Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cannabis bessert Symptome des Tourette-Syndroms

27.03.2002


MHH-Studie heute in der Fachzeitschrift Pharmacopsychiatry veröffentlicht

Der Wirkstoff d9-Tetrahydrocannabinol (d9-THC) aus der Cannabis-Pflanze hilft beim Tourette-Syndrom: Die Hauptmerkmale der Erkrankung - unwillkürliche Zuckungen (motorische Tics) und das unwillkürliche Hervorbringen von Geräuschen oder Wörtern (vokale Tics) - lassen deutlich nach. Dieses Untersuchungsergebnis veröffentlicht die Fachzeitschrift Pharmacopsychiatry in ihrer morgigen Ausgabe. Ein Team um Dr. Kirsten R. Müller-Vahl, Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), hatte eine kontrollierte Studie mit 12 erwachsenen Tourette-Patienten durchgeführt. Sie fanden heraus, dass die Einmalbehandlung mit d9-THC, dem stärksten psychotrop wirksamen Inhaltsstoff der Cannabispflanze, für mehrere Stunden Tics und Zwänge reduziert - ohne bedeutende Nebenwirkungen. Eine noch unveröffentlichte Folgestudie mit sechswöchiger Therapiedauer und größerer Patientenzahl bestätigt diesen positiven Behandlungsbefund.

Das Tourette-Syndrom ist eine komplexe neurologisch-psychiatrische Erkrankung, an der in Deutschland rund 50.000 Menschen leiden. Eine Ursache ist bislang nicht bekannt. Die Behandlung erfolgt derzeit symptomatisch mit Neuroleptika und anderen Psychopharmaka, die jedoch nur sehr begrenzt wirken und häufig mit erheblichen Nebenwirkungen einhergehen. Daher besteht großer Bedarf, optimale Therapien zu entwickeln.
Aus der Cannabispflanze gewonnenes Marihuana und Haschisch wird seit Jahrhunderten in zahlreichen Kulturen als Heilmittel eingesetzt. In der modernen Medizin spielt Cannabis - wegen des missbräuchlichen Einsatzes als Rauschmittel und nicht zuletzt wegen der lange Zeit nicht bekannten chemischen Zusammensetzung - bis heute kaum eine Rolle. Anekdotischen Berichten zufolge besserte der Konsum von Marihuana bei einzelnen Tourette-Patienten deutlich und anhaltend die Symptome. Dies gab den Anstoß für die wissenschaftliche Untersuchung.
Die Ergebnisse werfen die Frage auf, inwieweit das zentrale Cannabinoid-Rezeptor-System des Gehirns an der Entstehung der Erkrankung beteiligt ist. Nach Ansicht von Dr. Müller-Vahl sollte die Studie ermutigen, die Wirkung von Cannabis beziehungsweise einzelnen darin enthaltenden Substanzen auch bei anderen Erkrankungen zu untersuchen.

Weiter Informationen gibt gern Dr. Kirsten R. Müller-Vahl, 
E-Mail: Mueller-Vahl.Kirsten@gmx.de

Christa Möller | idw

Weitere Berichte zu: Cannabis Tics Tourette-Patient Tourette-Syndrom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Verbundprojekt erforscht die neurodegenerative Erkrankung Morbus Alzheimer
12.09.2017 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Damit sich Mensch und Maschine besser verstehen
04.09.2017 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie