Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fragen haben hohen Ton

20.02.2002


Im Niederländischen werden Fragen auf einem höheren Ton als Mitteilungen ausgesprochen, so erweist sich aus einer experimentellen Sprachforschung der Doktorandin Judith Haan der Katholischen Universität Nimwegen. Die von der niederländischen Organisation für wissenschaftliche Forschung (NWO) subventionierte Untersuchung unterstützt die Hypothese, dass Fragenintonation einen biologischen Ursprung hat.

In vielen Sprachen haben Fragen einen durchschnittlich höheren Ton als Mitteilungen. Sprachforscherin Judith Haan hat nachgewiesen, dass die niederländische Sprache dabei keine Ausnahme ist. Ihre Ergebnisse unterstützen die Theorie der amerikanischen Sprachforscherin Ohala, die behauptet, dass der erhöhte Ton in Fragen einen biologischen Ursprung hat. Aus Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass Säugetiere und Vögel bei einer Begegnung mit einem Artgenossen die physische Überlegenheit des anderen unter anderem an der Tonhöhe des Geräuschs abschätzen, das der andere macht. Ein Geräusch mit einem niedrigeren Ton oder niedrigerer Schallfrequenz deutet immerhin auf einen größeren Körper hin.

Laut Ohala spielt dieser sogenannte Frequenzkode auch in der menschlichen Sprache eine Rolle. Das Stellen einer Frage kann als eine Art Abhängigkeit betrachtet werden: der Fragensteller ist für bestimmte Informationen vom Zuhörer abhängig. Dies äußert sich in einer höheren Tonhöhe und würde erklären, weshalb dieses Phänomen in so vielen verschiedenen Sprachen zu finden ist. Die größere Höhe offenbart sich direkt am Anfang des Fragensatzes, auch im Niederländischen, etwas, das in spanischen Texten sehr passend ausgedrückt wird, indem man ein umgekehrtes Fragezeichen am Anfang eines Fragensatzes positioniert.

Die Forscherin ließ zehn Testpersonen vier Satzarten vorlesen. Sie sammelte so 200 gewöhnliche Mitteilungen, 200 Mitteilungen, die auch als Frage dienen können wie "Er geht nach London?", 200 Fragen, in denen Objekt und Verb umgedreht wurden wie "Geht er nach London?" und 200 Fragen, die mit einem Fragewort anfangen wie "Wann geht er nach London?". Diese Sätze verglich die Sprachforscherin auf fünf Melodiemerkmale.

Bemerkenswert war, dass Frauen im Experiment dazu neigten, größere Tonbewegungen zu machen. Außerdem unterschieden sie ihre Mitteilungen und die drei unterschiedlichen Fragenarten besser mit Hilfe der Tonhöhe als die Männer. Die Forscherin vermutet, dass Frauen ihre Intonation mehr nutzen, weil sie in ihrer Kommunikation vor allem Klarheit nachstreben, und dabei weniger Angst haben, sich abhängig aufzustellen.

Nähere Informationen bei der Doktorandin Judith Haan (Katholische Universität Nimwegen, Abteilung Allgemeine Sprachwissenschaften und Dialektwissenschaften), Tel. +31 (0)26 4822282 (privat), E-Mail: j.haan@let.kun.nl. Judtih Haan hat mit dieser Arbeit am 20. Februar 2002 promoviert, Promotoren dabei waren Prof. Dr. V. van Heuven (Universität Leiden) und Prof. Dr. C. Gussenhoven (Katholische Universität Nimwegen).

Msc Michel Philippens | idw

Weitere Berichte zu: Sprachforscher Tonhöhe Ursprung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht SeaArt-Projekt startet mit Feldversuchen an Nord- und Ostsee
18.11.2016 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie