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Eine Sprache stirbt aus: VW-Stiftung fördert Forschungsprojekt der RUB in Ost-Timor

04.04.2002


Zwei- bis dreitausend Menschen sprechen sie noch - Waima’a, eine vom Aussterben bedrohte Sprache Ost-Timors. Prof. Dr. Nikolaus Himmelmann vom Sprachwissenschaftlichen Institut der RUB will sie dokumentieren, bevor es zu spät ist. Zusammen mit zwei australischen Kollegen wird Himmelmann nach Ost-Timor reisen und dort das bisher vollkommen unerforschte Waima’a in Audio- und Videoaufzeichnungen für die Nachwelt festhalten.

Waima’a auf dem Rückzug

Waima’a gehört zu den austronesischen Sprachen, die sich vor Jahrtausenden von China über den pazifischen Raum bis nach Neuseeland ausgebreitet haben. Nach der 450 Jahre währenden Kolonialzeit unter portugiesischer Herrschaft und der indonesischen Besetzung von 1975-1999 wird Ost-Timor heute von der UN verwaltet. Portugiesisch und die weitverbreitete Landessprache Tetun verdrängen nur von kleinen Teilen der Bevölkerung beherrschte Sprachen wie Waima’a immer mehr - das Ende der Besatzung hat die eigene Sprache als Ausdruck des Widerstands überflüssig gemacht. Hinzu kommt der ökonomische Migrationsdruck: Das Verbreitungsgebiet von Waima’a ist geprägt durch mageres Weideland, das außer der Haltung von Ziegenherden wenig Erwerbsmöglichkeiten bietet.

Breite Unterstützung

Neben Prof. Himmelmanns australischen Kollegen Dr. F. John Bowden (Australian National University, Canberra) und Prof. Dr. John Hajek (University of Melbourne) sind zwei Muttersprachler als wissenschaftliche Mitarbeiter in das Projekt eingebunden. Außerdem bestehen enge Kontakte zu Anthropologen, Archäologen und Regionalwissenschaftlern, die ihre Studien zu und in Ost-Timor gerade aufgenommen haben. Sowohl lokale als auch internationale Institutionen in Ost Timor (darunter das Nationale Sprachinstitut, das Kulturelle Zentrum Ost-Timor und die Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen) unterstützen das Projekt. Das aufgezeichnete Sprachmaterial soll ins Englische, Malayische und in Tetun übersetzt werden, um es später z.B. zur Entwicklung von Schulungsmaterial nutzen zu können.

Stammbaum für Sprachen

Im letzten Jahr hatte Prof. Himmelmann bereits ein kleineres Erkundungsprojekt erfolgreich zum Abschluss gebracht. Er besuchte die letzten Sprecher von Lóvaia (ebenfalls Ost-Timor), das nur noch fünf bis acht Menschen beherrschen. Der wissenschaftliche Wert solcher Projekte ist unbestritten: Linguisten können anhand der gesammelten Daten beispielsweise Sprachstammbäume erstellen, d.h. sie bestimmen die Verwandtschaft heutiger Sprachen und rekonstruieren deren Vorläufer. Dadurch gewinnen sie interessante Erkenntnisse über prähistorische Migrationsbewegungen, die zur heutigen Besiedlungssituation der Weltbevölkerung geführt haben.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Nikolaus Himmelmann, Ruhr-Universität Bochum, Sprachwissenschaftliches Institut, Tel. 0234/32-23910, GB 3/143, E-Mail: himmelma@linguistics.ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw

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