Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschen für mehr Sicherheit: Das Innovationscluster "Future Security Baden-Württemberg" startet

18.10.2007
Im Notfall können ausgeklügelte Technologien helfen: Tunnelwände verraten über Funksignale wo es brennt, neuartige Werkstoffe stabilisieren Gebäude, feinste Messgeräte spüren Sprengstoffe auf. Diese sehr komplexen Sicherheitstechnologien müssen optimal aufeinander abgestimmt sein, um Menschen und Umwelt bestmöglich zu schützen. Damit solche Entwicklungen schneller vorankommen, startet am 16. Oktober 2007 das Innovationscluster "Future Security Baden-Württemberg".

Bald weiß der Tunnel selbst, ob und wie stark er nach einem Unfall oder einer Explosion beschädigt ist. Sind seine Wände noch tragfähig? Welche giftigen Gase entwickeln sich? Diese Informationen meldet er selbstständig den Einsatzkräften. So können Feuerwehr und Rettungsdienst schnell reagieren und entscheiden, ob sie die Röhre noch betreten und welche Maßnahmen sie einleiten können.

Gemeinsam packen baden-württembergische Forschungseinrichtungen und Unternehmen dieses Projekt und viele weitere an. "Mit der Gründung des Innovationsclusters 'Future Security BW' stärken wir die Vernetzung der Kooperationspartner", betont Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. "Wenn viele an einem Strang ziehen und ihr Wissen teilen, profitieren alle Beteiligten. Mit den Innovationsclustern haben wir Plattformen geschaffen, um in regionaler Nachbarschaft erfolgreich in Märkten zu agieren und die heimische Wirtschaft im Wettbewerb zu stärken."

Das Konzept hat sich bewährt. Bisher gibt es in Deutschland neun Fraunhofer-Cluster: "Mechatronischer Maschinenbau (Chemnitz), Digitale Produktion (Stuttgart), Optische Technologien (Jena), nano for production (Dresden), Personal Health (Erlangen), Digitale Nutzfahrzeugtechnologie (Kaiserslautern), Automotive Quality Saar (Saarbrücken), Polymertechnologie, (Halle-Leipzig), Virtual Development, Engineering and Training VIDET (Magdeburg).

Die Ausgangsbasis für den Zusammenschluss in Baden-Württemberg ist ideal: Im breit gefächerten und interdisziplinären Feld der Sicherheitsforschung bündeln zur Zeit 21 Unternehmen aus den Bereichen Sensorik, Elektronik, Mikrosystemtechnik, Life Science und Bauwesen, die Universitäten in Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart und Tübingen und sechs Fraunhofer-Institute ihre Kompetenzen. Die Koordination übernimmt das Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut EMI. Die am Cluster beteiligten Fraunhofer-Institute erhalten in den kommenden drei Jahren jeweils 1,5 Mio Euro von der Fraunhofer-Gesellschaft und dem Land Baden-Württemberg, um gemeinsam mit der Industrie eine Reihe von innovativen Sicherheitstechnologien zu entwickeln.

"Inhaltlich knüpft das Cluster an das europäische und nationale Sicherheitsforschungsprogramm, die Hightech-Strategie der Bundesregierung und die Perspektiven für Zukunftsmärkte der Fraunhofer-Gesellschaft an", erklärt Prof. Klaus Thoma, Leiter des in Freiburg ansässigen Ernst-Mach-Instituts und Sprecher des Fraunhofer-Verbunds Verteidigungs- und Sicherheitsforschung VVS. "Das Forschungsbeispiel 'Robust Sensing Walls' zeigt, wie Ergebnisse aus Unternehmen, Universitäten und Fraunhofer-Instituten zusammenfließen". Die in die Wände eines Tunnels oder Gebäudes integrierten Sensornetzwerke werden besondere Fähigkeiten haben: sie sollen widerstandfähig und energieautark sein. Mit der Enocean GmbH arbeiten die Fraunhofer-Wissenschaftler an der Integration von extrem energiearmen Funksensorknoten, die wartungsfrei arbeiten. Das Institut für Mikrosystemtechnik der Universität Freiburg (IMTEK) steuert Know-how zur autarken Energieversorgung und zur Funkübertragung bei.

Die Kollegen vom Fraunhofer-Institut für Informations- und Datenverarbeitung IITB in Karlsruhe definieren Schnittstellen, die die Informationen der vielen verteilten Sensoren bündeln und den verschiedenen Anbietern in der jeweils benötigten Aufbereitung zur Verfügung stellen. Systemanbieter wie Züblin AG für den Tunnelbau oder Securiton GmbH für die Gebäudesicherheitstechnik sorgen für industriellen Einsatz der Technologie. So können in Zukunft Feuerwehr, Rettungskräfte, Polizei und Sicherheitsdienste in ihren Leitständen anhand der Daten erkennen, wie tragfähig eine Tunnelwand ist, ob ein unterirdischer Raumabschnitt betreten werden kann, oder ein Gebäudeteil einsturzgefährdet ist.

Die einzelnen kleinen Wächter in der Wand messen dazu Erschütterungen, Druckwellen oder austretende Gase und geben ihre Informationen weiter. Drei verschiedene Energiequellen laden ständig die Batterien auf: kleinste Bewegungen der Wand reichen aus, um ein winziges Schwingungselement anzutreiben. Dieses Piezoelement generiert daraus Strom. Weiterhin wird thermoelektrische Energie durch die Temperaturunterschiede an der Tunnelinnen- und Aussenwand gewonnen. Als dritte Energiequelle ist elektromagnetische Strahlung vorgesehen, beispielsweise durch die Oberleitungen von der Bahn im Tunnel.

Dies ist nur ein Beispiel für die vielfältigen Themen, die die Forscher bearbeiten. Inhaltliche Schwerpunkte des Clusters sind der Schutz kritischer Infrastrukturen, die Identifikation von Explosivstoffen, die Integration von Sicherheitssystemen und gesellschaftliche Aspekte der Sicherheitsforschung.

Marion Horn | idw
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/fhg/press/pi/2007/10/Presseinformation16102007.jsp

Weitere Berichte zu: Cluster Innovationscluster Security Sicherheitsforschung Tunnel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Speiseröhrenkrebs einfacher erkennen
06.03.2017 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Neues Labor für die Aufbautechnik von ultradünnen Mikrosystemen
21.02.2017 | Hahn-Schickard

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit