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Weißbuch zur Zukunft der Materialforschung in Europa vorgelegt

12.12.2001


Für die Max-Planck-Gesellschaft wird die Förderung durch die Europäische Union immer wichtiger. Aus Mitteln des bis zum Jahresende 2002 laufenden 5. EU-Forschungsrahmenprogramms werden 300 Forschungsprojekte an den verschiedenen Max-Planck-Instituten mit voraussichtlich insgesamt 70 Mio. Euro gefördert. In die Vorbereitung des im Jahr 2003 beginnenden 6. EU-Forschungsrahmenprogramms war die Max-Planck-Gesellschaft maßgeblich eingebunden. Mit ihrem neuen Weißbuch hat sie Perspektiven für die Materialforschung in Europa aufgezeigt.

In die Förderung durch das 5. EU-Forschungsrahmenprogramm wurden 40 Prozent aller von den Max-Planck-Instituten eingereichten Forschungsprojekte aufgenommen. Mit dieser Bewilligungsquote ist die Max-Planck-Gesellschaft im nationalen wie internationalen Vergleich überdurchschnittlich erfolgreich. Gleichzeitig konnte sie die aus Brüssel eingeworbenen Gelder um 25 Prozent von 54 Mio. Euro (im Zeitraum zwischen 1994 und 1998) auf 70 Mio. Euro (für 1999 bis 2002) steigern. Zusätzlich erhält das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik von 1999 bis 2002 124 Mio. Euro aus Mitteln des EU-Fusionsprogramms. Über ihre im Juli 2000 errichtete Repräsentanz in Brüssel pflegt die Max-Planck-Gesellschaft mittlerweile eine intensive forschungspolitische Kommunikation mit dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission. Im Vorfeld der Beratungen zum 6. EU-Forschungsrahmenprogramm, das mit einem Volumen von 17,5 Mrd. Euro für die Jahre 2003 bis 2006 aufgelegt wird, hat die Max-Planck-Gesellschaft zahlreiche Gespräche mit Forschungskommissar Philippe Busquin sowie weiteren Vertretern der europäischen Forschungspolitik geführt und durch Informationsveranstaltungen in Brüssel begleitet. Ziel dieser Aktivitäten war, die Rahmenbedingungen der europäischen Forschungsförderung so wissenschaftsnah wie möglich zu gestalten und dabei vor allem auch die Grundlagenforschung zu stärken, damit die Innovationskraft Europas im internationalen Vergleich kontinuierlich gesteigert werden kann. Insgesamt hat die Max-Planck-Gesellschaft besonderen Wert darauf gelegt, dass EU-Projekte künftig verstärkt qualitätsbezogen begutachtet und die Antragsverfahren weiter vereinfacht werden. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in den Mobilitätsprogrammen der EU ist ein zentrales Anliegen der Max-Planck-Gesellschaft. In der Form der europäischen "Excellence Grants" wird künftig das erfolgreiche Modell der Max-Planck-Nachwuchsgruppen auch in Europa etabliert. Europäische Exzellenznetzwerke sollen die weltweit besten Forscher nach Europa bringen.

Max-Planck-Institute haben bislang 100 wissenschaftliche Themen und 20 Großprojekte mit einem Förderbedarf von 15 Mio. Euro für das 6. EU-Forschungsrahmenprogramm vorgeschlagen. Dabei hat das Max-Planck-Institut für Metallforschung in Stuttgart gemeinsam mit weiteren Max-Planck-Instituten, aber auch mit Forschungseinrichtungen und Universitäten aus ganz Europa, USA und Japan ein eigenes "Weißbuch" zur Zukunft der Materialwissenschaften vorgestellt. "Erstmals sind Wissenschaftler verschiedener Disziplinen zusammengekommen, um aus europäischer Perspektive eine Übersicht über den Stand der Forschung auf diesem aufregenden Gebiet zu präsentieren", schreibt Forschungskommissar Busquin in die Präambel des Weißbuches, das seiner Meinung nach einen "Meilenstein für die Materialforschung in Europa" markiert.

Das über 300 Seiten starke "White Book on Fundamental Research in Materials Science" enthält eine Fülle von Informationen über die aktuellen Entwicklungen in den Materialwissenschaften und will nicht nur dem Fachwissenschaftler einen eindruckvollen Überblick über dieses Forschungsfeld bieten. Insbesondere wird der Beitrag der Grundlagenforschung für die weitere Entwicklung dieser Wissenschaften beschrieben. So wird aufgezeigt, welch maßgebliche Rolle neue Materialien für eine Vielzahl von Bereichen spielen werden, die unmittelbar unsere Lebensqualität beeinflussen. Der Schutz der Umwelt, die Sicherung unserer Gesundheit, die Kommunikation, moderne Verbrauchsgüter und das Transportwesen hängen ganz wesentlich von Innovationen im Bereich der Materialforschung ab. Im einzelnen geht es dabei beispielsweise um die Entwicklung von neuen Technologien zur Energiegewinnung, von langlebigen, leicht recycelbaren und weniger toxischen Materialien, von Wasseraufbereitungssystemen, von künstlichen Knochen und Organ-Implantaten, von leichten Aluminium-Karosserien für den Fahrzeugbau oder der Entwicklung von neuartigen Bremssystemen für Hochgeschwindigkeitszüge. Die neuen elektronischen, optischen und magnetischen Materialien werden auch beträchtliche Fortschritte in der Computer- und Informationstechnologie einleiten.

Prof. Manfred Rühle | Presseinformation

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