Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Runde Sache ­ Migration im Fußball?

19.06.2006
Erstmals wurden umfassende Daten über Legionäre im österreichischen Profifußball in ihrer Gesamtheit erhoben. So ist es nun möglich, die Beziehung von Migration und Fußball wissenschaftlich zu untersuchen. Dabei werden im Rahmen des vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützten Projekts nicht nur über 50 Jahre österreichische Fußballgeschichte aufgearbeitet, sondern auch aktuelle Debatten reflektiert.

Die Geschichte von (Im-)Migration und Fußball in Österreich ist bisher kaum wissenschaftlich untersucht, obwohl Migration in der heimischen Fußballwelt Tradition hat. Zusätzlich wurden auch in Österreich durch ein grundlegendes EuGH-Urteil Mitte der 1990er Jahre die Spielertransfers liberalisiert. Die Veränderungen, die sich dadurch für den österreichischen Profi-Fußball ergeben haben, erforscht ein Projekt des Wiener Instituts für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit unter dem Titel "Migration im österreichischen Fußball nach 1945".

Zu diesem Zweck wurden erstmals alle wichtigen Daten der Legionäre der obersten Spielklasse sowie von aus dem Ausland kommenden Trainern vollständig gesammelt. Diese Informationen bilden die Grundlage für die weiteren Projektschritte: die biografische Aufarbeitung ausgewählter Migrations- und Karriereverläufe von Spielern, eine Fragebogenerhebung unter aktuellen Profispielern sowie eine Analyse der Medienberichterstattung zur Frage von Repräsentation und Identität im österreichischen Fußball. Bereits jetzt lassen sich aber erste allgemeine Trends erkennen.

Der Tradition verpflichtet

... mehr zu:
»Fußball »Migration

Diese Trends spiegeln teilweise die allgemeinen Phasen der Zuwanderung auf nationaler Ebene wider, wie Projektmitarbeiter Dr. Georg Spitaler ausführt: "Kamen Anfang der 1990er Jahre verstärkt die Migranten und Migrantinnen aus Osteuropa, so folgte schon bald die Zuwanderung aus immer unterschiedlicheren Herkunftsländern. Diese beiden Trends sind auch im Fußball bemerkbar. Darüber hinaus kam es im europäischen Fußball ­ auch aufgrund der oben erwähnten Rechtsprechung ­ zu einer Deregulierung und Europäisierung des Arbeitsmarktes. Als Konsequenz sind heute im österreichischen Fußball Spieler aus allen Kontinenten vertreten."

Doch auch vor den 1990er Jahren, als Spieler aus den EU-Ländern durch das EuGH-Urteil freien Zugang erhielten, spielten fast immer Migranten in heimischen Teams. Auch über deren Herkunft liefern die Daten, die bis in die 1950er Jahre zurückgehen, erste Auskünfte. So kamen die damaligen Spieler, wie viele Flüchtlinge, etwa aus Ungarn und später nicht zuletzt aus Jugoslawien nach Österreich.

Integriert und diskriminiert

Mit der steigenden Anzahl der in Österreich spielenden Legionäre wurden diese auch immer wieder Gegenstand heftiger Diskussionen, wie begleitende Literaturrecherchen im Rahmen des Projekts zeigen. Dr. Barbara Liegl, Projektpartnerin von Dr. Spitaler, meint dazu: "Vor allem Anfang der 1960er Jahre kam es in den Sportmedien zu heftigen Beschwerden über eine ausländische Invasion. In den 1980er Jahren, als viele österreichische Spieler selbst für große europäische Klubs spielten, wurden die Legionäre hingegen offenbar freundlicher aufgenommen." Diese wechselnden Reaktionen der Medien auf ausländische Spieler gilt es nun anhand der erhobenen Daten sowie der Medienanalyse näher zu untersuchen.

Auch gegenwärtig kommt es in Österreich ­ die Anzahl der Legionäre ist seit den 1990er Jahren auf ca. 40 Prozent angestiegen ­ immer wieder zu Debatten über eine fehlende Identifikation der Fans mit einer "überfremdeten" Mannschaft. Eine Konsequenz dieser Debatte war das in der Saison 2001/2002 in der Bundesliga geschlossene "Gentlemen¹s Agreement", nach dem in jedem Spiel eine Quote an inländischen Spielern erfüllt werden muss.

Durch die Biografiearbeit in Erinnerung rufen will das Projekt auch Legionäre, die von der heimischen Fußballgeschichte vergessen wurden. So erinnert sich heute kaum noch jemand an Saleh Selim, den ersten afrikanischen Kicker in Österreich nach 1945, der in seinem Heimatland Ägypten zu den bekanntesten Sportlern zählte. Endgültige Ergebnisse wird das FWF-Projekt, das damit auf "spielerische" Art und Weise Grundlagenforschung betreibt, noch rechtzeitig vor der EM 2008 liefern.

Hinweis: Ab 16. August 2006 finden Sie den Wissenschaftsfonds FWF an seiner neuen Adresse 1090 Wien, Sensengasse 1. Die Telefonnummer bleibt gleich.


Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Georg Spitaler
Institut für Politikwissenschaft
Universität Wien
Universitätsstraße 7 / 2.Stock
A-1010 Wien
T +43 / 699 / 111 77 255
E georg.spitaler@univie.ac.at
Der Wissenschaftsfonds FWF:
Mag. Stefan Bernhardt
Weyringergasse 35
A-1040 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 - 36
E bernhardt@fwf.ac.at
Redaktion & Aussendung:
PR&D - Public Relations for Research & Development
Campus Vienna Biocenter 2
A-1030 Wien
T +43 / 1 / 505 70 44
E contact@prd.at

Mag. Stefan Bernhardt | PR&D
Weitere Informationen:
http://www.fwf.ac.at
http://www.prd.at

Weitere Berichte zu: Fußball Migration

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Wie formen autonome Fahrzeuge die Städte der Zukunft?
31.01.2017 | Daimler und Benz Stiftung

nachricht Der «Attraction Effect»: So lässt sich unser Gehirn beeinflussen
30.01.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie