Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fördermittel für den Aufbau neuartiger Messinstrumente an Großgeräten

18.09.2007
Göttinger Wissenschaftler erhalten insgesamt 1,8 Millionen Euro vom BMBF

Göttinger Forscher erhalten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung Fördermittel zum Aufbau neuartiger Messinstrumente zur Erforschung fester und flüssiger Materialien an Großgeräten. Zu dieser sogenannten kondensierten Materie gehören Metalle, Funktionswerkstoffe, Halbleiter und Mineralien sowie Polymere und biologische Substanzen wie Proteine und Zellen. Prof. Dr. Götz Eckold (Fakultät für Chemie), Prof. Dr. Tim Salditt und Prof. Dr. Hans Hofsäss (Fakultät für Physik) sowie Prof. Dr. Bent Hansen (Fakultät für Geowissenschaften) sind in Forschungsverbünden an unterschiedlichen Großgeräten in München, Hamburg, Darmstadt und Genf (Schweiz) beteiligt. Sie werden dort mit den von ihnen eingeworbenen Fördermitteln in Höhe von insgesamt 1,8 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre neue Untersuchungsmethoden entwickeln.

Prof. Dr. Götz Eckold vom Institut für Physikalische Chemie wird das von ihm an der Hochfluss-Neutronenquelle FRM-II in Garching bei München aufgebaute Dreiachsen-Neutronenspektrometer PUMA für die zeitaufgelöste Neutronenspektroskopie und die parallele Datenerfassung erweitern. Damit lassen sich kinetische Prozesse bei Festkörperreaktionen und Phasenumwandlungen in zahlreichen Materialien unter mechanischen, thermischen, elektrischen, magnetischen oder chemischen Beanspruchungen untersuchen. Anwendung findet diese innovative Methode unter anderem in der chemischen Katalyse, bei der Untersuchung von Brennstoffzellen, Ionenleitermaterialien und nanokristallinen Wasserstoffspeicher-Materialien.

Prof. Dr. Bent Hansen von der Abteilung Isotopengeologie im Geowissenschaftlichen Zentrum Göttingen ist am Bau eines neuartigen Hochintensitätsdiffraktometers für Neutronenstreuung am FRM-II beteiligt. Dieses Instrument erlaubt zeitaufgelöste Messungen der Struktur und Textur kristalliner Materialien in Abhängigkeit externer Parameter wie Druck, Temperatur oder externen Feldern. Anwendungen liegen im Bereich der Festkörperchemie, Festkörperphysik und den Geowissenschaften.

Prof. Dr. Tim Salditt vom Institut für Röntgenphysik entwickelt einen neuen Messplatz für Synchrotronstrahlung am Elektronenspeicherring PETRA III des DESY Hamburg. Die geplante Messapparatur nutzt das neuartige Konzept der linsenlosen Röntgenmikroskopie. Damit kann das Objekt aus einem so genannten Beugungsbild rechnerisch rekonstruiert werden, ohne dass aufwändig gefertigte Linsen benötigt werden. Die linsenlose kohärente Röntgenmikroskopie wird unter anderem für hochauflösende Strukturuntersuchungen von neuronalem Gewebe, neuronalen Zellen und Organellen sowie zur Analyse der Organisation und Struktur von Protein-Netzwerken des Zytoskeletts, von Zellmembranen und weiteren Biomaterialien eingesetzt werden.

Prof. Dr. Hans Hofsäss vom II. Physikalischen Institut ist am Aufbau einer neuen Apparatur für die Materialbearbeitung mit Schwerionen am Hochenergie-Linearbeschleuniger UNILAC in Darmstadt beteiligt. Damit werden zeitaufgelöst Materialveränderungen untersucht, die während hochenergetischer Schwerionenbestrahlung auftreten. Diese Bestrahlung führt extrem kurzzeitig und sehr lokal zur Aufheizung des bestrahlten Materials auf rund 10.000 Grad Celsius und löst dadurch Umwandlungen der Kristallstruktur aus oder bewirkt eine plastische Verformung. Auf diese Weise können gezielt Nanostrukturen wie lamellen- oder noppenartige Oberflächen, winzige Poren oder Nanodrähte gebildet werden.

In einem weiteren Projekt wird Prof. Hofsäss gemeinsam mit Prof. Dr. Klaus Dieter Becker vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Braunschweig eine Messapparatur zur Untersuchung der Mikrostruktur, der magnetischen Eigenschaften und der Dynamik von Halbleitern und Werkstoffen aufbauen. Diese Apparatur wird am Isotopenseparator ISOLDE des Europäischen Forschungszentrums CERN in Genf installiert werden und nutzt kurzlebige Radionuklide als atomare Sensoren für elektrische und magnetische Felder in Festkörpern. Zum Einsatz kommen neuartige, hocheffiziente Detektoren für Gammastrahlung und eine vollständig digitale Datenerfassung mit ultraschneller Elektronik.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Hans Hofsäss
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Physik
II. Physikalisches Institut
Friedrich-Hund-Platz 1, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-7669, Fax (0551) 39-4493
e-mail: hans.hofsaess@phys.uni-goettingen.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.physik.uni-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Fördermittel Großgerät Messinstrument Physikalisch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues interdisziplinäres Zentrum für Physik und Medizin in Erlangen
25.07.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Entzündungshemmende Birkeninhaltsstoffe nachhaltig nutzen
03.07.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

Spektral breite Röntgenpulse lassen sich rein mechanisch „zuspitzen“. Das klingt überraschend, aber ein Team aus theoretischen und Experimentalphysikern hat dafür eine Methode entwickelt und realisiert. Sie verwendet präzise mit den Pulsen synchronisierte schnelle Bewegungen einer mit dem Röntgenlicht wechselwirkenden Probe. Dadurch gelingt es, Photonen innerhalb des Röntgenpulses so zu verschieben, dass sich diese im gewünschten Bereich konzentrieren.

Wie macht man aus einem flachen Hügel einen steilen und hohen Berg? Man gräbt an den Seiten Material ab und schüttet es oben auf. So etwa kann man sich die...

Im Focus: Abrupt motion sharpens x-ray pulses

Spectrally narrow x-ray pulses may be “sharpened” by purely mechanical means. This sounds surprisingly, but a team of theoretical and experimental physicists developed and realized such a method. It is based on fast motions, precisely synchronized with the pulses, of a target interacting with the x-ray light. Thereby, photons are redistributed within the x-ray pulse to the desired spectral region.

A team of theoretical physicists from the MPI for Nuclear Physics (MPIK) in Heidelberg has developed a novel method to intensify the spectrally broad x-ray...

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Clash of Realities 2017: Registration now open. International Conference at TH Köln

26.07.2017 | Event News

Closing the Sustainability Circle: Protection of Food with Biobased Materials

21.07.2017 | Event News

»We are bringing Additive Manufacturing to SMEs«

19.07.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

Oestrogen regulates pathological changes of bones via bone lining cells

28.07.2017 | Life Sciences

Satellite data for agriculture

28.07.2017 | Information Technology

Abrupt motion sharpens x-ray pulses

28.07.2017 | Physics and Astronomy