Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grroußmudder will Rrrrunds-tücke mit Budder …

28.01.2002


Gesprochenes Deutsch online: Das Deutsche Spracharchiv in Mannheim mit Hilfe der VolkswagenStiftung innerhalb von vier Jahren digitalisiert

... mehr zu:
»DSAv »Dialekt »Spracharchiv »Tonaufnahme

Ob Großmutter das, was andernorts als Semmeln, Schrippen oder Brötchen bezeichnet wird, bekommen hat, wissen wir nicht. Denn viel versteht der des Plattdeutschen unkundige Zuhörer dieser Tondokumentation aus dem friesischen Alltag Südtonderns vor etwa vierzig Jahren ohnehin nicht. Was sich hier als Beispiel gesprochenen Deutschs vor einem ausbreitet, ist nur eine von vielen Aufnahmen, die lange Zeit im Keller des Deutschen Spracharchivs in Mannheim (DSAv) schlummerten - drei Minuten von insgesamt mehreren Tausend Stunden Tonbeispielen aus allen Ecken des Landes und darüber hinaus. Doch vorbei ist mit Beginn dieses Jahres die Zeit, in der man im DSAv Tonbänder mühselig spulen und abhören musste. Das DSAv ist jetzt digital und eröffnet mit seinen Aufnahmen des gesprochenen Deutschs der Sprachwissenschaft völlig neue Möglichkeiten des Arbeitens.

Möglich wurde dies, da die VolkswagenStiftung vor vier Jahren dem Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim für das dort beheimatete Deutsche Spracharchiv 375.000 Euro bewilligte, damit sich die Erfassung und Archivierung der Bestände auf eine elektronische Basis stellen lässt - um einerseits Bestehendes vor dem Verfall zu retten, vor allem aber, um die Tondokumente künftig der Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen. Mit insgesamt rund 15 000 Aufnahmen verfügt das DSAv über die weltweit größte Sammlung gesprochenen Deutschs. Sie bietet einen umfassenden Bestand deutscher Dialekte - allein etwa 8 500 Aufnahmen aus der alten Bundesrepublik, der DDR und den ehemaligen deutschen Ostgebieten -, dokumentiert sind die deutschen Umgangssprachen, das gesprochene Standarddeutsch, zahlreiche Varietäten aus deutschen Sprachinseln im Ausland sowie das Gesprächsverhalten in verschiedenen Kontexten.


Kontakt: Institut für Deutsche Sprache, Mannheim, Dr. Peter Wagener Trabold, Tel.: 06 21/15 81 - 1 09,


e-mail:wagener@ids-mannheim.de


Wollen Sie sich vielleicht mit einer Beschreibung des Schuhplattlers in urwüchsigem Oberbayerisch beschäftigen? Oder typischen Gesprächen beim Flachsbrechen in Mecklenburg? Mit der Aufnahme einer Gerichtsverhandlung oder einem Konfliktgespräch zwischen Mutter und Tochter? All das ist jetzt ohne große Probleme möglich über die Datenbank “Gesprochenes Deutsch”, die im Internet zur Verfügung steht und eine weltweite Recherche in den Beständen des Spracharchivs erlaubt. Die der interessierten Öffentlichkeit zugängliche Version der Datenbank enthält die gesamten dokumentarischen Angaben zu den im Archiv digital bereit stehenden Aufnahmen des DSAv, darüber hinaus zwölf “alignierte” Transkripte und Tonaufnahmen als Beispiele. Aligniert bedeutet hier, dass Töne und Texte einander parallel zugeordnet wurden, sich somit die Verschriftlichung einer Tonaufnahme im Internet aufrufen und lesen und sich an jeder beliebigen Stelle durch Mausklick ein zehn Sekunden langer Ausschnitt anhören lässt.

Per Volltext-Recherche kann man in der Dokumentation auch themenbezogen (zum Beispiel Arzt-Patienten-Kommunikation, Handwerke, Volksbräuche) suchen, nach bestimmten Formen des Deutschen (etwa schlesische Dialekte, Umgangsprache von Mannheim, ein Studienberatungsgespräch, das altertümliche Deutsch einiger Amish People in den USA) oder nach Typen von Sprecherinnen und Sprechern (Bäckermeister, alte Männer, junge Frauen etc.) - die Liste ließe sich fortsetzen. Vor allem für Sprachwissenschaftler ist es interessant, in den Transkripten wortweise zu recherchieren, um Probleme der Aussprache, Grammatik oder Pragmatik unmittelbar an gesprochenen Texten analysieren zu können.

Mit der Modernisierung des Spracharchivs trägt die VolkswagenStiftung dazu bei, dass ein Kulturdenkmal erhalten bleibt. So sind manche der dort dokumentierten Dialekte heute kaum oder nicht mehr aufzufinden; andererseits sind Tonaufnahmen von Vertriebenen aus Pommern und Schlesien nicht nur für Germanisten von Bedeutung, sondern stellen zugleich eine Fundgrube dar für Historiker, da die Interviewten oft über ihre Erfahrungen auf der Flucht berichten. Wiederum wird an dem immer häufiger zu hörenden Satz “Das ist halt eben so” deutlich, wie sich einzelne Mundarten oder Redewendungen vermischen können. Das Wort “halt” kam ursprünglich nur in Süddeutschland zum Einsatz, das Wort “eben” dagegen nur in Norddeutschland. “Das Archiv ist also letztlich nicht weniger als ein ‚Sprachgedächtnis‘ des Deutschen”, betont Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung.

Mit der Beherbergung des nunmehr digitalisierten Deutschen Spracharchivs - seit 1955 werden die Proben gesprochenen Deutschs bereits gesammelt - unterstreicht das Institut für Deutsche Sprache in Mannheim erneut seine bedeutende Rolle als zentrale wissenschaftliche Einrichtung zur Erforschung des heutigen Deutschs und dessen neuerer Geschichte. Oder wie man im Ruhrpott sagen würde: “Wennsze wat über Sprache suchen tus, musse dat über Mannheim mach’n …”

Und hier ist die Internet-Adresse: http://www.ids-mannheim.de/DSAv. Testen Sie selbst !!!
Die Datenbank enthält neben dieser Version, die für jeden zugänglich ist, auch eine speziell für Wissenschaftler. In jener stehen - ebenfalls mit Beginn diesen Jahres - mehr als tausend alignierte Tonaufnahmen zur Verfügung. Dafür ist eine Anmeldung erforderlich.


Kontakt VolkswagenStiftung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Dr. Christian Jung, Tel.: 05 11/83 81 - 3 80, Fax 05 11/83 81 - 3 44,
e-mail:jung@volkswagenstiftung.de

| VolkswagenStiftung

Weitere Berichte zu: DSAv Dialekt Spracharchiv Tonaufnahme

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Fake News finden und bekämpfen
17.08.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Neues interdisziplinäres Zentrum für Physik und Medizin in Erlangen
25.07.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Beschichtung lässt Muscheln abrutschen

18.08.2017 | Materialwissenschaften

Fettleber produziert Eiweiße, die andere Organe schädigen können

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

18.08.2017 | Geowissenschaften