Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Walisisch Boliviens

16.04.2002


Rund zwei Drittel der derzeit weltweit gesprochenen 6.500 Sprachen laufen Gefahr, in den nächsten ein bis zwei Generationen zu verschwinden. So auch die Uru-Chipaya-Sprachen: Nur etwa 1.000 Menschen in Bolivien und einige wenige in Peru können sich in ihnen noch verständigen. Wissenschaftler der Universität Bonn wollen in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Bolivien die Uru-Chipaya-Sprachen für die heutige und spätere Generationen dokumentieren. Neben einer umfassenden multimedialen Erfassung planen sie auch, einheimische Lehrer bei der Entwicklung von Materialien für den Sprachunterricht zu unterstützen. Eine erste Studie wird von der Volkswagenstiftung mit 50.000 Euro gefördert.

Sprachen sind nicht nur Kommunikationsmittel, sondern verraten auch viel über Vorstellungen und Kultur einer Volksgruppe - ob durch Redewendungen, grammatische Konstruktionen oder einfach durch das Vokabular. "Mit einer Sprache geht immer ein Stück Vielfalt und kulturelle Identität verloren", bedauert Dr. Sabine Dedenbach-Salazar, die das Projekt von Bonner Seite betreut. Das von der Volkswagenstiftung eingerichtete Programm "Dokumentation bedrohter Sprachen" versucht, die Zeugnisse dieser meist nur mündlich vermittelten Sprachkulturen vor ihrem spurlosen Verschwinden in einem elektronischen Archiv aufzuzeichnen: mit Tonband, Videokamera, Fotoapparat und Notizblock. Die Stiftung fördert insgesamt zehn Projekte für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren; ihre Ergebnisse wollen die Forscher in einer multimedialen Datenbank zusammentragen. Die Archivierung lässt sich sogar von zu Hause aus mitverfolgen: Wer Interesse hat, kann im Internet den Aufbau der Sprachdokumentation begleiten, die unter Leitung des Max-Planck-Institutes in Nijmegen stattfindet.

"Wir wollen in unserem Projekt mit Muttersprachlern kooperieren, damit sie in Workshops und Arbeitsgruppen ihre Sprache und Kultur auch selbst dokumentieren können", erläutert Dr. Dedenbach-Salazar. Ziel ist es, die Uru-Chipaya-Sprachen, in ihrer Aussprache, Grammatik und Bedeutung, umfassend zu beschreiben. "Wir wollen aber auch, dass die Menschen erkennen, welchen Wert diese Sprachen haben." Ein Ziel der Projektpartner aus Bonn und Bolivien ist es daher auch, zur Entwicklung von Unterrichtsmaterialien in Uru-Chipaya beizutragen. "Wir hoffen, in Zusammenarbeit mit den bolivianischen Behörden und einheimischen Lehrern langfristig die Grundlagen für einen zweisprachigen Unterricht legen zu können", so die Altamerikanistin. Regierungen hätten in der Vergangenheit zwar immer wieder aus Angst vor separatistischen Bestrebungen den Unterricht in indigenen Sprachen nicht gerne gesehen, aber seit einigen Jahren habe sich diese Haltung geändert.

Dass immer mehr Sprachen vom Aussterben bedroht sind, ist eine Folge postkolonialer Politik sowie der "kulturellen Globalisierung", die einige große Sprachen verstärkt und gleichzeitig unzählige lokale Sprachen gefährdet - auch in Europa, wie die Beispiele "Gälisch", "Walisisch" oder "Schwyzzerdütsch" verdeutlichen. Den Todesstoß versetzen oft der Bau einer Straße, die das entlegene Dorf mit der Welt verbindet, oder auch der erste Fernseher, der das Programm in der Nationalsprache ausstrahlt.

Weitere Informationen: Privat-Dozentin Dr. Sabine Dedenbach-Salazar, Institut für Altamerikanistik und Ethnologie, Tel.: 0228/73-4384, Fax: 0228/73-4385, E-Mail: sdedenba@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpi.nl/DOBES

Weitere Berichte zu: Bolivien Volkswagenstiftung Walisisch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht SeaArt-Projekt startet mit Feldversuchen an Nord- und Ostsee
18.11.2016 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie