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Angst vor Bestrafung als Schlüsselpunkt der Kooperation

07.04.2006


In der strafenden Welt etabliert sich das gemeinsame Wohl



Menschen kooperieren in allen verschiedenen Varianten und Formen. Allerdings scheint das in einer gemeinsamen freien Welt nicht zu funktionieren, wie Forscher der Universität von Erfurt jetzt entdeckt haben. Denn es scheint so, dass erst die Angst vor Bestrafung der Schlüsselpunkt für Kooperationen ist. Ein Versuch mit 84 Studenten hat erstaunliche Ergebnisse geliefert, berichtet Bettina Rockenbach in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science.



Die Studenten konnten sich in jeder der 30 Runden entscheiden, ob sie in der Gruppe sein wollten, in der bestraft werden durfte oder in jener, in der es keine Sanktionen gab. In jeder der 30 Runden konnten die Probanden auch wählen, wie viel Geld sie als Allgemeingut zur Verfügung stellten. In der ersten Gruppe wurde das Geld auf alle gemeinsam verteilt, egal, ob sie dafür etwas taten oder nicht. In der zweiten Gruppe gab es nur dann Geld aus dem allgemeinen Topf, wenn jemand etwas Positives dazu beitrug. Im Falle des Nichthandelns gab es eine Bestrafung. "Jede Sanktion kostete den Spieler allerdings sein eigenes Geld", wie Rockenbach berichtet. Am Ende jeder Runde konnten die Probanden die Summe der "anonymen" Gewinne sehen.

Das Ergebnis war erstaunlich: Zunächst entschieden sich zwei Drittel der Studenten für die Gruppe, in der nicht bestraft wurde. Sie zahlten einen gewissen Teil in den Allgemeintopf ein. Das zweite Drittel entschied sich für das System der Belohnung und Bestrafung zur Kooperation. Interessanterweise änderte sich diese Präferenz unter den Probanden relativ schnell. In der "sanktionslosen Gruppe" schienen sich die Trittbrettfahrer schnell durchzusetzen. Da die Studienleiter jedes Mal alle Probanden von den Ergebnissen informierten, änderte sich sehr schnell die Präferenz. Am Ende war das "System der Belohnung und Bestrafung" eindeutiger Sieger. In der 20. Runde entschieden sich 100 Prozent der Probanden für die sanktionierende Gruppe.

Es schien den Probanden egal zu sein, dass das Bestrafen Geld kostete, denn schon am Beginn des Eintritts in die neue Gruppe begannen die Studenten mit der Bestrafung derjenigen, die dem Gemeinwohl zuwider handelte. "Den plötzlichen Wechsel der Wahl kann man nicht derartig einfach damit erklären, dass man nur auf den Gewinn blickt. Die Menschen folgten eher der kooperativen Norm", so Rockenbach. Nach der wissenschaftlichen Analyse konnten die Forscher feststellen, dass es Probanden gab, die sich aufopferungsvoll für das Gemeinwohl einsetzten. Diese bestraften auch dann, wenn sie selbst dafür bezahlen mussten. Die Forscher gehen davon aus, dass dieses Verhalten der Schlüssel für soziale Ordnung und Kooperation ist.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.uni-erfurt.de
http://www.sciencemag.org

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