Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn die Höhe krank macht

30.04.2002


Margherita-Hütte am Monte Rosa-Massiv


Entstehung des Höhenlungenödems geklärt / Veröffentlichung im "Journal of the American Medical Association"


Wer rasch große Höhen erklimmt, riskiert eine akute Höhenkrankheit. Dazu kann auch die Entwicklung eines Lungenödems gehören: Wasser sammelt sich in der Lunge, der ohnehin knappe Sauerstoff in der Höhenluft gelangt nicht mehr ausreichend ins Blut. Nur umgehender Abstieg, Sauerstoffzufuhr und Senkung des Blutdruckes können die Katastrophe verhindern. Ohne Behandlung sterben etwa die Hälfte der Betroffenen.

Professor Dr. Peter Baertsch, Ärztlicher Direktor der Abteilung Sport- und Leistungsmedizin am Heidelberger Universitätsklinikum, und seine Arbeitsgruppe haben nun geklärt, welcher Mechanismus dem Lungenödem zugrunde liegt, gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Zürich und Seattle. Die Arbeit erscheint in der aktuellen Ausgabe des "Journals of the American Medical Association" (JAMA) vom 1. Mai 2002 (www.jama.com). Wasser sammelt sich in der Lunge, weil der Körper auf den akuten Sauerstoffmangel oberhalb von 3.500 Metern reagiert: Die Blutgefässe sind stark verengt, der Blutdruck in der Lunge steigt an, während äußere Luftdruck abnimmt. Die feinen Blutgefäße, von denen die Lungenbläschen umgeben sind, werden durch den starken Druck von innen leck: Flüssigkeit wird in das Innere der Bläschen gepresst.


Mit seiner Studie hat Professor Baertsch auch die lang gehegte Vermutung ausgeräumt, dass eine der Ursachen für das Lungenödem in großer Höhe entzündliche Reaktionen in der Lunge sind. Seine Untersuchungen nahm der Höhenmediziner im Monta-Rosa-Massiv vor, dessen Gipfelhütte Margherita eine höhenmedizinisches Labor beherbergt. Zehn Bergsteiger, die zum Höhenödem neigen, und sechs nicht vorbelastete Personen wurden jeweils bei 450 Metern und auf dem Gipfel bei 4.600 Metern auf Herz- und Lungenfunktion gecheckt. In niedriger Höhe konnten keine Veränderungen festgestellt werden. Bei Studienteilnehmern, die nach 24 Stunden auf dem Gipfel ein Ödem entwickelten, fanden sich rote Blutkörperchen und große Eiweißmoleküle in der Ödemflüssigkeit, dagegen keine weißen Blutzellen oder andere Anzeichen einer Entzündung. "Nun verstehen wir auch, warum Cortison, das Entzündungsreaktionen hemmt, bei der Behandlung des Höhenlungenödems keine Wirkung hat", sagt Baertsch.

Etwa sechs Prozent der Bevölkerung bekommt eine akute Höhenkrankheit, wenn sie sehr schnell über 3.000 Meter aufsteigen. Wer betroffen ist, lässt sich nicht vorhersagen. "Selbst im Hochdrucklabor, wo wir die äußeren Bedingungen großer Höhen exakt simulieren können, kann eine Anfälligkeit nicht sicher festgestellt werden", sagt Baertsch. Vor Höhenkrankheit ist niemand geschützt, auch Ausdauertrainierte und langjährige Bergsteiger können betroffen sein. "Schützen kann eine langsame Anpassung an die Höhe, also etwa 500 Meter Aufstieg pro Tag", empfiehlt Baertsch. Treten Alarmzeichen wie Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit und Konzentrationsstörungen auf, sollte der Abstieg angetreten werden.

Dr. Annette Tuffs | idw

Weitere Berichte zu: Bergsteiger Höhenkrankheit Lunge Lungenödem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Labor für die Aufbautechnik von ultradünnen Mikrosystemen
21.02.2017 | Hahn-Schickard

nachricht 36 Forschungsprojekte zu Big Data
21.02.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neue Prozesstechnik für effizientes Bohren und Schneiden auf der LASER CHINA

22.02.2017 | Messenachrichten

IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren

22.02.2017 | Automotive