Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine Stadt für Jung und Alt

30.07.2007
Studierende der TU Chemnitz entwickeln Projekte, um die Lebensqualität in der Stadt Stollberg zu verbessern

Das Stollberg von heute haben sie analysiert und daraus Ideen entwickelt für das Stollberg von morgen - 15 Studierende der TU Chemnitz konzipierten Projekte, durch die Stollberg eine noch attraktivere Stadt für junge und alte Einwohner werden kann. "Wir führen in unserer Professur Sozial- und Wirtschaftsgeographie regelmäßig Arbeiten durch, bei denen die Studierenden raus aus der Uni kommen.

Ein fester Bestandteil sind die Projektseminare, wie das aktuelle gemeinsam mit der Stadt Stollberg", erklärt Prof. Dr. Peter Jurczek, Inhaber der Professur und Leiter der Forschungsarbeiten. Acht Schwerpunkte haben die Studierenden unter die Lupe genommen, jeweils den Ist-Zustand protokolliert und Maßnahmen vorgeschlagen, was die Stadt im Erzgebirge in Zukunft ändern könnte.

Bevölkerung - Zwischen 1991 und 2006 hat Stollberg 2.222 Einwohner verloren, der Altersdurchschnitt steigt. Folgen sind ein zunehmender Wohnungsleerstand und ein sich wandelnder Bedarf an Einrichtungen wie Schulen und Altersheimen. Die Studierenden schlagen eine Überarbeitung der Internetpräsenz www.stollberg-erzgebirge.de vor, mit dem Ziel, bessere Informationen zu bieten für die Bevölkerung, aber auch für Investoren.

Außerdem empfehlen sie zwei neue Veranstaltungskonzepte: eine Einwohnerversammlung, bei der sich Bürger und Stadträte einmal jährlich über ihre Stadt austauschen können, und ein Sportfest für Kinder, bei dem sich Sportvereine vorstellen.

Industrie und Gewerbe - Stollberg ist bereits heute ein wichtiger Standort der Wirtschaftsregion Chemnitz-Zwickau. Als Projekte zur weiteren Stärkung von Industrie und Gewerbe entwickelten die Studierenden drei Vorschläge: Die Errichtung eines neuen Siemens-Werkes, einer Industrieanlage für die Herstellung von Pellets zum Heizen und eines Forschungszentrums, in dem biologische Kraftstoffe auf Ethanolbasis entwickelt werden. Bei letzterem Projekt sehen die Studierenden auch die Möglichkeit zur Kooperation zwischen der Stadt Stollberg und der TU Chemnitz.

Handel, Tourismus, Gastronomie - Die meisten Besucher in Stollberg bleiben nur für einen Tag und kommen zu Veranstaltungen. Übernachtungstourismus gibt es sehr wenig, denn es fehlen überregionale Besonderheiten und kulturelle Anziehungspunkte. Das Gaststättennetz ist gut ausgebaut und Veranstaltungen wie ein Kneipenfest sind etabliert. Eine Woche des Einzelhandels mit einem stadtweiten Markt könnte den Handel weiter stärken und Kunden an die Stadt binden, so ein Vorschlag der Studierenden. Aufschwung für den Tourismus könnte eine Bed and Breakfast Einrichtung mit Übernachtungsangeboten für 29 Euro bieten. Vor allem Durchreisende und Geschäftsleute würden dadurch in die Stadt gezogen. Der Vorschlag für die Gastronomie: eine Woche, in der neben Kochkursen, Wildkräuter- und Pilzwanderungen auch preisgünstige Menüs angeboten werden.

Verkehr - Um die teilweise unübersichtliche und gefährliche Verkehrsführung zu entschärfen, schlagen die Studierenden an ausgewählten Stellen Veränderungen vor: Neue Schilder, Tempo 30 Zonen sowie Änderungen in der Verkehrsführung sollen für Entlastungen sorgen.

Wohnen - Stadtteile stärken, das Wohnumfeld aufwerten, das Sozialgefüge stabilisieren und den Wohnungsleerstand verringern - das sind die Ziele, die die Studierenden für den Schwerpunkt Wohnen stecken. Um Innovations- und Investitionsanreize zu schaffen, könnte ein Energiesparprogramm dienen. In die Marketingstrategie integriert, würde es die Vermietbarkeit der Wohnungsbestände sichern. Für ein Wohngebiet - das Dürerviertel - sollte ein Leitbild kreiert werden und als drittes Projekt schlagen die Studierenden vor, mit begrünten Fassaden an Plattenbauten und verfallenen Gebäuden das Stadtbild attraktiver zu gestalten.

Bildung - Auf die 535 Stollberger Kinder bis sechs Jahre kommen 431 Betreuungsplätze - für die 241 Drei- bis Sechsjährigen stehen 350 Plätze zur Verfügung, für die 294 jüngeren Kinder allerdings nur 81. Diese Daten des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen von Ende 2005 zeigen Handlungsbedarf auf. Die Studierenden fordern eine verbesserte Kleinstkindbetreuung und flexiblere Öffnungszeiten der Einrichtungen.

Außerdem machen sie Vorschläge für Bildungsprogramme für Jugendliche und Erwachsene:

Ein Technisches Aus- und Weiterbildungszentrum soll mit den ortsansässigen Unternehmen kooperieren und seine Angebote auf die wirtschaftlichen Anforderungen der Region zuschneiden. Ein Wirtschafts- und Ausbildungsexperte könnte als Mittler zwischen der Wirtschaft, Jugendlichen als zukünftigen Arbeitnehmern und Ausbildungszentren agieren.

Soziales - In Stollberg gibt es neben rund 2.000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen etwa 4.000 Einwohner über 60 Jahre. Die alternde Bevölkerung biete viele Potentiale, so die Studierenden. Deshalb schlagen sie die Einrichtung eines Begegnungszentrums vor, in dem die Generationen zusammenkommen, gemeinsam Zeit verbringen und voneinander lernen.

Außerdem wollen sie mit einem Tag der offenen Tür in den bereits bestehenden Jugendeinrichtungen deren Bekanntheitsgrad erhöhen. Ein Band Contest soll das Engagement der jungen Menschen fördern; im Rahmen einer größeren Veranstaltung wie einem Stadtfest könnten die vielen jungen Bands der Stadt eine Möglichkeit erhalten, sich und die Ergebnisse der lokalen Jugendarbeit zu präsentieren.

Freizeit - Kinderfreundlich und jugendlich dynamisch - so möchte Stollberg mit seinem Freizeitangebot dastehen. Dafür sind keine Millionenprojekte erforderlich, diagnostizieren die Studierenden, zumal das Angebot bereits in den vergangenen Jahren erheblich verbessert wurde. Für die Zukunft bringen sie weitere Projektideen ein: Ein Beachhandballplatz und eine Verbesserung des Marketings könnten schnell realisiert werden. Futuristischer sind die Überlegungen zu einem Klassik Open Air, einem Freestyle Open für Skater, BMX- und Skifahrer sowie der Bau einer Abfahrtsbahn, die im Sommer von Skatern und im Winter von Skifahrern genutzt wird. Mit den Projektideen, die auf den bereits vorhandenen Ressourcen aufbauen, könnte neben der Freizeitgestaltung der Stollberger Bürger auch der Tourismus gefördert werden, da sich Alleinstellungsmerkmale in der Region ergeben würden.

"Die Studierenden haben kleinere, überschaubare und kostengünstige Projekte vorgeschlagen - wie die Montage von Straßenschildern - aber auch größere, durchaus erstmal etwas utopische, wie die Einrichtung eines Forschungszentrums", resümiert Prof. Jurczek. Bei einer öffentlichen Sitzung im Rathaussaal haben die Studierenden ihre Untersuchungsergebnisse vor dem Bürgermeister und den Stadträten präsentiert. "Diese werden die Vorschläge nun diskutieren und bei einem weiteren Termin mit allen Beteiligten wird besprochen, was konkret umgesetzt wird, woran weiter gearbeitet wird und was erstmal auf die Warteliste muss", blickt Jurczek in die Zukunft. Neben dem Projektseminar führte die Professur zudem ein so genanntes Geländepraktikum mit fünf Studierenden in Stollberg durch, bei dem die Teilnehmer eine Unterrichtseinheit am Stollberger Gymnasium hielten.

Die zugrunde liegende Fragestellung war, wie Stollberg sich weiterentwickeln kann. Ziel: Die Schüler sollten motiviert werden, sich für ihre Stadt zu engagieren.

Weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Peter Jurczek, Professur Sozial- und Wirtschaftsgeographie, Telefon (03 71) 5 31 - 3 49 11, E-Mail peter.jurczek@phil.tu- chemnitz.de.

Katharina Thehos | TU Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de/tu/presse/

Weitere Berichte zu: Wirtschaftsgeographie Wohnungsleerstand

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht ROBOLAB generiert neue Forschungsansätze und Kooperationen
08.05.2017 | Hochschule Mainz

nachricht Wie Coronaviren Zellen umprogrammieren
28.04.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften