Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Irak-Trauma: Kriegsspiel als Therapie

21.02.2007
US-Soldaten verarbeiten Erlebnisse in virtueller Welt

In den USA sollen heimgekehrte, traumatisierte Irak-Soldaten mit Computerspielen therapiert werden. Der Psychologe Albert Rizzo von der University of Southern California will die Kriegs-geschädigten Patienten mittels Konfrontationstherapie von ihren belastenden Eindrücken befreien. In einer virtuellen Welt durchleben die Soldaten ein zweites Mal verschiedene Situationen aus dem Irak, berichtet BBC. Aufgebaut wurde das Therapie-Kriegsspiel auf Basis des kommerziellen Games' "Full Spectrum Warrior". "Bei einer Konfrontationstherapie werden die Probanden grundsätzlich sehr direkt mit dem konfrontiert, was sie beschäftigt und belastet", erklärt Wolfgang Frindte, Professor am Department of Psychology an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, gegenüber pressetext.

Laut Frindte seien Computerspiele als Therapiemittel zwar noch nicht sehr weit verbreitet, aber durchaus als solche vorstellbar. "Hier hätten wir dann die positive Variante von gewalthaltigen Games. Diese können also auch guten Zwecken dienen", meint Frindte. Er selbst habe in der Vergangenheit eine kleine, nicht repräsentative Studie durchgeführt, bei der sich herausstellte, dass Counter-Strike-Spieler auf lange Sicht sozial verträglicher sind als andere Personen. "Hier handelte es sich zwar nur um eine Korrelationsanalyse, aber die Ergebnisse gehen in die Richtung des Therapieversuchs des US-Psychologen", sagt Frindte im Gespräch mit pressetext.

Eine Studie des Walter Reed Army Institute of Research aus dem Jahr 2004 belegt, dass knapp jeder achte US-Soldat nach einem Irak-Einsatz an einer post-traumatischen Belastungsstörung leidet, bekannt als Post Traumatic Stress Disorder (PTSD). Bisher war es üblich solche Traumata mit Medikamenten und Psychotherapien zu heilen, wo der Patient sich die erlebten Situationen noch einmal ins Gedächtnis rufen sollte. Mit der Konfrontation in der virtuellen Welt erspart sich der Betroffene jedenfalls die Bemühung seiner eigenen Vorstellungskraft. Rizzo setzt den Soldaten während der Behandlung eine 3D-Brille auf und schickt sie durch den virtuellen Irak. Gleichzeitig werden Geräusche und künstlich nachempfundene Gerüche verbreitet, damit die Situation möglichst realistisch wirkt.

Der Therapeut bringt dann nach und nach verschiedene Elemente in das virtuelle Geschehen ein, die mit den traumatischen Erlebnissen des Patienten in Zusammenhang stehen. Der behandelnde Arzt hat jederzeit die Möglichkeit das Szenario zu steuern und direkt auf den Probanden abzustimmen. Gestartet wird bei einem niedrigen Angstniveau, das langsam nach oben hin gesteigert wird. Das US Office of Naval Research fördert das Therapie-Projekt. Und wenngleich bislang erst vier Soldaten das Programm bis zum Ende absolviert haben, zeigt sich Rizzo optimistisch und spricht von ermutigenden Ergebnissen.

Claudia Zettel | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.usc.edu
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Irak-Trauma Konfrontationstherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Entzündungshemmende Birkeninhaltsstoffe nachhaltig nutzen
03.07.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Blick unter den Gletscher
12.06.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten