Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirksamkeit von Musiktherapie bei Herzkatheteruntersuchungen nachgewiesen

12.05.2006


Eine interdisziplinäre Kooperationsstudie des Deutschen Zentrums für Musiktherapieforschung in Heidelberg, der Fakultät für Musiktherapie der Fachhochschule Heidelberg und des SRH-Zentralklinikums Suhl belegt die Wirksamkeit einer musiktherapeutischen Stimulation bei Herzkatheteruntersuchungen. Die psychischen Belastungen der Patienten verringerten sich deutlich. Der Vergleich vor und nach der Herzkatheteruntersuchung zeigt, dass sich vor allem das subjektive Stresserleben der Patienten signifikant reduziert hat. Aufgrund dieser ersten Ergebnisse plant das Zentralklinikum Suhl ab August 2006 diese unterstützende Musiktherapie in den klinischen Alltag zu integrieren und bei Herzkatheteruntersuchungen anzubieten.


Ingesamt wurden 90 Personen mit Verdacht auf Erkrankung der Herzkranzgefäße in die Studie eingeschlossen. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip zu je einem Drittel einer Musikexpositionsgruppe, einer Coachinggruppe oder einer Kontrollgruppe zugeteilt. Die erste Gruppe erhielt über Kopfhörer während der Herzkatheteruntersuchung standardisierte Entspannungsmusik. Ein zusätzlich zum medizinischen Personal anwesender Musiktherapeut regelte die Lautstärke der Musik. Die zweite Gruppe bekam zusätzlich zur musikalischen Intervention einen Tag vor der Untersuchung ein fünfzigminütiges musiktherapeutisches Coaching und direkt vor dem Eingriff noch einmal Anweisungen zur Entspannung. Das Coaching umfasste eine ausführliche Behandlungsinformation, ein musiktherapeutisches Entspannungstraining und Hinweise über den Umgang mit Stress. Die Kontrollgruppe erhielt lediglich die übliche medizinische Grundversorgung. Während der Herzkatheteruntersuchung war außer dem medizinischen Fachpersonal keine weitere Person anwesend.

Alle Patienten wurden einen Tag vor der Herzkatheteruntersuchung stationär aufgenommen und entsprechend den medizinischen Standards betreut.


Gegenstand der Untersuchung war die Frage, inwieweit eine musikalische Intervention während der Herzkatheteruntersuchung Einfluss hat auf das Angst- und Stresserleben der Patienten. Mit der Studie sollte auch geklärt werden, ob beruhigende Medikamente durch eine musiktherapeutische Behandlung reduziert werden können und ob das Coaching Vorteile gegenüber einer rein musikalischen Entspannung aufweist.

Die Studie ergab eine deutliche Abnahme des subjektiven Stresserlebens bei allen Patienten nach der Untersuchung. Am eindeutigsten war die Verbesserung in der Gruppe in der Musikexpositionsgruppe, noch vor der Coachinggruppe. Die Patienten, die während des Eingriffs standardisierte Musik hören konnten, äußerten, dass sich ihr persönliches Wohlbefinden verbessert hätte. Dieses Ergebnis ist dabei unabhängig von Faktoren wie Geschlecht, Alter, Einweisungsdiagnose bzw. Untersuchungsdiagnose, Anzahl der bisher erfolgten Herzkatheteruntersuchungen sowie vom behandelnden Arzt. Die Forscher fanden einen Einfluss bestimmter Persönlichkeitseigenschaften heraus. Die Patienten wurden anhand von Testergebnissen der Gruppe "wenig belastet" oder "stark belastet/ängstlich" zugeordnet.

Bei Patienten mit einer zuvor diagnostizierten starken Angst- und Stressbelastung war insbesondere die Entspannungsmusik während der Untersuchung eine effektive Methode zur klinisch bedeutsamen Verringerung der psychischen Belastung. Bei Patienten mit einer niedrigen Belastung verbesserten sich Kontroll-, Musikexpositions- sowie Coachinggruppe annähernd gleich.

Auf die Physiologie hatte die Musikintervention nur geringe Auswirkungen Der Verlauf der physiologischen Parameter war in allen Untersuchungsgruppen ähnlich, wobei hier die größten Veränderungen in der Coachinggruppe zu beobachten waren, allerdings ohne statistische oder klinische Signifikanz zu erreichen.

Durch die musiktherapeutische Intervention konnte keine Verringerung der Medikamentendosis erreicht werden.

Da sich das persönliche Wohlbefinden der Patienten, die während der Herzkatheteruntersuchung entspannende Musik hören konnten, signifikant verbesserte, wird das Zentralklinikum Suhl diese standardisierte rezeptive Musiktherapie ab August 2006 in den klinischen Alltag übernehmen.

Bei einer Herzkatheteruntersuchung wird ein dünner biegsamer Kunststoffschlauch, üblicherweise über die Oberschenkelarterie oder die Armschlagader unter Röntgenkontrolle, in das Herz bzw. die Herzkammer geschoben. Diese Methode wird als Linksherzkatheter oder auch arterieller Katheter bezeichnet. Mit dieser lassen sich die linke Herzkammer und die Herzkranzgefäße darstellen. Als Rechtsherzkatheter oder auch venöser Katheter wird ein Zugang zur rechten Herzkammer bzw. die Lungengefäße über eine Vene bezeichnet.

Durch Einspritzen von Röntgen-Kontrastmittel über den Katheter werden Herz- bzw. Gefäßstrukturen und -funktionen auf dem Röntgenbildschirm sichtbar. So lassen sich krankhafte Veränderungen, wie beispielsweise verengte Herzkranzgefäße, Gefäßverschlüsse oder Tumoren ebenso diagnostizieren wie angeborene Fehlbildungen des Herzens. Eine Herzkatheteruntersuchung kann auch therapeutisch eingesetzt werden, so beispielsweise zur Erweiterung verengter Herzkranzgefäße, so genannter Koronarstenosen.

Auch Stents, d. h. medizinische Implantate, können so gesetzt werden, um nach einer Aufdehnung von Herzkranzgefäßen deren erneuten Verschluss zu verhindern. Die Patienten erhalten bei einer Herzkatheteruntersuchung lediglich eine örtliche Betäubung und sind während der gesamten Untersuchung bei vollem Bewusstsein. Die Betroffenen erleben diese Untersuchung als sehr belastend. Diese psychischen Begleiterscheinungen können den Untersuchungsablauf und die Erholungsphase nach der Herzkatheteruntersuchung beeinflussen.

Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e. V. wurde 1995 in Heidelberg gegründet. Heute ist das DZM das größte musiktherapeutische Forschungsinstitut in Europa und vereint Forschung, Praxis und Lehre unter einem Dach. Das DZM ist ein AN-Institut der Fachhochschule Heidelberg, d. h. das Forschungsinstitut ist wissenschaftlich eng mit der Fachhochschule verbunden, aber privatwirtschaftlich organisiert und damit finanziell unabhängig. Das DZM ist als gemeinnützig anerkannt und finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Spenden.

Am DZM entwickeln und erforschen Musiktherapeuten, Mediziner, Musikwissenschaftler und Psychologen in interdisziplinären Projekten musiktherapeutische und musikmedizinische Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation erkrankter Menschen.

Weitere Informationen:
Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung
(Viktor Dulger Institut) DZM e. V.
Ansprechpartnerin: Michaela Schneider M.A.
Maaßstraße 26
D-69123 Heidelberg
Telefon: + 49 (0) 62 21-83 38 60
Telefax: + 49 (0) 62 21-83 38 74
E-Mail: dzm@fh-heidelberg.de

Michaela Schneider M.A. | idw
Weitere Informationen:
http://www.dzm.fh-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Blick unter den Gletscher
12.06.2017 | Universität Bern

nachricht ROBOLAB generiert neue Forschungsansätze und Kooperationen
08.05.2017 | Hochschule Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie