Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit neuem Minensuchradar in Afrika

03.05.2002


Wissenschaftler der TU Ilmenau koordinieren zwei Minensuch-Projekte der Europäischen Union im südlichen Afrika. Eingesetzt wird eine in Ilmenau entwickelte Ultrabreitband-Radarelektronik für ein Georadar, das auch nichtmetallische Minen aufspüren soll.



Genaue Zahlen kennt niemand, aber weltweit wird die Zahl der ausgestreuten Anti-Personen-Minen (anti-personal land mines APL) auf 127 Millionen geschätzt. Die Suche nach diesen Minen ist aufwändig und gefährlich, weil sie wenig oder gar kein Metall enthalten und Metalldetektoren daher häufig oder vollständig versagen.



Bei Metalldetektoren geht man beispielsweise von einer mittleren Falschalarmrate von bis zu 1:1000 aus. Das bedeutet: Ein Minensucher muss ca. 1000 Metallsplitter, Nägel, eisenhaltige Steine, Coladosen usw. mit äußerster Sorgfalt ausgraben, bis er eine Mine findet. Es gibt Minensucher, die nie eine Mine gefunden haben. Die Europäischen Union unterstützt deshalb seit einigen Jahren Forschungsvorhaben zur Entwicklung neuer Verfahren zur Minensuche.

Das Georadar ist ein solches Verfahren, mit dem versucht wird, auch nichtmetallische Minen zu finden. Das Fachgebiet "Elektronische Messtechnik" der TU Ilmenau ist Koordinator von zwei EU-Projekten mit den Bezeichnungen DEMINE und DEMAND.
Im Rahmen dieser Projekte werden neuartige Georadargeräte entwickelt und mit Metalldetektoren und Biosensoren über eine Datenfusion kombiniert. Durch die gemeinsamen Forschungen entstanden enge Kooperationen zu Hightech-Unternehmen und Instituten aus Schweden, Großbritannien, Belgien, Österreich, Italien, Spanien und vor allem auch zu Thüringer Unternehmen. Ebenso sind praktisch tätige Minensucher an den Projekten beteiligt, so die in Mocambique, Namibia und Angola aktive deutsche Organisation MgM - Menschen gegen Minen. Dank MgM war es den Ilmenauer Wissenschaftlern möglich, sich bereits zu Projektbeginn mit den Bedingungen der Minensuche vor Ort vertraut zu machen und zu erkunden, unter welchen Bedingungen das zu entwickelnde Hightech-Gerät seinen Einsatz finden soll.

Die von der TU Ilmenau in den Projekten zu bearbeitende wissenschaftlich-technische Aufgabenstellung besteht in der Erforschung und Entwicklung einer neuen Ultrabreitband-Radarelektronik für Georadar. Diese Arbeiten erfolgten in enger Kooperation mit der Firma MEODAT GmbH Ilmenau. Das entwickelte Georadar ist ein hochauflösendes Nahbereichsradar, das elektromagnetische Wellen mit einigen GHz-Bandbreiten in den Boden sendet, die reflektiert werden, wenn dort Objekte vergraben sind. Auf diese Weise wird es möglich, das Erdreich nach Minen oder anderen Dingen zu durchforsten.

Die entwickelte Radarelektronik basiert auf einem neuen Prinzip, das erstmalig erlaubt, ganze Messsysteme mit extremen Bandbreiten von mehreren GHz in Halbleiterchips zu integrieren. Bisher gab es dafür nur technisch unzureichende Lösungen bzw. unhandliche und teure Laborgeräte. Das neue Verfahren bringt nicht nur Vorteile für ein Minensuchradar, sondern eröffnet die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Nutzung vieler neue Sensorprinzipien. Beispiele dafür sind die Mikrowellenbilderfassung, die Impedanzspektroskopie für Medizin- und Biotechnik oder Materialuntersuchungen, die Anwendung in Überwachungs- und Positioniersystemen und vieles mehr. Aber auch die Kommunikationstechnik entdeckt die Vorteile der Ultrabreitbandtechnik, was in nationalen wie internationalen Forschungsaktivitäten zum Ausdruck kommt. Aufgrund der Erfahrungen mit dieser Technik besitzen die TU Ilmenau und die MEODAT GmbH hier eine exponierte Stellung.
Mit dem "DEMINE-Projekt" trat die TU Ilmenau erstmals als Koordinator eines EU-Projektes auf. Auch die Koordination des zweiten EU-Projektes "DEMAND" wurde der Ilmenauer Universität übertragen.

Kontakt/Information:
TU Ilmenau
Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik
Fachgebiet Elektronische Messtechnik
Dr.-Ing. Jürgen Sachs
Tel. 03677-69 26 23
e-mail: juergen.sachs@tu-ilmenau.de

Wilfried Nax M.A. | idw

Weitere Berichte zu: Georadar MINE Metalldetektor Minensucher Minensuchradar

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Placebo-Effekt hilft nach Herzoperationen
11.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise