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Innovativer Beratungsansatz zur Betreuung von älteren Menschen

08.01.2002


Professor Michael Wissert von der Fachhochschule Ravensburg-Weingarten stellt neues Buch vor

Von Sylvia Türk

Haben Sie schon einmal überlegt, wer Sie im Alter betreuen wird? Dr. Michael Wissert, Professor im Studiengang Sozialarbeit an der Fachhochschule Ravensburg-Weingarten kann bei diesem Problem helfen. Sein neues Buch ist kürzlich erschienen. Das 313 Seiten umfassende Werk "Unterstützungsmanagement als Rehabilitations- und Integrationskonzept bei der ambulanten Versorgung älterer, behinderter Menschen" trägt wesentlich zu neuen Beratungsansätzen bei.

Professor Dr. Michael Wissert gehört im deutschsprachigen Raum zu den Top-Experten in Sachen Unterstützungsmanagement. Er nimmt jedoch eine Sonderstellung ein, da er nicht nur Wissenschaftler ist, sondern als einziger in verschiedenen Forschungsprojekten selbst als "Case Manager" gearbeitet hat. Spezialisiert hat er sich auf die beiden Fragestellungen: Wie kann man Menschen in gesundheitlichen Krisen daheim pflegen? Welche Vorteile bieten ambulante Pflege und Versorgung alter Menschen den Betroffenen? Seit mehr als zehn Jahren hat Wissert diesen Gedanken maßgeblich mitentwickelt und gestaltet.

"Sozialer und gesellschaftlicher Wandel in Deutschland haben in den letzten Jahrzehnten zu gravierenden Veränderungen der Lebensphase ’Alter’ geführt", meint Michael Wissert. Viele ältere Menschen stehen vor dem Problem, wer ihre Betreuung übernehmen soll. Diplom-Soziologe Wissert betreute unterschiedliche soziale Projekte zur Versorgung von Senioren. Unter anderem hatte er die Projektleitung im ersten Modellversuch "Ambulante soziale Rehabilitation für ältere Menschen", den das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 1988 bis 1991 durchführte. Sechs Jahre schrieb er an seinem Buch, das gleichzeitig ein überarbeiteter Abdruck seiner Doktorarbeit ist. Das endgültige Ergebnis kann sich sehen lassen: ein neu entwickelter Entwurf zur ambulanten Rehabilitation von älteren Menschen.

Das problemorientierte Management versucht die Frage zu klären, ob der Pflegeempfänger weiterhin in seinen eigenen vier Wänden bleiben kann oder in ein Heim sollte. Dies geschieht zusammen mit alten Menschen und den pflegenden Angehörigen. Indem die Probleme und Fragen ernst genommen werden, "entsteht eine einfühlsame und effektive Zusammenarbeit," so Wissert. Die Sozialarbeiter sprechen mit den Angehörigen, planen zusammen mit der Familie das weitere Vorgehen und kümmern sich, falls es gewünscht wird, um die Vermittlung von Pflegediensten und anderen Dienstleistungen. Wer erledigt was, wann und wie? Diese Fragen werden immer wieder neu überlegt und beantwortet. "Mit dieser Hilfe", erklärt Wissert, "können viele alte Leute ihren Lebensabend zuhause verbringen."

Die Rückmeldungen über seine Untersuchungen sind positiv. Laut Professor Michael Wissert "können die Sozialarbeiter dem Kunden eine maßgeschneiderte Hilfe anbieten". Kürzlich fanden Gespräche mit einem Träger für soziale Einrichtungen statt. "Das Konzept ist zukunftsweisend und es ist zu hoffen", meint Wissert, "dass neben Berlin und dem Landkreis Ravensburg auch andere Städte und Landkreise diesen Beratungsansatz nutzen". Umsetzung findet Wisserts Ansatz auch an der Fachhochschule Ravensburg-Weingarten. Im Rahmen von Hauptseminaren, aber auch durch Praktika in Beratungsstellen der Region lernen die Studierenden die neue Methode kennen.

Erschienen ist "Unterstützungsmanagement als Rehabilitations- und Integrationskonzept bei der ambulanten Versorgung älterer, behinderter Menschen" im Karin Fischer Verlag. Es kostet 70 Mark und ist im Buchhandel erhältlich. Weitere Infos per E-Mail: wissert@fbs.fh-weingarten.de

Sylvia Türk | idw

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