Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovativer dezentraler Hochwasserschutz vermindert Überschwemmungen an der "Quelle"

11.04.2002


Mulden", bepflanzte Tiefbeete, die auch der Verkehrsberuhigung oder Straßenbegrünung dienen können, nehmen das Wasser oberirdisch auf.


Projekt der Ingenieurgesellschaft Prof. Dr. Sieker aus Brandenburg erfolgreich abgeschlossen - DBU-Förderung 394.000 Euro


Das Einzugsgebiet der Saar diente bei einem Projekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, als Modell für die Entwicklung eines neuen dezentralen Wegs im Hochwasserschutz: "Unter der Leitung von Prof. Dr. Friedhelm Sieker ist es gelungen, ein neues Konzept zur Verminderung von Überschwemmungen zu entwickeln, das die Ursachen und nicht die Folgen bekämpft", erläuterte Fritz Brickwedde, Generalsekretär der DBU. Im Saarland, einem in der Vergangenheit vermehrt von Hochwasser betroffenem Gebiet, habe Sieker sein Konzept an Beispielgebieten planerisch umgesetzt. Deutschlandweit gingen täglich über 1,3 Quadratkilometer unbebauten Landes durch Siedlungs- und Verkehrsflächen verloren. Diese zunehmende Versiegelung der Landschaft werde maßgeblich für das verstärkte Auftreten von Hochwassern verantwortlich gemacht. "Dabei liegt die eigentliche Ursache im bisher angewandten Prinzip, Regenwasser so schnell und so gründlich wie möglich aus Siedlungs- und Verkehrsflächen abzuleiten", so Sieker. Die DBU förderte das Projekt mit 394.000 Euro.

Natürliche Funktion des Bodens zur Regenwasseraufnahme wieder beleben



Siekers Konzept stelle die oft durch Bebauung verloren gegangene Bodenfunktion, Regenwasser in hohem Maße aufzunehmen, wieder her und packe damit "das Übel an der Wurzel". Mit maßgeblicher Unterstützung der DBU habe man ein sogenanntes "Mulden-Rigolen-System" zur dezentralen Bewirtschaftung der Regenwasserabflüsse entwickelt und im Rahmen dieses Projekts in den Saar-Gemeinden Weiskirchen, Bous, Beckingen und Rehlingen-Siersburg einem Praxistest unterzogen. "Die Entwicklung extremer Hochwasserereignisse beginnt auf jedem einzelnen Grundstück, das im Einzugsgebiet eines Baches oder Flusses liegt. Nur dort kann daher Hochwasser auch nachhaltig bekämpft werden," forderte Sieker zum Umdenken in der Regenwasserbewirtschaftung auf.

Auch bereits versiegelte Flächen können mit dem neuen System behandelt werden

Die Ergebnisse dieses Projekts hätten gezeigt, dass selbst in bereits bebauten Gebieten eine teilweise "Wiedergutmachung" bisher eingetretener wasserwirtschaftlicher Schäden bei der Sanierung und Verbesserung vorhandener Entwässerungssysteme möglich sei. Oberirdisch nähmen "Mulden", bepflanzte Tiefbeete, die auch der Verkehrsberuhigung oder Straßenbegrünung dienen könnten, das Wasser auf. Durch diese Oberbodenschicht versickere es in eine darunter liegende "Rigole" und werde währenddessen gereinigt. Die Rigole aus grobem Kies oder Lava-Granulat habe die Aufgabe, einen Teil des Niederschlags unterirdisch zu speichern und an Ort und Stelle langsam und damit unschädlich zu versickern. Nicht versickerbare Anteile würden zumindest verzögert und gedämpft abgeleitet. Selbst bei lehmigem Untergrund könne die Abflussmenge so auf weniger als ein Zehntel der Spitzenabflüsse konventioneller Kanalisationen reduziert werden.

Abwasserkosten können gesenkt werden

Das Prinzip der herkömmlichen "Ableitungsmentalität" komme Kommunen mittlerweile teuer zu stehen, entfielen doch 40 bis 50 Prozent der Abwasserkosten auf das Regenwasser. Dabei schlügen das Vorhalten eines ausreichend leistungsfähigen Kanalnetzes sowie die Aufwendungen für die sogenannte Mischwasserbehandlung besonders zu Buche. "Unsere Untersuchungen ergaben, dass zwischen fünf und 35 Prozent der Fläche von der Regenwasserableitung abgekoppelt werden können. Dabei wurden zehn bis 15 Prozent als realistisch und kurzfristig umsetzbar identifiziert", fasste Sieker zusammen. Vergleiche zwischen dem bisher üblichen Ausbau der Entwässerungssysteme und der Verringerung der Regenabflüsse hätten ergeben, dass durch die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung Kosten eingespart werden könnten, mindestens jedoch ein Kostengleichstand erreicht werde. "Dezentrale Regenwasserbewirtschaftung ist damit nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch eine vielversprechende Alternative", betonte Brickwedde.


Für fachliche Fragen wenden Sie sich bitte an:

Prof. Dr. Friedhelm Sieker
Ingenieurgesellschaft Prof. Dr. Sieker mbH
Tel.: 03342/3595-0
eMail: info@sieker.de
Internet: www.sieker.de


Katja Diehl | DBU
Weitere Informationen:
http://www.sieker.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt
25.05.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Nanopartikel aus Kläranlagen - vorläufige Entwarnung
02.05.2018 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics