Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Insolvenzrecht auch für Staaten

15.01.2002


Die Massenproteste und die politisch instabile Lage in Argentinien haben die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die noch immer ausstehende Lösung der internationalen Schuldenkrise gelenkt. Ein viel diskutierter Lösungsvorschlag ist die Einführung eines Insolvenzrechts für Staaten. Die Begründung und mögliche Ausgestaltungen einer solchen Regelung werden auf einer fachübergreifenden Tagung diskutiert, die das Institut für Christliche Sozialwissenschaften der Universität Münster in Kooperation mit und in der Akademie "Franz Hitze Haus" vom 17. bis 19. Januar 2002 veranstaltet. Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen wollen erörtern, wie Entschuldung aus philosophischer und theologischer Perspektive begründet und konkret mit Hilfe eines Insolvenzrechts für Staaten umgesetzt werden kann.

Vorbereitet wurde die Tagung von Projektmitarbeitern des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften, die mit einem von der VW-Stiftung geförderten Forschungsprojekt das Ziel der "Wirtschaftsethischen Beurteilung aktueller Lösungsstrategien zur Überwindung der Internationalen Schuldenkrise" verfolgen. An dem Forschungsprojekt arbeiten unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Karl Gabriel, Direktor der Instituts für Christliche Sozialwissenschaften, seit gut zwei Jahren der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Martin Dabrowski, der Diplom-Theologe Andreas Fisch und der Philosoph und Theologe Dr. Christoph Lienkamp. Sie gehen unter anderem der Frage nach, ob die Institution des Insolvenzrechts, die bislang nur auf nationaler Ebene existiert, auch international auf verschuldete Länder angewendet werden kann. Dabei geht es den Forschern darum, fächerübergreifend die biblischen Forderungen nach Gerechtigkeit sowohl philosophisch zu begründen als auch in die Sprache der Wirtschaft zu übersetzen.

So bezieht Andreas Fisch aus der biblischen Option für die Armen die sozialethischen Argumente für ein Insolvenzrecht für Staaten, denn es seien die sozial Benachteiligten der jeweiligen Länder, die die Lasten der Verschuldung zu tragen hätten. Um die Verwirklichung eines Insolvenzrechtes für Staaten theoretisch zu begleiten müssen nach Ansicht von Christoph Lienkamp die herkömmlichen, vornehmlich auf die nationale Ebene bezogenen Gerechtigkeitstheorien, weiterentwickelt werden. Dass aber Entschuldung nicht allein ethisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll und notwendig ist, stellt Martin Dabrowski heraus, denn die grundsätzlich positive Integration möglichst vieler Staaten und Wirtschaftssubjekte in den Weltmarkt kann nur durch die Überwindung der internationalen Schuldenkrise erreicht werden. Nur durch einen konditionierten Schuldenerlass für hochverschuldete Länder ist nach Ansicht des Projektteams die dringend notwendige Verbesserung der Lebenssituation der armen Bevölkerung und eine eigenständige wirtschaftliche Entwicklung möglich.

Dabei zielt das interdisziplinäre Forschungsprojekt darauf ab, ethische Forderungen nicht unabhängig von der ökonomischen Diskussion zu erheben und gleichzeitig die ökonomische Sachlogik einer ethischen Beurteilung zu unterziehen. Dieser fächerübergreifende Ansatz war unter anderem dafür ausschlaggebend, dass die Volkswagen-Stiftung das Forschungsprojekt fördert. Auch der Fachkongress wird vom interdisziplinären Dialog geprägt sein. Die Veranstalter erwarten eine intensive Diskussion darüber, ob das Insolvenzrecht für Staaten eine angemessene Strategie zur Lösung der Schuldenkrise ist. "Von den vorliegenden Beiträgen erwarten wir die kritische Reflexion unserer Forschungsthese, dass das Insolvenzrecht für Staaten der erfolgversprechendste Ansatz zur Überwindung der internationalen Schuldenkrise und zur Verhinderung zukünftiger Schuldenkrisen ist", betont Projektmitarbeiter Dr. Martin Dabrowski.

Norbert Frie | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-Muenster.de/ChristSozialwiss/relaunch/welcome.html

Weitere Berichte zu: Insolvenzrecht Schuldenkrise Sozialwissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Blick unter den Gletscher
12.06.2017 | Universität Bern

nachricht ROBOLAB generiert neue Forschungsansätze und Kooperationen
08.05.2017 | Hochschule Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie

Digitalanzeige mit Touchscreen WAY-AX & WAY-DX von WayCon

27.06.2017 | Energie und Elektrotechnik

Der Krümmung einen Schritt voraus

27.06.2017 | Informationstechnologie