eigenschaften von Außenskeletten
26.03.2018 | Hochschule Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Verleihung GreenTec Awards 2018 – Kategorie »Energie« am 24. April 2018 auf der Hannover Messe

23.04.2018 | Förderungen Preise

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics