Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DFG: 15,2 Millionen DM für zwei Göttinger Sonderforschungsbereiche

14.12.2001


Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat in ihrer diesjährigen Herbstsitzung die Einrichtung eines neuen naturwissenschaftlichen Sonderforschungsbereichs an der Universität Göttingen bewilligt. Für die Forschungen in dem zunächst auf drei Jahre angelegten SFB 602 "Komplexe Strukturen in kondensierter Materie von atomarer bis mesoskopischer Skala", der zum Januar 2002 seine Arbeit aufnehmen wird, erhält die Hochschule rund acht Millionen DM. Weitere 7,2 Millionen DM stellt die DFG für den bereits seit 1993 bestehenden Sonderforschungsbereich "Molekulare Mechanismen unimolekularer Prozesse" zur Verfügung.

Der SFB 357 ist damit zum dritten Mal erfolgreich begutachtet worden und wird nun weitere drei Jahre gefördert. Universitäts-Präsident Prof. Dr. Horst Kern erklärte dazu: "Bewilligung und Fördervolumen sind ein erneuter Beleg für die Forschungsstärke unserer Hochschule. Wir können Wissenschaftler aufbieten, die in innovativen Bereichen exzellente Forschungsprojekte entwickeln und durchführen." Insgesamt fördert die DFG an der Universität Göttingen neun Sonderforschungsbereiche sowie 13 Graduiertenkollegs für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

An dem neuen Sonderforschungsbereich 602 sind die Tieftemperaturphysik, die Kern- und Atomphysik, die Halbleiterphysik und die Theoretische Physik, das Institut für Physikalische Chemie und das Institut für Materialphysik beteiligt. In 21 Teilprojekten sollen die Wechselwirkungen benachbarter Atome und Moleküle in zukunftsweisenden Materialien untersucht werden. SFB-Sprecher Prof. Dr. Reiner Kirchheim (Institut für Materialphysik): "In den einfachsten Fällen ordnen sich die Bausteine der Materie diszipliniert auf den Plätzen eines räumlichen Gitters ein. Es hat sich jedoch gezeigt, daß gerade Abweichungen von der Idealstruktur an der Oberfläche und eine Reihe weiterer Gitterdefekte die Eigenschaften der Materie wesentlich mitbestimmen oder sogar beherrschen." Die Strukturen, mit denen sich die Wissenschaftler hier befassen, sind komplex und erstrecken sich räumlich von atomaren (ein Milliardstel Meter) bis zu mesoskopischen (ein Millionstel Meter) Abmessungen.

Mit Blick auf die praktische Anwendung ist die Grundlagenforschung am SFB 602 zum Beispiel für die Entwicklung von Speicherzellen und Datenträgern in der Informationstechnologie von Bedeutung. Wie Prof. Kirchheim erläutert, geht es dabei um die gezielte Herstellung dünner Filme aus unterschiedlichen Materialien, wobei durch die Reaktion benachbarter Materialien - etwa Metalle und Oxide - neue, komplexe Strukturen entstehen können. Für die Forschungsarbeiten steht ein modernes Instrumentarium von Untersuchungsmethoden zur Verfügung, so beispielsweise eine sogenannte tomographische Atomsonde, die nach Angaben von Prof. Kirchheim weltweit in nur sechs Laboratorien eingesetzt wird.

Im SFB 357 "Molekulare Mechanismen unimolekularer Prozesse" arbeiten Wissenschaftler des Instituts für Physikalische Chemie und des Instituts für Organische Chemie sowie der beiden Max-Planck-Institute für biophysikalische Chemie und für Strömungsforschung an Fragen der Reaktionskinetik und Reaktionsdynamik. In 14 Teilprojekten werden die molekularen Ursachen chemischer Prozesse und die daraus resultierenden Geschwindigkeiten experimentell untersucht und theoretisch bearbeitet. "Als unimolekular werden solche chemische Reaktionen bezeichnet, bei denen sich ein molekularer Zerfall oder eine atomare Umlagerung vom übrigen molekularen Geschehen abgrenzen lassen. Da es sich hier um bestimmende Elementarschritte im Verlauf sehr komplexer chemischer Reaktionen handelt, sind die unimolekularen Prozesse von grundsätzlichem Forschungsinteresse, aber auch von großer praktischer Bedeutung, etwa bei der Verbrennung in Motoren oder der Chemie der Atmosphäre", so SFB Sprecher Prof. Dr. Jürgen Troe vom Institut für Physikalische Chemie.

Der Wissenschaftler zeigte sich erfreut über die erneut erfolgreiche Begutachtung des Sonderforschungsbereichs, der damit die maximale Förderdauer von in der Regel zwölf Jahren erreichen wird. Prof. Troe: "In ihrem äußerst positiven Votum heben die Gutachter die besondere wissenschaftliche Qualität mit zum Teil exzellenten Einzelbenotungen, die sehr hohe internationale Präsenz des SFB, die guten neuen Forschungsansätze und die gelungene Einbindung junger Wissenschaftlerkollegen in verantwortliche Positionen hervor."

Marietta Fuhrmann-Koch | idw

Weitere Berichte zu: DFG Materie Physikalisch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht ROBOLAB generiert neue Forschungsansätze und Kooperationen
08.05.2017 | Hochschule Mainz

nachricht Wie Coronaviren Zellen umprogrammieren
28.04.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften