Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Hochschulen im Urteil ausländischer Studierender oft nur Mittelmaß

11.01.2002


Mannheimer Wirtschaftswissenschaftlerin untersucht in ihrer Dissertation die Attraktivität deutscher Hochschulen für ausländische Studierende - Vorschlag eines umfassenden Marketingkonzepts zur Imageverbesserung

Spätestens seit der Veröffentlichung der "Pisa-Studien" vor einigen Wochen ist der Bildungsstandort Deutschland ins Gerede gekommen. Nicht nur die Ausbildung an den Schulen ist immer häufiger Gegenstand von Diskussionen. Eine Reihe von Indizien nähren die Befürchtung, dass ein Studium in Deutschland im Ausland an Attraktivität verloren hat. Wie es tatsächlich um das Image der deutschen Hochschulen bei ausländischen Studierenden bestellt ist, hat Dr. Stefanie Jensen jüngst an der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der Universität Mannheim in ihrer Dissertation empirisch untersucht. Das Ergebnis der Mannheimer Wirtschaftswissenschaftlerin gibt Anlass zur Besorgnis und zum Handeln: In zahlreichen Punkten verteilen ausländische Studierende an deutsche Hochschule nur mittelmäßige Noten. "Ohne gezieltes Marketing könnte Deutschland schon bald die Chance vergeben haben, die künftige Bildungselite anderer Nationen auszubilden", urteilt Jensen.

In der Rangliste der Bildungsexporteure rangiert Deutschland noch immer hinter den mit Abstand dominierenden USA und den britischen Inseln an dritter Stelle. "Dieses Ergebnis ist vor allem der großen Zahl von jungen Osteuropäern zu verdanken, die es zu einem Vollzeitstudium nach Deutschland zieht. Dagegen finden nur relativ wenige Personen aus dem wirtschaftlich boomenden südostasiatischen Becken und dem amerikanischen Kontinent den Weg zu uns. Und gerade in den technischen und naturwissenschaftlichen Fächern ist die Ausländerquote rückläufig", relativiert Jensen dieses Ergebnis. In ihrer Untersuchung befragte sie zum einen ausländische Studierende der Betriebswirtschaftslehre an 21 deutschen Universitäten, zum anderen Studierende der Wirtschaftswissenschaften an US-amerikanischen, kolumbianischen, pakistanischen und französischen Hochschulen, die einen Auslandsaufenthalt planten. Als Determinanten der Attraktivität eines Studienlands identifizierte Jensen die Lebens- und Studienbedingungen im Gastland, die psychische Nähe zum Gastland, das wahrgenommene Risiko der Studienlandwahl, den Einfluss der Bezugsgruppe und das Landesimage.

Die Ergebnisse der Befragung zeigen deutlich, dass neben den Studienbedingungen besonders die Lebensbedingungen und die psychische Nähe im Gastland für ausländische Studierende von zentraler Bedeutung sind. Und gerade bei der Beurteilung dieser "weichen" Faktoren schneidet Deutschland keineswegs optimal ab. Während in Deutschland studierende Ausländer neben der mangelnden Betreuung während des Studiums besonders die mit der Ausbildung verbundenen Kosten und die in der Bevölkerung wahrgenommene Ausländerfeindlichkeit bemängeln, bewerten die im Ausland Befragten Deutschland besonders in Bezug auf die physische Nähe, also den "Wohlfühlfaktor", nur mäßig. "Diese Resultate verdeutlichen, dass eine Verbesserung ausschließlich direkt studienbezogener Aspekte eine geringere Auswirkung auf die wahrgenommene Attraktivität eines Studienlandes nach sich zieht als dies bei einer Veränderung der Rahmenfaktoren der Fall wäre", erklärt Jensen.

In dem Gesamturteil beider befragter Gruppen erreicht das Studienland Deutschland keinen Spitzenplatz. In der Beliebtheitsskala der hierzulande Studierenden nimmt die Bundesrepublik Rang zwei ein, in der Gunst der im Ausland Befragten bleibt sogar nur Platz fünf. Bei letzterer Gruppe wird die Präferenz für englischsprachige Länder klar sichtbar. "Es lässt sich die Vermutung bestätigen, dass der Grad der Beherrschung der Gastlandsprache die wahrgenommene Attraktivität eines Studienorts beeinflusst", so Jensen.

Daher ist auch das vermehrte Angebot fremdsprachiger Kurse für die Autorin ein Schlüssel zu einer Imageverbesserung, wenngleich sie einer ganzheitlichen und langfristig ausgerichteten Marketingkonzeption für den Hochschulstandort Deutschland den Vorzug vor punktuellen Maßnahmen gibt. "Dass Handlungsbedarf besteht, ist inzwischen nahezu allen Verantwortlichen klar. Das gilt vor allem für die Lebensqualität ausländischer Studierender und deren Betreuung", fordert sie. Daneben sieht sie in dem Einsatz kommunikationspolitischer Instrumente wie Werbung oder Public Relations eine Chance, dem Hochschulstandort Deutschland mehr Attraktivität zu verleihen.


Stefanie Jensen: Ausländerstudium in Deutschland: die Attraktivität deutscher Hochschulen für ausländische Studierende, Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden, 2001.


Universität Mannheim
Fakultät für Betriebswirtschaftslehre
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (0621) 181-1476
Fax: (0621) 181-1471
E-Mail: buerkle@bwl.uni-mannheim.de

Diplom-Kaufmann Ralf Bürkle | idw

Weitere Berichte zu: Attraktivität Gastland Studienbedingung Studienland Studierender

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Labor für die Aufbautechnik von ultradünnen Mikrosystemen
21.02.2017 | Hahn-Schickard

nachricht 36 Forschungsprojekte zu Big Data
21.02.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

Luftfahrt der Zukunft

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neuer Mechanismus der Gen-Inaktivierung könnte vor Altern und Krebs schützen

23.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Alge im Eismeer - Genom einer antarktischen Meeresalge entschlüsselt

23.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Energieproduzierende Fenster stehen kurz bevor

23.02.2017 | Energie und Elektrotechnik